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Stormarn Heiße Suppe gegen Frostbeulen
Lokales Stormarn Heiße Suppe gegen Frostbeulen
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22:34 15.01.2018
ASB, der Verein „To Hus“ und viele andere Ehrenamtliche halfen mit, die Suppe am Poggenbreeden zu verteilen. Quelle: Foto: Von Dahlen
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Bad Oldesloe

„Die Suppenküche hier ist schon zum Aufwärmen für die Leute gedacht, aber natürlich auch symbolisch zu sehen“, sagte sie. Es gehe darum, dass die Hausverwaltung rasch Abhilfe schaffe. In den beiden Häusern seien zwei Heizstränge, an denen jeweils zwölf Wohnungen hängen, aufgrund von Rohrbrüchen ausgefallen. In einige Wohnungen sei Wasser eingedrungen. Dort breite sich starker Schimmel aus. „Das sind menschenunwürdige Zustände“, fasste Herrmann zusammen. Umso fataler sei es, dass an die zuständige Firma, die sich mit den Heizungen auskenne, nach wie vor kein Reparaturauftrag erteilt worden sei.

Heiße Suppe gegen kalte Blocks – ein Transparent mit dieser Aufschrift flatterte gestern im eisigen Wind vor den Hochhäusern Poggenbreeden und Hölk. Seit Weihnachten sitzen dort viele Mieter ohne Heizung da. Deshalb startete Quartiersmanagerin Maria Herrmann diese Aktion.

Also wurde sie selbst aktiv, sprach Helfer an, organisierte Töpfe, holte den Arbeiter-Samariter-Bund ins Boot und fand einen Sponsor, der 70 Liter Hühnersuppe für den guten Zweck herschenkte. Nach und nach scharten sich gestern die Mieter um die mobile Kochstelle, wo Martin Seraphin ihnen etwas Heißes in die Teller schöpfte.

Er wohnt selbst im Poggenbreeden und kann von den Zuständen im Haus ein Liedchen singen. „Seit Weihnachten habe ich auch kein warmes Wasser mehr. Duschen muss ich bei den Eltern oder Freunden“, erzählte er. In den Hochhäusern seien solche Havarien an der Tagesordnung. Vor zwei Jahren seien monatelang die Aufzüge kaputt gewesen. Leute mit Rollstuhl seien nicht mehr allein nach unten gekommen. Und Alexandra Farr vom Hölk 2 klagte: „Die Heizung ist das eine, bei uns zieht es auch fürchterlich rein. Seit 2009 ist unsere Balkontür kaputt. Da macht keiner was.“

Mit voller Montur zu Bett

Ohne Wintermantel und zusätzliche Decken legt sich auch Sven Fiehn nicht mehr schlafen. Er wohnt mit seiner Familie im zwölften Stock des Poggenbreeder Blocks. „Wir können seit drei Wochen nicht mehr heizen und gehen alle mit voller Montur ins Bett. Bei mir ist das nicht so schlimm. Ich habe aber zwei Kinder, die jüngste ist neun, sehr anfällig und dauernd erkältet“, sagte Fiehn. Auch das Awo-Sozialkaufhaus, in dem er arbeitet, ist betroffen. Dort behilft man sich derzeit mit einem selbst mitgebrachten Heizlüfter. Unzählige Male hat Fiehn bei der Hausverwaltung angerufen, um auf den Missstand aufmerksam zu machen, doch ohne Erfolg.

Die Adler Real Estate mit Sitz in Berlin teilte auf Anfrage der LN mit, die Verwaltung der beiden Immobilien zum 1. Januar übernommen zu haben. Insgesamt seien fünf Schäden aufgetreten, von denen zwei bereits behoben seien. „Die drei verbliebenen sollen im Verlauf der Woche behoben werden, sodass bis Freitag die Versorgung mit Heizung und Warmwasser in allen Wohnungen wiederhergestellt sein sollte“, heißt es in der Erklärung.   Allen Mietern, deren Heizung nicht funktioniere, sei im Übrigen ein Heizlüfter angeboten worden. Darüber seien alle Mieter per Aushang informiert worden. Das konnte gestern keiner der Mieter bestätigen. Sie seien weder informiert, noch mit Heizgeräten ausgestattet worden, widersprachen die Betroffenen dieser Aussage.

Unterdessen kamen zig Fragen auf, wie sich Mieter in einem solchen Fall zur Wehr setzen können. Hilft die Bauaufsicht der Stadt oder gar das Gesundheitsamt, wenn sich die Wohnverhältnisse in einem Gebäude auf so prekäre Weise verschlechtern? Und gibt es nicht das Mittel der Ersatzvornahme, nämlich, dass eine Kommune bei Gefahr im Verzug einspringt und sich die Handwerkskosten später vom Vermieter zurückholt? „Ich bin keine Fachfrau in dieser Beziehung“, räumte Maria Herrmann ein. Sie kenne nur das Mittel der Mietminderung.

„Das ist ja furchtbar. Da trifft es die Menschen, die es ohnehin nicht leicht haben im Leben“, sagte gestern Doris Ziethen-Rennholz, Chefin des Job-Centers. Sie hob hervor, dass auch Leistungsberechtigte, deren Zuschüsse für Wohnung und Heizung direkt an den Vermieter gehen, durchaus das Recht einer Mietminderung haben. „Es müssen gleichzeitig Benachrichtigungen an den Vermieter und ans Job-Center geschickt werden“, erklärte sie. „Unsere Behörde muss aber prüfen, ob der Mieteinbehalt berechtigt ist. Wenn jemand mit dem Hauseigentümer im Clinch liegt und ihm nur eins auswischen will, geht das natürlich nicht.“

Herrmann hat da Bedenken. Das Prozedere setze voraus, dass die Person die rechtlichen Grundlagen kenne und in der Lage sei, einen Schriftwechsel zu führen. „Daran hapert es ja meist. Darauf setzen auch viele Vermieter“, sagte die Quartiersmanagerin.

 Von Dorothea von Dahlen

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