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Stormarn Herzkompetenz in Bad Oldesloe
Lokales Stormarn Herzkompetenz in Bad Oldesloe
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18:13 05.08.2017
Wieder auf den Beinen: Irmgard Küster Simic (2.v.l.) nach ihren drei Herz-Operation mit Frauke Wulf (l.), Fachärztin für Innere Medizin, Stationsleiterin Andrea Klafack und dem Chefarzt der Kardiologie der Asklepios Klinik, Dr. Frank Hennersdorf. Quelle: Fotos: Hfr

Schwindel, Ohnmachtsanfälle – vor einem Jahr ging es Irmgard Küster Simic aus Bargteheide gar nicht gut. Vor allem bei Belastung wie Gehen oder Treppensteigen konnte das Herz der 87-Jährigen nicht mehr mithalten. Sie bekam Atemnot, Schmerzen in der Brust, hatte Wasser in den Beinen. „Ich wurde auch immer antriebsloser, müder und hatte zu nichts mehr Lust“, berichtet Küster Simic.

Asklepios Klinik der Kreisstadt kooperiert mit Hamburger Krankenhaus – optimale Versorgung für Patienten.

Im Juni 2016 wurde sie bei einem Arzt vorstellig. „Als wir die Patientin untersuchten, stellten wir eine schwere Verkalkung der Aortenklappe fest“, schildert Dr. Frank Hennersdorf, Chefarzt der Kardiologie der Asklepios Klinik Bad Oldesloe. Aortenklappenstenose – so lautet der medizinische Fachbegriff dafür, der eine stark reduzierte Öffnungsbewegung der Hauptventilklappe zwischen der linken Herzkammer und der Körperschlagader beschreibt. „Die Aortenklappenstenose ist eine typische Alterserscheinung, die wir bei hochbetagten Patienten zunehmend diagnostizieren“, so der Mediziner.

Bleibt die Erkrankung unentdeckt und vor allem unbehandelt, kann die schwere Aortenstenose zum Tod führen.

Doch Irmgard Küster Simic ist rechtzeitig zum Arzt gegangen. Ihr Problem konnte zunächst mit einer neuen biologischen Aortenklappe gelöst werden. Es gibt zwei Methoden, die neue Herzklappe, die aus dem Herzbeutelgewebe von Rindern gefertigt wird, einzusetzen: die klassische Operation mit Öffnung des Brustkorbes oder das neuere und schonendere kathetergestützte Verfahren. „Dabei wird ein Stent über die Leiste per Führungsdraht ins Herz geschoben. In den Stent ist die neue Herzklappe eingenäht, die sich dort durch Aufblasen eines Ballons entfalten lässt“, erläutert Dr. Hennersdorf.

Welches Verfahren die Ärzte anwenden, hänge vom Alter und Gesundheitszustand des Patienten ab. Grundsätzlich könne man sagen, dass bei jüngeren und stabileren Patienten der klassische Eingriff per OP in Betracht gezogen wird, bei der das Herz stillgelegt und der Patient an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werde. Bei Patienten ab 80 Jahren, bei denen eine Operation nicht möglich oder mit einem zu hohen Risiko verbunden sei, werde heute überwiegend der Kathetereingriff eingesetzt. Welches Verfahren angewendet wird, sei eine Entscheidung des Ärzteteams aus Kardiologen und Herzchirurgen und letztlich auch der Krankenkassen. „Denn das kathetergestützte Verfahren ist noch deutlich teurer als die konventionelle OP am offenen Herzen“, weiß der Oldesloer Kardiologe. Das Katheter-Verfahren habe aber enorme Vorteile: Der Eingriff erfolge am schlagenden Herzen, der Einsatz der Herz-Lungen-Maschine sei im Normalfall nicht nötig, das Risiko sei dadurch geringer und der Patient komme auch viel schneller wieder auf die Beine.

Irmgard Küster Simic hatte Glück. Bei der 87-Jährigen waren die Eingangsvoraussetzungen so, dass die neue Herzklappe per Katheter eingesetzt werden musste. „Wir haben keine Herzchirurgie im Haus, kooperieren für den Eingriff aber mit der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg“, so Hennersdorf. Die Klinik sei eines der großen Herzklappenzentren Deutschlands und halte zwei hochspezialisierte Hybrideingriffssäle vor, in denen im Notfall auch operiert werden könne.

