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Stormarn Helfer verzeichnen täglich neue Tafelgäste
Lokales Stormarn Helfer verzeichnen täglich neue Tafelgäste
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20:22 15.01.2016

Nach 16 Jahren Reinfelder Tafel im Keller unter der Kita Sternschnuppe am Neuhof steht in wenigen Tagen der Umzug in die Joachim-Mähl-Straße an. Dorthin, wo früher ein Fahrradhändler war.

„Ein Umzug bei laufendem Betrieb“, sagt Tafel-Vorsitzender Gerald Witzmann. Wie das ablaufen wird, soll am Montag bei der Vorstandssitzung des unter dem Dach der evangelisch-lutherischen Kirche angesiedelten Vereins besprochen werden. „Zurzeit“, sagt Witzmanns Stellvertreter Wolfgang Westphal, „versorgen wir etwa 400 Personen in 180 Haushalten. “ Und es werden wöchentlich mehr. Allein im neuen Jahr seien bislang 15 Personen hinzugekommen, dabei eine achtköpfige Familie.

Professionelle Handwerker und freiwillige Helfer haben in der Joachim-Mähl-Straße die Vorarbeit geleistet, haben neue Wände gezogen und gestrichen. Im geräumigen Eingangsbereich werden die Bedürftigen warten, bis sie in den Raum dahinter zur Lebensmittelausgabe vorgelassen werden.

Hinter den als Theke dienenden Tischen werden die Körbe mit Ware stehen und dahinter die Kühlgeräte. In einem abgetrennten Raum lagern weitere Lebensmittel. Es gibt einen angebauten Schuppen, in den die Helfer mit Privatautos hineinfahren können, um das bei Sponsoren eingesammelte Essen bei Regen auszuladen.

Eine kleine Küche, die gleichzeitig als Besprechungsraum dienen soll, entsteht. Parkett- und Bodenlegermeister Florian Lederer hat dort auf eigene Kosten einen Designerboden verlegt. Er gehört einmal mehr zu jenen Betrieben, die der Tafel unter die Arme greifen. Jetzt, berichtet Vorsitzender Witzmann, müsse der Fensterputzer noch eine Folie mit den Emblemen von Tafel und Kirche als Sichtschutz in das Schaufenster einziehen. Die Bedürftigen sollen nicht neugierigen Blicken ausgesetzt sein. Was aber fehlt, seien Regale. „Besonders Schwerlastregale brauchen wir“, sagt Witzmann.

Irgendwie wird es schon klappen mit dem Umzug, zeigen sich die Helfer überzeugt. Wie sie bisher immer den wachsenden Ansprüchen gerecht geworden sind. Zuletzt mit ihrer Aktion zu Weihnachten „Eins mehr ist nicht schwer“. Sie schaffen das auch durch die Zusammenarbeit mit den Helfern in der Oldesloer Tafel, mit Claudia Franke, Christine von Dombrowski sowie den Ahrensburgern und Bargteheidern um Johannes Kelp. Es gebe einen regen Austausch, wenn den Reinfeldern etwa mehrere Paletten mit Marmelade geliefert worden seien, zu viel für die eigene Klientel — während die Ahrensburger noch über Wurstreserven verfügten.

Die Nachbartafeln müssen freilich ebenso den wachsenden Anforderungen gerecht werden. Die Oldesloer haben im vergangenen Jahr einen Zuwachs von 100 Haushalten gehabt. „Und allein in der ersten Woche des neuen Jahres“, berichtet Claudia Franke „gab es zehn neue Anmeldungen.“ Sie haben jetzt mehr als 400 Haushalte als Kunden, insgesamt etwa 1200 Menschen. Die Trittauer um ihren Vorsitzenden Jürgen Heuseler haben aus solchen Gründen das Verteilsystem ändern müssen. „Weil es mit den roten und blauen als Lose vergebenen Kärtchen bei zeitgleich 70 Leuten vor der Tür einfach nicht mehr ging“, berichtet Heuseler. Sie praktizierten jetzt ein neues System mit Nummernblöcken, die bei jeder Ausgabe für das nächste Mal zehn Minuten weitergeschoben werde. So sei gewährleistet, dass jeder mal als erster an den dann noch reichlich gedeckten Warentisch komme. Seit der ersten Januarwoche arbeiten sie an den Vergabetagen Mittwoch und Donnerstag nach diesem neuen System. Schon vor Weihnachten hätten sie begonnen, entsprechende Hinweise in Arabisch und Fasi zu verteilen. Tafel-Chef Heuseler glaubt, „dass die Leute das in drei vier Wochen begriffen haben“.

Der Hunger ist groß an der Großenseer Straße 12, und mit jeden Neuankömmling wird er größer. Immerhin versorgen die Trittauer 180 Angemeldete, hinter denen die Familien stehen. Insgesamt 500 bis 550 Leute nach eigenen Schätzungen. „Das“, sagt Jürgen Heuseler, „sind für unsere kleine Tafel richtige Zahlen.“ Deshalb mussten die Trittauer Helfer, die Bedürftige im eigenen Amt und im Amt Sandesneben versorgen, jetzt einen Aufnahmestopp verfügen.

Neben der Versorgung mit Essen sorgen die Trittauer Helfer seit November auch für warme Kleidung mit ihrer Kleiderkammer. Und die quillt schier über. „Das muss erst verteilt werden“, sagt Jürgen Heuseler. Vorerst bittet er, von Kleiderspenden abzusehen. Um den Vorrat an gebrauchter Kleidung scheint es auch anderenorts besser bestellt zu sein als an Lebensmitteln. Und in der Ratzeburger Straße von Bad Oldesloe haben sie mit ihrer Kleiderkammer eine Sorge weniger. Das Haus, in dem Hosen und Jacken lagern, soll nun doch nur teilweise abgerissen werden. Das erspart wenigstens die Suche nach einer neuen Bleibe.

Uwe Krog

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