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Stormarn „Hier läuft alles sauber ab“
Lokales Stormarn „Hier läuft alles sauber ab“
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19:32 07.07.2016
Inzwischen wohnt nur noch der Hausmeister in diesem Haus in der Emma-Ihrer-Straße. Die einst dort einquartierte syrische Familie ist inzwischen umgezogen.

Die in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Bordellbetrieb in Bad Oldesloe untergebrachte Flüchtlingsfamilie ist inzwischen in einer neuen Wohnung untergebracht worden. Die Empörung darüber, dass dem Paar aus Syrien mit ihren zwei heranwachsenden Töchtern ein solches Quartier zugemutet wurde, hält aber an.

Betreiberin des Bordells im Gewerbegebiet Süd-Ost und ihr Lebensgefährte wehren sich gegen Vorwürfe.

Die Mitteilung, dass die Stadt Bad Oldesloe genau wusste, was sich in dem Gebäude abspielt, ist in den Augen von Gerd-Günther Finck, der die Familie in Mietsachen beraten hatte, nicht zu entschuldigen. „Schon mit Stand vom 21. März hatte die Stadt mitgeteilt, dass die Zuweisungen von Flüchtlingen im ersten Quartal stark rückläufig waren und ein Überhang an Quartieren für Familien bestand“, kritisiert er. Demnach wäre eine Umsiedlung aus der Emma-Ihrer-Straße durchaus früher möglich gewesen.

Aus Kreisen der regionalen Wirtschaft werden aber noch andere Klagen laut. So kritisiert ein Unternehmer, dass bei der Nutzung von Gebäuden im Gewerbegebiet Süd-Ost mit zweierlei Maß gemessen werde.

Der Bebauungsplan Nummer 80 lasse eigentlich keine Privatwohnungen zu. In der Vergangenheit seien diesbezügliche Anträge von Firmen stets unter Berufung auf den B-Plan abgelehnt worden. Lediglich Wohnraum für Hausmeister, die Gewerbeobjekte betreuten, sei gestattet worden.

Moniert wird auch, dass in der textlichen Festsetzung des B-Plans kein Bordell vorgesehen sei. Erlaubt seien nur Garten-, Bau-, Freizeit-, Hobby- und Campingmärkte sowie der Verkauf von Möbeln, Büroeinrichtungen, Autos, Motorrädern, Wohnmobilen, Nahrung und Genussmitteln. Zudem sei festgelegt, dass die Geschossfläche der Geschäfte nicht kleiner als 1200 Quadratmeter sein dürfe.

Gegen den indirekten Vorwurf, das Gewerbe in der Emma-Ihrer-Straße zu unrecht zu betreiben, verwahren sich indes Mandy Kukla und ihr Lebensgefährte. Sie vermietet nach eigenem Bekunden Zimmer an die Prostituierten. „Hier läuft alles sauber ab“, erklärt Holger Hartmann. „Wir sind sogar erst zur Polizei gegangen, als wir den Laden eröffnen wollten. Das hätten wir nicht tun müssen. Der Polizist hat uns zum Bauamt geschickt.“ Dort habe Mandy Kukla eine Nutzungsänderung beantragt. Denn die beiden Appartements, die in der Emma-Ihrer-Straße vermietet würden, seien früher Büroräume gewesen. Auch beim Gewerbeamt sei der Betrieb angemeldet. Selbst das Finanzamt sei da gewesen, schließlich würden auch Steuern entrichtet. „Sauberer kann man einen Laden nicht führen. Das ist besser als die illegalen Bordelle mitten im Wohngebiet in Lütjensee und Ahrensburg“, sagt Hartmann.

Auf die Probleme der syrischen Familie angesprochen, die elf Monate lang über dem Bordell gewohnt hat, erklärten er und Mandy Kukla, dies sei ein Fehler der Stadt Bad Oldesloe gewesen. Die Leute hätten sich isoliert gefühlt so am Rande der Stadt, zumal das Wohnen im Gewerbegebiet gar nicht gestattet sei. Keinesfalls aber hätten Besucher des Bordells die minderjährigen Töchter angesprochen.

„Da ist nie etwas passiert“, sagt Hartmann. Die Leute schleichen her, parken ihre Autos woanders, um nicht gesehen und erkannt zu werden. Genauso schnell sind sie auch wieder weg.“ Eine solche Behauptung sei geschäftsschädigend. Wenn sich solche Behauptungen herumsprächen, blieben letztlich die Gäste weg.

Großflächiger Handel

Auszug aus dem B-Plan 80: Lediglich großflächige Handelsbetriebe, die außer im Kerngebiet in keinem anderen Baugebiet zulässig sind, dort aber aufgrund der räumlichen Bedingungen keine Chance zur Ansiedlung haben, sollen in dem Sondergebiet die rechtlichen Voraussetzungen zur Ansiedlung erhalten. Sie dürfen eine Geschossfläche von 1200 qm nicht unterschreiten. Quelle: Stadt Bad Oldesloe

Dorothea von Dahlen

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