Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Hausbesuch bei Stormarns neuem Landrat Henning Görtz
Lokales Stormarn Hausbesuch bei Stormarns neuem Landrat Henning Görtz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:31 01.02.2016
Familienmensch Dr. Henning Görtz hat seine Lieben immer um sich: Ihre Fotos stehen auf der Kommode in der Diele. Quelle: Fotos: K. Kuhlmann-Schultz

Ja, das hätte man so nicht gedacht, aber Henning Görtz, der frisch gewählte Landrat des Kreises Stormarn, der bodenständige schleswig-holsteiner Landwirtssohn, ist Fan von Bayern München. Gleich im Flur zeigt ein kleiner Fahne schwenkender Gartenzwerg, wie hier der Wind weht. Gattin Anja Görtz toleriert den Zwerg mit einem Grinsen im Gesicht, Katze „Nelly“ ist der Zwerg wurscht. Wie wohl Sohn Phillip darüber denkt, so als eingefleischter HSVer? Aber er wohnt ja nicht mehr zu Hause, muss also nicht täglich an dem Rot-Weißen vorbei.

Der Zwerg ist die einzige Fußballdevotionale, die sich — zumindest sichtbar — im Hause Görtz findet. Einem Friesenhaus, mitten im Zentrum von Bargteheide. Das Haus liegt im Garten des früheren Bauernhofes, den die Familie über mehrere Generationen bewirtschaftet hat. Von den alten Häusern und Scheunen steht allerdings kein Stein mehr. „Ja, das war ein trauriger Moment, als alles abgerissen wurde“, erinnert sich Görtz.

Neun Jahre ist es jetzt her, dass der Hof eingeebnet wurde. Sein jüngerer Bruder Matthias, der mit 23 Jahren nach dem Tod des Vaters die Landwirtschaft übernommen hatte, siedelte seinen Betrieb aus nach Klein Hansdorf. „Wir haben zusammen hin und her überlegt, aber es wäre unwirtschaftlich gewesen, den Hof so zu halten.“ Wie es früher auf der Scholle von Görtz und seiner Familie ausgesehen hat, davon zeugt nur noch ein großes Bild, das im Esszimmer hängt. „Das haben mir meine Kollegen im Finanzministerium geschenkt, als ich dort aufgehört habe“, freut sich Görtz noch heute darüber.

Organisiert hatte dieses Geschenk damals Finanzminister Rainer Wiegard (CDU), für den Görtz den Stabsbereich des Ministeriums geleitet hat.

Das ist Jahre her und nur einer der beruflichen Stationen gewesen, die Görtz so hinter sich gelassen hat. Eines hat sie alle geeint: Sie waren immer gerade so weit weg, dass der Bargteheider abends wieder nach Hause fahren konnte. Zu Hause zur Ruhe kommen, das braucht dieser Mann, der künftig die Geschicke im Kreis Stormarn lenkt. „Bargteheide ist mein Anker.“ Entspannung und Ablenkung findet Görtz in seinem Fernsehsessel, wenn denn Zeit dafür ist.

Aber auch und erst recht beim Tischtennis. Die 5. Herren des TSV Bargteheide ist seine Heimmannschaft. „Es ist ein ganz anderer Personenkreis als der, mit dem ich sonst zu tun habe“, erklärt der scheidende Bürgermeister von Bargteheide. Bei den Männern an der grünen Platte holt er sich seine Erdung. Und dann sind da natürlich auch noch die schönen kleinen Radtouren, die er mit seiner Frau Anja unternimmt. Auf Rügen, ihrer Heimatinsel, in der näheren und weiteren Umgebung. Oder mit Josef, seinem besten Freund. „Der hat auch mein Kampfgewicht“, lacht Görtz. Josef ist übrigens Bayer und hat seinen Freund Henning in die Tiefen des Eishockeys eingeführt, in die Tiefen der Hamburger Freezers. Ob er auch für den FC Bayern verantwortlich ist? Immerhin steht da ja dieser Zwerg im Flur . . .

Da bleibt er auch und zieht Ende April nicht mit um ins Landratszimmer beim Kreis. Anja Görtz sieht dem neuen Amt ihres Mannes gelassen entgegen. „Wir haben schon immer politisch gelebt, Henning war immer aktiv. Für ihn ist es eine große Chance und Weiterentwicklung.“ Sie wirkt dann mit als die Frau an seiner Seite. „Schwieriger war es, als er Bürgermeister wurde. Das war der erste Schritt in die Öffentlichkeit.“ Mittlerweile sind sie auf dem öffentlichen Parkett ein eingespieltes Team. Die Versicherungskauffrau hat vor Jahren ihre Stundenzahl bewusst reduziert, ist nur noch drei Tage die Woche im Büro. Montags und freitags nicht.

Und der Montag ist zum gemeinsamen Ritual geworden: Sie essen zusammen Mittag, auf dem alten roten Sofa von Oma Irma macht sich Henning Görtz mit einem kurzen Schläfchen wieder fit für den restlichen Tag. „Dieser Montag hat wirklich Lebensqualität gebracht“, finden beide. Sie passen also gut aufeinander auf, und das nicht nur, seit sie vor elfeinhalb Jahren geheiratet haben. Sie kennt ihn in- und auswendig, nennt ihn ihren „Fels in der Brandung“ und schätzt ihn dafür, dass er eine gute Diskussions- und Streitkultur hat. „Er verlässt nie die sachliche Ebene, er ist nicht hintenrum.“ Gleichwohl sei ihr Mann jemand, der „eigentlich gerne alles allein macht“.

„Ich habe schon viel dazugelernt. Ich hoffe, dass es immer genug Menschen gibt, die mir sagen, wenn es schräg läuft oder wenn etwas sie stört.“ Nur über eins lässt der künftige Landrat wohl nicht mit sich reden: den Fahne schwenkenden FC Bayern-Zwerg . . .

„Ich hoffe, dass es immer genug Menschen gibt, die mir sagen, wenn es schräg läuft.“
Henning Görtz

K. Kuhlmann-Schultz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige