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Help! Die deutschen Beatles kommen

Bad Oldesloe Help! Die deutschen Beatles kommen

Sie tourten mit den Rolling Stones durch England, standen mit den Beatles auf der Bühne. Als angesagte Band der 60er Jahre ließen sie auch die Wände des „Tanzcasinos ohne Namen“ in Mollhagen erzittern.  Ende Januar treten sie in Bad Oldesloe auf – im Dreierpack mit T-Rex und Hello.

Das Vermächtnis von Marc Bolans T. Rex-Band halten T-Rex hoch.

Bad Oldesloe. Gern werden die Rattles heute als Urväter des deutschen Rocks eingestuft. Ein Begriff, der für die Generation Beat damals undenkbar gewesen wäre, ging es doch gerade darum, sich vom Muff der Nachkriegszeit abzusetzen und gegen die Altvorderen zu rebellieren. Und das hatten die vier Hamburger Jungs ganz gut drauf.

LN-Bild

Sie tourten mit den Rolling Stones durch England, standen mit den Beatles auf der Bühne. Als angesagte Band der 60er Jahre ließen sie auch die Wände des „Tanzcasinos ohne Namen“ in Mollhagen erzittern. Jetzt kehren die Rattles zurück nach Stormarn. Ende Januar treten sie in Bad Oldesloe auf – im Dreierpack mit T-Rex und Hello.

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Als Garagenband auf St. Pauli von Achim Reichel und Herbert Hildebrandt gegründet, begann für die Rattles ein kometenhafter Aufstieg. Schon bald eröffnete sich ihnen die Chance, im berühmten Star-Club aufzutreten, auf dessen Bühne sich alles austobte, was damals Rang und Namen hatte. Die Beatles, Chuck Berry, Bill Haley, Ray Charles, Jimmy Hendrix und eben die Rattles gaben sich in dieser frühen Phase die Klinke in die Hand, bevor der Club 1964 wegen prügelnder Kellner vom Ordnungsamt dichtgemacht wurde.

Betreiber Manfred Weissleder hatte unterdessen ein Auge auf die „Rasseln“ geworfen. „Er war unser Manager“, erzählt Reinhard „Dicky“ Tarrach im Gespräch mit den LN. Er stieß 1963 zur Band und ist wie Gründer Herbert Hildebrandt nach wie vor Teil der aktuellen Besetzung. Tarrach zufolge hatte Weissleder gute Kontakte nach England und holte monatlich 30 Bands nach Hamburg. „Und als Gegengeschenk hat er eines Tages die ,Rattles’ über den Kanal geschickt. So fing alles an“, erinnert sich der Drummer.

Fünf Wochen lang tourte er mit seinen Freunden durch Großbritannien, Seite an Seite mit King of Rock’n’Roll Little Richard und einer bis dato noch völlig unbekannten Gruppe, den Rolling Stones. Die Rattles schlugen mit ihren Hits ein wie eine Bombe. „Wir waren die einzige deutsche Band, die einen Fanclub in England hatte“, erzählt „Dicky“ Tarrach nicht ohne Stolz.

Auf der Welle des großen Erfolgs

1966 surften er und seine Bandkumpanen auf der Woge ihres Erfolgs. Die Jugendzeitschrift Bravo hatte eine Blitz-Tournee mit den Beatles organisiert, die einzige, die die großen Idole überhaupt in Deutschland gegeben haben und die Rattles durften als Vorband mit. Neben München und Essen traten die Hamburger Jungs auch in ihrer Heimatstadt auf, ein Erlebnis, das „Dicky“ Tarrach nie vergessen wird. „Von dem Zeitpunkt an waren wir die deutschen Beatles und wurden frenetisch gefeiert“, sagt er. Es erschienen die ersten Vinylscheiben mit Hits wie „La La La“ oder „Come On and Sing“.

Die Welle schwappte auch nach Stormarn über. Der geschäftstüchtige Starclub-Betreiber Manfred Weissleder hatte nämlich eine Art Franchise-System aufgebaut. So bekamen Gaststätteninhaber und Veranstalter in ganz Schleswig-Holstein gegen Gebühr die Lizenz von ihm, angesagte Bands bei sich auftreten zu lassen. „Da gab es viele Ableger von Bad Bramstedt über Itzehoe bis nach Lübeck“, erinnert sich Tarrach.

Aber auch das „Tanzcasino ohne Namen“ im kleinen Mollhagen gehörte zur Kette der Beatschuppen. 500 Fans aus ganz Stormarn, Segeberg und Herzogtum Lauenburg zog es im Oktober 1966 in den Gasthof, in dem bis dato allenfalls Operettenschmankerln und launige Büttenreden zu hören waren. Vier Mark kostete der Eintritt, wie ein Lokalreporter damals akribisch notierte. Dafür durften die Gäste „sogar mitklatschen und mitsingen“, gab er zu Protokoll. Doch das Publikum, so geht aus seiner Schilderung hervor, war offensichtlich noch nicht bereit für die große musikalische Revolution. Die Zuhörer sollen damals ganz brav auf ihren Plätzen verharrt und kaum gewagt haben, „mit dem Kopf, den Armen oder den Beinen die sonst üblichen rhythmischen Zuckungen zu vollführen“. Das Stakkato des Schlagzeugers („Dicky“ Tarrach) erinnerte den Berichterstatter überdies an „Urwaldtrommeln ... von extatischen Eingeborenen geschlagen“.

Die Jahre sind ins Land gegangen. 1970 landete die Gruppe mit „The Witch“ noch einen internationalen Hit. Dann drehte sich das Personalkarussell – vielleicht zu schnell. Der Erfolg der Rattles ebbte langsam ab, 1977 löste sich die Band auf. Die Begeisterung des harten Kerns ist aber bis heute ungebrochen. Seit 1988 geben Herbert Hildebrandt (Bass), Manfred Kraski (Gesang, Gitarre), Eggert Johannsen (Gitarre) und Reinhard „Dicky“ Tarrach (Schlagzeug) immer wieder Konzerte. Zum 50. Geburtstag erschien sogar das neu aufgenommene Studioalbum „Greatest Hits“, 2015 das jüngste Album namens „Hotter Than Hell“.

Am 28. Januar hält mit den Rattles aber nicht nur ein bewegter Ausschnitt deutscher Beatgeschichte in Bad Oldesloe Einzug, die vier Musiker machen auf der Bühne noch ordentlich was los. „Wir sind selbst immer wieder überrascht, wie gemischt das Publikum bei unseren Auftritten ist. Auch Leute unter 30 entdecken für sich noch etwas Neues, wenn sie uns hören. Das macht Spaß und hält jung“, erzählt „Dicky“ Tarrach. Dass er zum gleichen Jahrgang wie Mick Jagger zählt, bekümmert den 74-Jährigen nicht. „Als Band wirken wir alle sehr jugendlich. Ich persönlich trainiere jeden Tag – eine Stunde Walking und dann ins Fitness-Studio. Dort wissen sie genau, welche Muskeln ich als Schlagzeuger trainieren muss“, erzählt Tarrach.

Wie gut er die Drumsticks auch heute noch beherrscht, können Besucher des Konzerts in Bad Oldesloe selbst erleben. Im Rahmen der „Damals-Tournee 2018“ gastieren die Rattles gemeinsam mit T-Rex und Hello (siehe rechts) in der Olivet-Halle. Das Konzert beginnt um 18 Uhr. Karten gibt’s in allen bekannten Vorverkaufsstellen.

 Von Dorothea von Dahlen

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