Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Handwerk ist auf der Suche nach Azubis
Lokales Stormarn Handwerk ist auf der Suche nach Azubis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:39 07.08.2017
Anzeige
Bad Oldesloe

„Ich würde gern weitere Azubis einstellen. Doch leider kam keiner der Interessenten in Frage“, betont Malte Schulenburg, Chef des gleichnamigen Malereibetriebes in Groß Wesenberg. Wer als junger Mensch handwerkliches Geschick besitzt und sich auch nicht scheut, die Hände schmutzig zu machen, der hat auch in diesem Jahr noch gute Chancen, eine Lehrstelle in Stormarn zu finden. „Wir haben zurzeit zwischen 150 und 170 noch offene Ausbildungsplätze“, zieht der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Marcus Krause, eine aktuelle Bilanz. Nach Angaben der Agentur für Arbeit sind insgesamt mehr als 500 Lehrstellen noch unbesetzt.

Zur Galerie
Arbeitsagentur registriert rund 500 freie Lehrstellen in Stormarn – Einstieg ist bis 1. September möglich.

Hannah Scheibe hat vor einem Jahr ihre Ausbildung zur Malerin und Lackiererin bei dem Handwerksbetrieb begonnen. „Sie machte zuerst ein Praktikum, weil ich der Meinung war, dass Hannah den körperlichen Anforderungen vielleicht nicht gewachsen wäre“, erinnert sich Malte Schulenburg. Immerhin müssen auch Gerüste aufgebaut oder Wände verputzt werden. Doch der Meister stellte die junge Frau mit dem Realschulabschluss nach dem Ende der einwöchigen Probezeit ein – und beide haben es nicht bereut.

„Die Arbeit bringt Spaß“, sagt die 17-Jährige aus Wesenberg. Und sie ist mittlerweile nicht die erste Frau, die sich für einen bisher von Männern dominierten Beruf interessiert und die dreijährige Ausbildung absolviert: „Von neun Schülern in unserer Berufsschulklasse sind zwei Mädchen dabei.“ 2019 wird auch für den Azubi die Lehrzeit zu Ende sein. Bis dahin hat die junge Frau noch Zeit, um sich über ihren weiteren beruflichen Weg im Klaren zu sein: „Was ich dann mache, weiß ich allerdings noch nicht.“ Der Chef denkt allerdings an das Heute und würde in sein achtköpfiges Team auch gern weitere Lehrlinge aufnehmen: „Leider war kein geeigneter Bewerber dabei.“

Den Einstieg über ein Praktikum sieht auch Marcus Krause als geeignete Möglichkeit, damit Lehrherr und Azubi erkennen können, ob die Berufswahl die richtige sei: „Betriebe können auch schwächeren Bewerbern die Chance für eine qualifizierte Ausbildung ermöglichen.“ Die Bereitschaft, dank eigener Anstrengungen Berufsnachwuchs zu gewinnen, ist nach den Worten des Geschäftsführers der Kreishandwerkerschaft weiterhin ungebrochen: „Wir haben bis Anfang August 470 Ausbildungsverträge abgeschlossen.“

Marcus Krause geht davon aus, dass es noch weitere Vereinbarungen geben wird – dies sei noch bis zum 1. September möglich. „Allerdings werden auch in diesem Jahr nicht alle angebotenen Lehrstellen besetzt sein. Etwa 100 werden offen bleiben“, lautet seine Prognose. Es gebe noch Offerten in allen Branchen – gesucht würden vor allem angehende Maler, Lackierer oder Elektroniker: „Auch bei den Kraftfahrzeugmechatronikern ist noch etwas frei.“

Die wirtschaftliche Situation im Kreis ist zurzeit ausgesprochen positiv – und auch das Handwerk hat offenbar goldenen Boden. „Die Auftragslage der Betriebe ist gut“, so der Geschäftsführer. Es gebe Unterschiede – im Bauhauptgewerbe und Baunebengewerbe herrsche Hochkonjunktur, im Dienstleistungsbereich sei die Situation etwas schwächer. Auch Malte Schulenburg wirbt für das Handwerk: „Der Verdienst ist gut, und man sieht, was man täglich geschafft hat.“

Die Agentur für Arbeit in Bad Oldesloe führt zurzeit 515 freie Lehrstellen in Stormarn in ihrer Statistik, nicht nur die Angebote aus dem Handwerk im Kreis. Es gibt unter anderem 38 freie Ausbildungsplätze für Kaufleute im Einzelhandel, 37 für angehende Verkäufer oder Verkäuferinnen, 27 für Fachkräfte in der Lagerlogistik, 26 für Fachkräfte im Bereich Küchen-, Möbel- und Umzugsservice, 21 für spätere Bankkaufleute sowie 16 für Kaufleute im Büromanagement.

Verdienst und Ansehen sind bei der Berufswahl wichtig

„Für Jugendliche spielt bei der Berufswahl oft eine Rolle, welche Verdienstmöglichkeiten und Rahmenbedingungen mit einem Beruf verbunden sind und welches Ansehen der Beruf bei ihnen hat“, erklärt Heike Grote-Seifert, Chefin der Agentur für Arbeit Bad Oldesloe.

Auch Größe und Bekanntheit eines Betriebes flössen in diese Entscheidungen mit ein. Selbst innerhalb einer Branche, wie zum Beispiel dem Handel, gebe es beliebtere und weniger begehrte Bereiche.

Hinzu kämen immer wieder bestimmte Modeberufe wie die IT-Branche oder der Sport- und Fitnessbereich. Berufe, die neu oder unbekannt seien oder unter denen man sich nichts vorstellen könne, stünden bei den Jugendlichen nicht hoch im Kurs. Auch wenn Berufsberater den jungen Leuten eine breit gefächerte Auswahl aufzeigten, konzentrierten sich viele Ausbildungssuchende auf Ausbildungen im kaufmännischen Bereich oder der Verwaltung. „Handwerkliche und körperlich anstrengende Berufe sind immer weniger gefragt“, so die Agenturchefin.

Michael Thormählen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Karl-May-Spiele erwarten bereits den 200 000. Besucher – USA-Reise zu gewinnen.

07.08.2017

Zum sechsten Mal findet in der Ahrensburger Innenstadt das Oktoberfest statt. Vom 29.

07.08.2017

Dem historischen Raddampfer „Kaiser Wilhelm“ brach bei voller Fahrt ein Schaufelrad ab.

07.08.2017
Anzeige