Zusammen mit den Hamburger Kollegen Prof. Dr. Michael Schmoeckel (Herzchirurgie) und Prof. Dr. Karl-Heinz Kuck (Kardiologie) würden die Fälle besprochen. Zwei Tage vor der Operation wurde Irmgard Küster Simic nach St. Georg verlegt.

Den Eingriff nahmen Dr. Hennersdorf und sein Oberarzt Dr. Thomas Thielsen, der einige Jahre bei der Asklepios St. Georg im Herzklappenteam tätig war, vor. „Das Schöne ist, dass die Patientin nicht mal eine Narkose brauchte. Sie bekam nur Beruhigungs- und Schmerzmittel“, so Hennersdorf. Vor allem für Patienten mit Lungenerkrankungen sei das Risiko einer Narkose zu hoch. Eine Stunde später hatte die Bargteheiderin die OP überstanden. Einen Tag war sie noch auf der Intensiv-Station, am Folgetag wurde die 87-Jährige auf die normale Station verlegt.

„Nach einer Woche kehrte ich zurück in die Klinik nach Bad Oldesloe“, erinnert sich die Seniorin. Mobilisierungsmaßnahmen in der dortigen Geriatrie standen anschließend auf dem Programm. „Die OP hat die Patientin gut überstanden. Trotz verbesserter Belastbarkeit wurden die Ohnmachtsattacken nicht weniger. Wir haben sie noch mal gecheckt und festgestellt, dass das Herz nun manchmal viel zu langsam schlug, was nach Herzklappeneingriffen nicht selten zu beobachten ist“, so Hennersdorf. Wenige Wochen später wurde daher in Oldesloe ein Herzschrittmacher implantiert. „Das ist mittlerweile ein kleiner Routineeingriff, der nur 45 Minuten dauert und den wir 120 Mal im Jahr in Bad Oldesloe vornehmen“, so der Chefarzt.

„Doch anschließend hatten wir unglücklicherweise die Situation, dass Frau Küster Simic immer noch hinfällig war und auf Grund einer Gangunsicherheit häufig stürzte. Dies führte zu teilweise ausgeprägten Blutergüssen“, schildert der Mediziner. Problematisch sei dabei gewesen, dass die Betroffene Blutverdünner einnehmen musste, da sie an einer Herzrhythmusstörung litt, die mit einem deutlich erhöhten Schlaganfallrisiko einherging (sogenanntes Vorhofflimmern). „Diese Medikamente vertrug die Patientin also nicht. Zusätzlich hatten sich am linken Herzohr Blutgerinnsel gebildet“, erläutert Hennersdorf. Das Herzohr ist eine taschenartige Aussackung der linken Herzvorkammer, die keine besondere Funktion übernimmt, leider aber häufig günstige Voraussetzungen zur Entstehung von Blutgerinnseln bietet, die bei unzureichender Blutverdünnung und Auftreten von Vorhofflimmern einen Schlaganfall auslösen können. „Und zwar einen der schlimmen Sorte, die einen für den Rest des Lebens ans Bett fesseln.“

Dr. Hennersdorf entschied sich deshalb für einen weiteren, relativ neuen Kathetereingriff: Er verschloss das Herzohr mit einem korkenartigen Gebilde (Drahtgeflecht). „Dieses Material hat die Fähigkeit, sich auszudehnen und an die Anatomie des Herzohrs anzupassen“, erklärt Hennersdorf. Anschließend wachse ein „Zellrasen“ über den Verschluss, auch Einheilungsprozess genannt. „Nach drei Monaten haben wir bei Frau Küster Simic einen Ultraschall über die Speiseröhre vorgenommen – mit einem optimalen Ergebnis. Wir konnten den Blutverdünner auf ein Minimum – nämlich auf Aspirin – reduzieren.“

Irmgard Küster Simic hat mit insgesamt drei Operationen einiges durchgemacht, aber heute geht es ihr wieder richtig gut. „Ich gehe nachmittags raus zum Kaffeetrinken, besuche Vorträge und habe nur noch selten Schwindelattacken.“ Die 87-Jährige fühlt sich wohl in ihrer schönen Wohnung in einer Seniorenanlage in Bargteheide und freut sich des Lebens. „Ich hoffe, dass das auch noch lange so bleibt“, so die Seniorin.

Britta Matzen

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