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Haftstrafe für Brandstifter aus Hammoor

Hammoor Haftstrafe für Brandstifter aus Hammoor

Hunderte Strohballen, ein leerer Pferdestall, sogar eine 300 Jahre alte Reetdachkate gingen in Hammoor über einen langen Zeitraum in Flammen auf. Der Brandstifter, ein Feuerwehrmann aus der Gemeinde, wurde vom Landgericht Lübeck nun zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

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Über zwei Jahre hinweg legte der 24-Jährige immer wieder Feuer. Nach dem Brand dieser Reetdachkate war der Mann gefasst worden.

Quelle: Fotos: Jeb*

Hammoor. „Der Angeklagte war geständig, es gibt keine Anzeichen für eine verminderte Schuldfähigkeit. Es waren auch keine minder schweren Fälle“, begründete Richter Jörg Hentschel das Strafmaß. Die Staatsanwaltschaft hatte sogar drei Jahre und zehn Monate gefordert, die Verteidigung eine Bewährungsstrafe.

Doch dafür sah das Gericht keine Möglichkeit, angesichts der Schwere der Taten. Der in der Verhandlung geschilderten Version des Angeklagten, sein ältester Bruder habe ihn zu den Taten angestiftet, glaubte das Gericht nicht. Sebastian F. (Name geändert) wird die nächsten Jahre im Gefängnis verbringen. Über zwei Jahre hinweg legte der 24-Jährige in seinem Heimatort immer wieder Feuer und verursachte damit einen Sachschaden in Höhe von 260000 Euro. Menschen oder Tiere kamen hingegen nie zu Schaden.

Auch Zeuge Detlef A., 71 (Name geändert) beschreibt seine Begegnung mit dem mutmaßlichen Brandstifter: „Ich war in der Küche und schaute aus dem Fenster. Da sah ich einen Mann auf einem Fahrrad vorbei fahren, in der linken Hand einen Benzinkanister“, schildert der Rentner. „Ich habe mir erst mal nichts dabei gedacht. Doch eine halbe Stunde später brannten dann die Strohballen.“ Das war am Donnerstag, 31. Januar 2013. Der Beginn einer Brandserie in dem kleinen Ort.

Mitte Juni 2015 endlich die Nachricht: Der mutmaßliche Brandstifter ist gefasst. Dann der Schock: Es sollte sich um einen Feuerwehrmann handeln. Nach dem verheerenden Brand, der die historische Reetdachkate im Ort vernichtete, wurde Sebastian F. festgenommen. Der Zentrale Dauerdienst aus der Hansestadt Lübeck ermittelte bereits in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr Hammoor, befragte nach dem Brand die Kameraden. F. war der Einzige, der bleiben musste. Er legte ein umfassendes Geständnis ab. Bis zum Prozess saß der Mann in Untersuchungshaft. Eine Nachbarin der Reetdachkate erinnert sich an die Nacht: „Ich habe Sirenen gehört, dachte es wäre wieder etwas auf der Autobahn passiert. Auf einmal klingelte jemand Sturm an der der Tür. Ich öffnete und ein mir Unbekannter rief ,schnell raus, es brennt‘. Es war wie ein Spuk. Plötzlich war er wieder weg“, beschreibt die Zeugin die unheimliche Begegnung mit dem geheimnisvollen Fremden. Wer der Unbekannte war, ist bis heute ungeklärt.

Klar ist: Sebastian F. wollte nie Menschen oder Tiere in Gefahr bringen. Das machte die vom Gericht beauftragte Gutachterin Dr. Christine Heisterkamp deutlich. Vielmehr zeichnet sie von dem Angeklagten das Bild eines schüchternen Mannes mit einer Selbstwertproblematik. Seit der Kindheit leidet Sebastian F. unter einer Lernbehinderung. Mit einem IQ von 62 liegt seine intellektuelle und geistige Leistungsfähigkeit weiter unterhalb der Norm, im Grenzbereich zum Schwachsinn.

Das blieb auch von ehemaligen Schulkameraden nicht unbemerkt. Immer wieder musste Sebastian F. sich Hänseleien gefallen lassen. Bei der Feuerwehr hingegen wurde er respektiert, als Kamerad angesehen:

Bei den Löscheinsätzen zu den eigens gelegten Bränden wollte er sich beweisen. Er habe den Leuten im Dorf zeigen wollen, dass er da ist und hilft und eben nicht der ist, der nichts auf die Reihe bekommt. Dr. Christine Heisterkamp: „Er wollte als Held gesehen werden.“

Das ist bei brandstiftenden Feuerwehrleuten wohl der hauptsächliche Antrieb für ihre Taten. Auch bei der Brandserie in Ahrensfelde waren es Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr, die für die Feuer verantwortlich waren. Sechs Männer wurden dort Ende 2014 festgenommen. Vier waren Feuerwehrleute. Laut dem deutschen Fachverband der Feuerwehren sind allerdings nur 0,3 Promille aller Brandstiftungen auf Feuerwehrleute zurückzuführen.

Vor der Urteilsverkündung entschuldigte sich Sebastian F. mit Tränen in den Augen bei den Geschädigten. Mit vielen seiner ehemaligen Feuerwehrkollegen bestand auch während der mehrmonatigen Untersuchungshaft Kontakt. Sogar einer der Geschädigten beschrieb F. als „eigentlich guten Jungen“. Dennoch wird Sebastian F. über mehrere Jahre nicht dorthin zurück kehren können. Gegen das Urteil kann Revision eingelegt werden.

Haft- oder Geldstrafe
Mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder einer Geldstrafe wird ein Täter bestraft, der fahrlässig eine einfache oder schwere Brandstiftung begangen hat. Wenn jemand einen von ihm selbst fahrlässig gelegten Brand löscht, bevor das Feuer entdeckt wird und damit einen weitergehenden Schaden angerichtet hat, dann kann dieser Täter in der Regel von einem Gericht nicht wegen einer Brandstiftung verurteilt werden, sondern nur wegen einer Sachbeschädigung. Quelle: Rechtslexikon.net

Finn Fischer

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