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Stormarn Hilfe beim Übergang von der Schule in den Beruf
Lokales Stormarn Hilfe beim Übergang von der Schule in den Beruf
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12:44 07.01.2016
Leon (l.) und Hanno aus der Berufsschulstufe der Woldenhorn-Schule haben bereits erfolgreich mehrere Praktika absolviert. Quelle: Fotos: Kks
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Ahrensburg

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist nicht leicht. Erst recht nicht, wenn es sich um Jugendliche mit Behinderung handelt, die eine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben wollen.  An der Woldenhorn-Schule in Ahrensburg haben alle Beteiligten gute Erfahrungen damit gemacht.

Auch Leon und Hanno, beide 17-jährige Schüler der Berufsschulstufe an diesem Förderzentrum für geistige Entwicklung. Sie gehen in die 12a, Klassenlehrerin ist Maike Molder. „In dieser Berufsschule geht es übergreifend um die Themen Erwachsenwerden, Vorbereitung auf das Berufsleben und um die persönliche Zukunftsplanung“, erläutert Schulleiter Henning Rohwedder. Und das geht so: Mittels Unterrichtseinheiten, Projekttagen, Betriebsbesichtigungen sowie Schnupper- und Betriebspraktika erhalten die Schülerinnen und Schüler wichtige Einblicke in verschiedene Berufsfelder und lernen den Arbeitsalltag kennen. „Dabei werden die Fähigkeiten der Schüler gefördert wie auch gefordert“, erklärt Ergotherapeutin Janna Holm, die beim Integrationsfachdienst Stormarn der Awo Neue Arbeit tätig und Ansprechpartnerin für die Jungen und Mädchen der Berufsschulklassen der Woldenhorn-Schule ist.

Mit diesem Projekt soll auch erreicht werden, Inklusion, also die Integration von Behinderten, nicht nur auf Kindergarten und Schule zu beschränken, sondern auch ins Arbeitsleben zu übertragen.

„Früher gab es nur eine Einbahnstraße“, so Rohwedder. „Die Kinder der Förderschule landeten automatisch in den Werkstätten für Behinderte.“ Das sei für viele der richtige Ort, aber es gebe auch junge Erwachsene, die auf dem ersten Arbeitsmarkt durchaus ihren Platz finden könnten. Dabei hilft das Projektes „Übergang Schule — Beruf“.

„Wir versuchen herauszufinden, welche Wünsche entwickeln sich bei den Schülern“, so Holm. Entsprechend werden Praktikumsplätze gesucht. Durch Rollenspiele werden die Jungen und Mädchen fit gemacht für Vorstellungsgespräche, lernen Schlüsselqualifikationen für ihr Verhalten im Betrieb: Wie verhalte ich mich in der Frühstückspause mit meinen Kollegen, oder was mache ich, wenn ich krank bin.

Nicht zu vergessen das Mobilitätstraining. „Die Schüler lernen, alleine unterwegs zu sein, alleine zum Praktikumsplatz zu kommen“, erklärt Holm.

Hanno kann das gut, er fährt Roller. Andere fahren mit dem Bus. Die Eltern lernen, ihr Kind ein Stück weit loszulassen, ihnen mehr zuzutrauen. Und auch die Kinder selbst gehen gestärkt aus den Praktika heraus. „Ich war in unserer Schulküche Praktikant“, erzählt Leon. Er hat zudem in der Verwaltung der Awo ein Praktikum absolviert. „Aber das war schwierig mit dem Lesen und Schreiben“, erinnert sich Leon. Auch im Asklepios-Pflegeheim hat er gearbeitet und im Peter-Rantzau-Haus in Ahrensburg. Leons Kumpel Hanno hat ausprobiert, ob die Arbeit im Kindergarten etwas für ihn ist und dabei festgestellt: „Die wollten mich haben.“ Nach einem Praktikum in einer Motorradwerkstatt, in einer Tischlerei und einer Lackiererei steht für ihn jetzt fest: „Im Kfz- Bereich zu arbeiten, dazu hätte ich schon Lust.“

Durch Praktika Chancen erkennen — „das Tolle ist, dass Schüler diese Erfahrungen sammeln können“, sagt Schulleiter Henning Rohwedder. Und auch die Arbeitsagenturen würden positive Rückmeldungen geben, erklärt Maike Molder. Sie stellte fest, „die Jugendlichen sind motiviert“. Zudem begrüßt Molder, dass dort gesehen werde, dass auch Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten und etwas leisten könnten. Erste Erfolge gibt es: Eine Schülerin hat die Ausbildung zur Pferdewerkerin gemacht, eine andere arbeitet in einem Biogartenbaubetrieb. „Es gelingt immer mehr, Arbeitgeber zu finden, die Praktika anbieten. Die Stellung in der Gesellschaft verändert sich. Wir verbuchen es als Erfolg, wenn sich Arbeitgeber melden und wieder einen Platz zu Verfügung stellen“, so Janna Holm.

Aber „die soziale Eingliederung ist trotzdem schwierig“, erklärt Lehrerin Maike Molder. „Die hat man eher in der Werkstatt für behinderte Menschen, weil dort alle ein Handicap haben.“

K. Kuhlmann-Schultz

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