Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Haftstrafe: Finanzbeamter nimmt 10 000 Euro aus der Sparclubkasse
Lokales Stormarn Haftstrafe: Finanzbeamter nimmt 10 000 Euro aus der Sparclubkasse
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:50 06.11.2013
 Statue vor dem Amtsgericht in Ahrensburg, wo gestern ein 59-jähriger Finanzbeamter schuldig gesprochen wurde. Quelle: Kuhlmann-Schultz
Bad Oldesloe

Ein 59-jähriger Finanzbeamter ist gestern wegen Veruntreuung und Vortäuschens einer Straftat vom Amtsgericht Ahrensburg zu sieben Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Zudem muss er 1200 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen.

Der Mann aus einem Dorf in Nordstormarn hatte Mitte November bei der Polizei angegeben, er sei auf dem Rückweg von der Sparkasse auf dem Peters-Parkplatz in Bad Oldesloe von einem Unbekannten mit einem Elektroschocker überfallen worden. Der habe ihm die gerade zur Auszahlung an den Sparclub des Finanzamtes abgehobenen 58 000 Euro geraubt.

Doch die Oldesloer Kriminalpolizei fand schnell heraus, dass der Beamte den Überfall schlicht erfunden hatte. Der Mann wies keine für den Einsatz eines Elektroschockers typischen Verletzungen auf, Polizisten entdeckten das angeblich geraubte Geld unter dem Rücksitz seines Autos.

Es sei eine Kurzschlusshandlung gewesen, verteidigte der 59-Jährige sein Handeln jetzt vor Gericht. „Ich habe nicht mehr gewusst, wie ich das alles auf die Reihe kriege.“ Zuvor hatte er über Monate 10 000 Euro von den wöchentlichen Einzahlungen seiner Kollegen für persönliche Zwecke abgezweigt. Er schleuste das Geld nebenher in die eigene Haushaltskasse ein, habe es für Dinge des täglichen Lebens ausgegeben. Zwei-, dreimal sei er nicht dazu gekommen, die Einzahlungen zur Sparkasse zu bringen. „Da lag es dann in der Schublade“, sagte er.

Auf drei Listen sammeln die Bediensteten im Stormarner Finanzamt Geld für ihren Sparclub ein. Der Verurteilte hatte diese Listen in seiner Excel-Tabelle zusammengefügt und führte die Kasse. Das war Geld, „von dem wir auch unser gemeinsames Grünkohlessen bezahlten“, sagte eine Mitarbeiterin in einer Verhandlungspause.

Selten sah ein Gerichtsverfahren in Ahrensburg so viele Vertreter des Finanzamtes bei einer Verhandlung. In ihrer Behörde, sagte die Frau, gebe es geteilte Meinungen darüber, wie ihr Kollege bestraft werden solle. Schließlich, argumentierte der Richter in seiner Urteilsbegründung, sei kein wirklicher finanzieller Schaden entstanden. Die 10 000 schon fehlenden Euro hatte der Angeklagte nämlich durch den Verkauf seines Autos wenige Tage nach dem Auffliegen der Lüge zurückgezahlt. Die 58 000 Euro aus dem fingierten Überfall waren ohnehin nicht abhanden gekommen. Entscheidend für den Richter aber war, dass der Familienvater die Absicht hatte, das Geld für eigene Zwecke zu verwenden.

Diese Ansicht teilte Verteidiger Henning Scheve nicht. „Er hätte mit dem abgezweigten Geld ja Halligalli machen können“, argumentierte der Anwalt. Er sehe nicht, dass die 58 000 Euro einbehalten werden sollten. Allein die Merkwürdigkeit der erfundenen Straftat zeige den inneren Druck seines Mandanten, weil er nicht gewusst habe, wie er das bereits fehlende Geld auftreiben sollte. Deshalb forderte Scheve, von einer Freiheitsstrafe abzusehen. Der Mann und seine Familie stünden vor einem Scherbenhaufen. Zudem drohe beinahe zwingend die Entfernung aus dem öffentlichen Dienst. „Er ist beruflich und menschlich erledigt.“ Seit Monaten gehe er nicht aus dem Haus. Eine andere Anstellung zu finden sei unmöglich.

Allerdings bestand die Staatsanwaltschaft auf Freiheitsstrafe, weil niemand wisse, was aus den 58 000 Euro geworden wäre. Anwalt Scheve und Mandant überlegen nun, ob sie in Berufung gehen.

Das Risiko sei dabei, „dass ein noch härteres Urteil folgt“, wenn auch die Staatsanwaltschaft gegen das Urteil angeht. Wenn nicht, gilt das so genannte „Verböserungsverbot“. Das heißt, die Strafe kann nicht höher ausfallen.

Ende einer Laufbahn?
Was wird aus dem Beamten, der unterschlagen hat? Juristen sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit für „Dienstentfernung“. Das Finanzamt könne die Tat nicht ignorieren. Klärung bringt ein Disziplinarverfahren. Prinzipiell gilt: Wenn ein Beamter wegen einer vorsätzlichen Tat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt wird, endet das Beamtenverhältnis.

Uwe Krog

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!