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Hackschnitzel: Trenthorster beklagen Alleingang des Bundes

Trenthorst Hackschnitzel: Trenthorster beklagen Alleingang des Bundes

Neue Heizanlage wird nach zehn Jahren Planung für das Ökoinstitut gebaut.

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Klimafreundlich soll diese Hackschnitzel-Anlage Wärme für das Bundesinstitut in Trenthorst liefern, das Dorf geht aber leer aus.

Quelle: Fotos: von Dahlen

Trenthorst. Wie ein monolithischer Block wirkt die neue Hackschnitzelheizanlage, die derzeit auf dem Gelände des Instituts für Ökologischen Landbau in Trenthorst errichtet wird. Nach langer Phase der Planung und Genehmigung kann nun in der Bundeseinrichtung während der kalten Jahreszeit mit dem nachwachsenden Rohstoff Holz geheizt und zugleich auf fossile Brennstoffe verzichtet werden.

LN-Bild

Neue Heizanlage wird nach zehn Jahren Planung für das Ökoinstitut gebaut.

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Im Dorf keimt unterdessen wieder Frust auf. „Es wäre doch toll gewesen, wenn man das ganze Dorf angeschlossen hätte“, sagt etwa Christiane Schwarze. Auch Kurt Weirauch kann nur mit dem Kopf schütteln. „Wir hätten alle gern gesehen, dass ganz Trenthorst mit der Wärme versorgt wird“, sagt der einstige Labormitarbeiter des Instituts. Mit der gemeinsamen Nutzung hätte nicht nur ein Synergie-Effekt, sondern gleichzeitig eine größere Akzeptanz des ökologischen Gedankens im Dorf erzielt werden können.

So sieht es auch Gerd Herrmann, der den Förderverein des Instituts leitet, dem auch Weirauch angehört. Beide organisieren übers Jahr zahlreiche Veranstaltungen zu den Themen Umwelt- und Naturschutz, um einen Schulterschluss zwischen Institut und der Bevölkerung herzustellen. Laut Weirauch war die Anlage fürs ganze Dorf ursprünglich auch im Sinne von Institutsleiter Gerold Rahmann, der zurzeit zu Forschungszwecken in Äthiopien weile. Letztlich sei dies aber nicht genehmigt worden, angeblich, weil derartige Kooperationen zwischen Bund und Kommune nicht möglich seien.

In der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) weiß man davon nichts. „Wir sind 2011 eingestiegen, da gab es das Projekt schon so, wie es jetzt ausgeführt wird. Meines Wissens hat das Thünen-Institut in Braunschweig davon Abstand genommen, die Kommune ins Boot zu holen, weil die Investition zu hoch gewesen wäre“, sagt Stefan Kortmann, Leiter der Abteilung Dienstliegenschaften. Im Übrigen sei die Trennung der Aufgaben innerhalb der förderalen Strukturen so verwurzelt und nicht so einfach aufzubrechen.

„Erste Planungen gab es schon vor zehn Jahren. Seitens der Gemeinde sind aber nie weitere Gespräche geführt worden. Sie hat nie signalisiert, dass sie an einer Kooperation interessiert wäre“, sagt wiederum Hilke Heeren, Sprecherin des Thünen-Instituts Braunschweig, zu dem das Trenthorster Öko-Institut gehört.

Diese Darstellung will Bürgermeisterin Petra Jürß nicht auf sich sitzenlassen. „Ich bin seit acht Jahren im Amt und habe immer Interesse bekundet. Uns wurde aber stets gesagt, dass eine Kooperation zu schwierig sei, weil es eine Einrichtung des Bundes ist“, sagt sie. Die Gemeinde bemühe sich seit längerem, neue Wege für eine dezentrale Energieversorgung zu gehen und habe dafür eigens einen Ausschuss gegründet. „Wir stehen kurz davor, eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben“, sagt Petra Jürß. Jahrelang habe die Gemeinde auch nichts mehr von der Hackschnitzelheizanlage in Trenthorst gehört. Dass sie nun nach zehn Jahren tatsächlich gebaut werde, sei erst mit dem Bauantrag offenkundig geworden, dem die Gemeinde ohne langes Zögern zugestimmt habe. „Jetzt ist es natürlich zu spät“, sagt die Bürgermeisterin.

Weirauch sieht Parallelen zur Abwasseranlage, die in den 1980er Jahren in Trenthorst gebaut wurde. Auch damals sei überlegt worden, ob nicht alle Einwohner angeschlossen werden können. „Aber nein, das wollte der Bund nicht. Alle Privatleute im Ort mussten sich für viel Geld eine eigene Hauskläranlage bauen“, erzählt Weirauch. Als einstiger Institutsmitarbeiter war auch seine Wohnung ans Klärwerk angeschlossen. Nach seiner Pensionierung ging sie aber in Privateigentum über. „Da wurde mir nicht nur der Strom abgeklemmt und die Ölversorgung eingestellt, sondern auch die Abwasserentsorgung gekündigt“, erinnert sich der Trenthorster. Er hält es für denkbar, dass das Klärwerk bald nicht mehr richtig funktioniert, da der Bund inzwischen sehr viele Häuser im Ort veräußert habe. „Dann könnte die Gemeinde es zwar übernehmen. Aber was ist mit denen, die gezwungen waren, eine eigene Anlage zu bauen?“, fragt Weirauch.

19-Jährige tauscht Algen gegen Kühe

Rote und blaue Algen, das waren bis dato Objekte ihrer Forschung. Das ist nicht verwunderlich, stammt Linnea Rulle doch von der Waterkant aus Schönkirchen bei Kiel. Auf dem Forschungsschiff des Helmholtzzentrums für Ozeanforschung in Kiel nahm sie das Plankton unter die Lupe. Während der zurückliegenden drei Jahre wirkte sie engagiert im Forscherclub der Einrichtung mit.

„Ich habe mich mit Algenkulturen beschäftigt, etwa wie sie auf Temperaturen reagieren. Ziel war es herauszufinden, wie sie sich angesichts des Klimawandels entwickeln werden“, erzählt die 19-Jährige.

Inzwischen ist sie „auf Landgang“ und absolviert ein Freiwilliges Jahr (FÖJ) im Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst. „Die Forschungswerkstatt Kiel wäre auch eine Option gewesen, aber diese Stelle hier hat mir besser gefallen. Das Ambiente ist toll, und die Mitarbeiter hier sind sehr nett“, sagt die Abiturientin, die zwischen Schule und Studium gern praktische Arbeit leisten wollte.

Statt „kleinen Kindern zu zeigen, wie man mikroskopiert“, durchläuft Linnea Rulle derzeit alle Abteilungen des Instituts, schnuppert nun Laborluft, erfährt aber auch, was auf den Feldern oder bei den Kühen der Forschungseinrichtung passiert. Gewissermaßen als Gesellenstück wird sie daran mitwirken, einen Lehrgarten auf die Beine zu stellen, in dem Schüler, Kita-Kinder und andere Gruppen Ziele und Arbeitsweisen des Instituts kompakt vorgeführt bekommen. Gemeinsam mit dem Verein Ökomarkt Hamburg wird die FÖJlerin eine Ausstellung herrichten. Und die Zukunftspläne? „Vielleicht werde ich Biologie studieren. Aber ich habe ja ein Jahr Zeit, mich zu orientieren“, sagt Linnea Rulle. dvd

Dorothea von Dahlen

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