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Stormarn Harry Sher in Trittau: Im Bann des Mentalisten
Lokales Stormarn Harry Sher in Trittau: Im Bann des Mentalisten
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00:00 18.12.2012
Der Ehemann wurde gekniffen, aber die Ehefrau merkte es: Harry Sher kennt viele Kniffe.
Trittau

„Hier spricht Harry Sher“, tönt es hallend aus dem Off. Der Mentalist war Sonntag in Trittau zu Gast, und den ersten Auftritt hat seine Stimme. Ich stelle mir einen schwarzhaarigen Mann mit durchdringenden blauen Augen vor. Nicht, weil ich Gedanken lesen könnte, sondern weil sein Foto überall hängt. Harry Sher kann auch keine Gedanken lesen. „Ich habe keine paranormalen Kräfte“, sagt er, als er die Bühne der Wassermühle betritt, aber niemand glaubt ihm. Zu verblüffend sind die Tricks, die Harry Sher in den nächsten beiden Stunden vorführen wird.

Da stehen Kandidaten mit verdeckten Karten in der Hand, aber Harry Sher weiß nach einem Blick in ihre Augen trotzdem, was darauf ist. Er kneift den Ehemann, und die Ehefrau zuckt: Harry Sher kennt viele Kniffe. Er sieht, wann der Kandidat lügt, und hat schon im Voraus geahnt, welche Zahl ein Besucher ihm gleich nennen wird.

„Ziehen Sie einen Zettel und nennen Sie drei Begriffe, die nichts mit dem Wort darauf zu tun haben“, weist er einen Zuschauer an. Darüber kommt er von „Kettensäge“ auf „Liebe“. „Ich benutze erlernbare Techniken wie Psychologie, Körpersprache und Hypnose“, erläutert der Gedankenleser seine Arbeit, die ihn zum Wettkönig beim chinesischen „Wetten dass “ gemacht hat und zum Rekordhalter beim Blindfahren: Mit verbundenen Augen steuerte er einen 20-Tonner 15 Kilometer durch Frankfurt. Seit fünf Jahren zeigt er seine Kunst auch auf Kreuzfahrten.

Ins Schwimmen kommt Harry Sher trotzdem nicht. „Es gibt viele Möglichkeiten, den Menschen zu lesen“, erklärt er. „Mimik, Gestik, Körpersprache, Stimme — über nonverbale Kommunikation passiert ganz viel. Bei der ,Drei‘ haben Sie unbewusst mit dem Lid gezuckt“, erklärt er einem verblüfften Kandidaten, der von seinem Pokerface überzeugt war. Einen anderen verrät eine Bewegung der Braue.

Harry Sher lässt sich in die Karten schauen, gibt seine Tricks preis, aber längst nicht alle. Subtil spielt er mit der Gedankenwelt seiner Zuschauer. „Denken Sie nicht an einen pinkfarbenen Hund“, befiehlt er mir im Interview, und sofort tollt ein rosa Pudel durch mein Hirn. „Durch Dinge, die ich sage, kann ich die Gedanken in bestimmte Richtungen lenken“, erklärt Sher, der die ganze Show mit Kommentaren begleitet. „Ich nutze Mechanismen, wie sie auch in der Wirtschaft oder bei Profilern, die Täterprofile erstellen, eine Rolle spielen.“

„Zeichnen Sie eine geometrische Form, beispielsweise ein Quadrat in einem Rechteck“, weist er mich an. Zwei Sekunden später weiß er, dass ich einen Kreis im Dreieck gemalt habe. „Es gibt ein schnelles Raster im Hirn, auf das man zugreift, ohne nachzudenken“, so Sher. „Ich bin nicht von Aliens entführt worden, wie Uri Geller von sich behauptet. Ich mache nichts, was nicht erklärbar wäre.“

Wie kommt es dann, dass die nächste Kandidatin Fotos sortieren soll und unbewusst alle die auf einen Stapel legt, die auf der „Titanic“ umgekommen sind? Gänsehaut weht durch das Publikum, und ich versuche krampfhaft, an Druckfähiges zu denken. Ein Mann denkt an Angelina Jolie: Sie, „Russland“, „8000 Euro“ und „Depeche Mode“ stehen seit dem Start der Show spontan gesammelt auf einer Liste. Wen wundert es am Ende, dass genau diese Begriffe in einer verschlossenen Kiste auf einem Zettel stehen, der geschrieben wurde, ehe die Show begann?

Hinterher, bei Bratwurst auf dem Weihnachtsmarkt, kommt ein Dackel, setzt sich und fixiert meine Wurst. Ich merke: Auch ich kann Gedanken lesen.

Bettina Albrod

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