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Stormarn Heute letzter Tag: Oldesloer Produktionsschule schließt
Lokales Stormarn Heute letzter Tag: Oldesloer Produktionsschule schließt
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20:18 29.08.2013
Das letzte Mal kochen Jan-Lucas Rudolph, Andrea Pawlowski, Ursula Felbinger und Pierre Gradert (v.l.) in der Produktionsschule.

Mit sicherer Hand schneidet Jan-Lucas Rudolph die Tomaten in gleich große Scheiben. Das letzte Mal steht „Caprese Vegan“auf der Speisekarte. Die Produktionsschule Bad Oldesloe schließt ihre Pforten. Der 18-Jährige Rudolph hat Glück: Am Montag beginnt sein Praktikum in der Konditorei, Chancen auf eine Lehrstelle hat er obendrein. Andere Schüler hängen in der Luft, wenn es das Projekt nicht mehr gibt. „Ich bin dann wieder arbeitslos“, sagt Pierre Gradert (20).

Vor sechs Jahren gründete der Ausbildungsverbund Stormarn/Lauenburg die Unterrichtsstätte im Gewerbegebiet Süd mit 24 Plätzen. Seitdem haben mehr als 400 Jugendliche und junge Erwachsene dort Starthilfe ins Berufsleben bekommen. „Wir haben hier Jugendliche betreut, die sonst durch alle Raster gefallen wären, die es nicht aus eigener Kraft geschafft hätten, eine Ausbildung zu beginnen“, erläutert Rainer Würtz, Geschäftsführer des Ausbildungsverbunds. Viele von ihnen hätten nie gelernt, sich Wissen selbstständig anzueignen. Neben Lernschwierigkeiten hätten die Schüler mitunter massive persönliche Probleme wie Neigung zu Gewalt oder Suchtverhalten gezeigt. Die Produktionsschule habe diese jungen Stormarner darin unterstützt, ihren eigenen Weg zu gehen, nicht mehr länger von Arbeitslosengeld II abhängig zu sein.

Damit ist jetzt Schluss. Zum 31. August läuft die Förderung der Produktionsschule aus. Zu Beginn wurde das Projekt aus dem Europäischen Sozialfonds sowie mit Mitteln von Land und Bund unterhalten. In den folgenden Jahren oblag die Finanzierung dem Jobcenter Stormarn. Das Geld kam aus dem Integrationsbudget, den der Bund der Behörde zur Verfügung stellt. Daraus müssen alle Projekte bezahlt werden, die der Eingliederung von Menschen in den ersten Arbeitsmarkt dienen. Die Summe, die Stormarn nach einem Quotensystem in diesem Jahr zugeteilt wurde, betrug 4,234 Millionen Euro.

Dieser Betrag wird weiter abschmelzen. Daran übt der SPD-Bundestagsabgeordnete Franz Thönnes Kritik. Er moniert, dass die Arbeitsförderung in Deutschland bis zum Jahr 2016 um 36,7 Milliarden Euro gesenkt werden soll. Das sei für Einrichtungen wie die Bad Oldesloer Produktionsschule besonders tragisch.

Einen Hoffnungsschimmer gibt es für Würtz aber immer noch: Im kommenden Jahr beginnt eine neue EU-Förderperiode. Wenn es gelingen würde, Geld aus dem Sozialfonds zu erhalten, hätte die Produktionsschule noch eine Chance. Doch das hängt von der Haltung der schleswig-holsteinischen Landesregierung ab. Denn nur sie ist seinen Angaben zufolge berechtigt, Mittel aus diesem Fonds für die Arbeitsförderung zu beantragen. Da die EU-Subventionen aus dem eigenen Haushalt aufgestockt werden müssen, behält man es sich in Kiel vor zu entscheiden, welche Projekte unterstützt werden.

Im Jobcenter Stormarn steht man der Produktionsschule grundsätzlich wohlwollend gegenüber. „Wir sind dabei zu planen, was wir 2014 fördern können“, sagt Leiterin Doris Ziethen-Rennholz. Sie steht im Dialog mit der Landesregierung, um eine gemeinsame Finanzierung aus Bundes-, Landes- und EU-Mitteln auf die Beine zu stellen. Es könne jedoch sein, dass das Konzept der Produktionsschule leicht abgewandelt werden müsse. Eine verbindliche Aussage könne sie aber noch nicht geben.

Bis es eine — wie auch immer geartete — Entscheidung gibt, steckt der Ausbildungsverbund mit seiner Produktionsschule in einem Vakuum. Würth befürchtet, dass sich vor Sommer 2014 nichts rühren wird.

Die fünf Mitarbeiter der Produktionsschule sind innerhalb des Ausbildungsverbunds auf andere Stellen gewechselt. Da das Schulgebäude in der Lily-Braun-Straße sonst komplett leer stehen würde, wird die Geschäftsleitung des Verbundes dort einziehen. Das bietet sich an, da der bisherige Standort, das Postgebäude in Bad Oldesloe, abgerissen wird. Die Werkstätten aber bleiben ungenutzt.

Anreiz zur Leistung
Gegründet wurde die Produktionsschule des Ausbildungsverbunds Stormarn/Lauenburg 2008. Dort gab es bisher drei Abteilungen: jeweils eine Werkstatt für die Holz- und für Metallverarbeitung sowie eine Küche. Fünf Lehrer und Sozialarbeiter haben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen betreut, um sie fit für eine Ausbildung oder den ersten Arbeitsmarkt zu machen. Um den Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu zeigen, dass es sich lohnt, Leistungen zu erbringen, konnten die Teilnehmer sich ein Taschengeld verdienen, in dem sie Brennholz herstellten.

Dorothea von Dahlen

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