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Stormarn Hilfestellung für Frauen auf dem Weg in die Politik
Lokales Stormarn Hilfestellung für Frauen auf dem Weg in die Politik
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20:12 30.03.2016
Beim Mentoring-Programm nehmen erfahrene Politik-Frauen Einsteigerinnen an die Hand und teilen mit ihnen ihr Wissen. Quelle: Fotos: K. Kuhlmann-Schultz

Ein politisches Küken ist Irene Schumann (59) überhaupt nicht mehr. Trotzdem will die Trittauerin, die Mitglied in der örtlichen Bürgergemeinschaft BGT ist, sicherer werden. Will mehr über Funktions- und Arbeitsweisen in der Kommunalpolitik erfahren, will im Bereich Finanzen stark auftreten können. Durch das Mentoring-Programm für Kommunalpolitikerinnen im Land wird ihr geholfen: Sabine Rautenberg, Chefin der Stormarner Kreistagsfraktion der Grünen und Gemeindevertreterin in Großhansdorf, ist ihre Mentorin.

„Ich kann von einer Frau lernen, die intensiv im Thema Finanzen steckt.“Irene Schumann, Trittau

„Ich habe die Möglichkeit, durch das Programm von jemandem zu lernen, der lange im Geschäft ist, ich kann von einer Frau lernen, die sich gut auskennt im Thema Finanzen“, freut sich Mentee Schumann.

Seit 2008 ist Irene Schumann in der Trittauer Lokalpolitik aktiv, arbeitet als bürgerliches Mitglied im Sozial-, Sport- und Kulturausschuss — bisher als Vertretung. „Ich bin noch nicht intensiv eingestiegen. Aber das will ich ändern.“ Unter anderem auch, weil 2018 Kommunalwahlen sind. Die frühere Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bargteheide und jetzige Mitarbeiterin der Arbeitsagentur macht sich fit und kann sich vorstellen als Mitglied der BGT anzutreten. Im normalen Alltagsgeschäft der Bürgergemeinschaft sei es nicht so einfach, sich einzuarbeiten. „Für die Basis ist in den Sitzungen einfach keine Zeit.“ Und auch ihre Mitarbeit als Organisatorin beim Kommunalpolitischen Frauennetzwerk „Kopf“ sei zwar hilfreich, aber „es ist etwas anderes, als sich als Kommunalpolitikerin einzusetzen“.

Mit Sabine Rautenberg (52) hat Schumann jetzt eine Mentorin an ihrer Seite, die sich auf dem politischen Parkett seit ihrer Jugend bewegt. „Ein gewisses Handwerkszeug braucht man, um sich erfolgreich durchzusetzen und Kommunalpolitik zu machen“, erklärt die Großhansdorferin.

Seit acht Jahren ist sie unter anderem Gemeindevertreterin in Großhansdorf und sagt von sich „ich werde ernst genommen“. Rautenbergs Rüstzeug für die Politik haben ihr in der Vergangenheit in erster Linie Männer gegeben. „Das bringt das Geschäft so mit sich.“ Deshalb schätzt sie es umso mehr, dass sie als Frau jetzt eine Frau coachen kann. Eher gesagt zwei, denn auch die Großhansdorferin Sandrine Klimek gehört zu ihren Mentees. Klimek „war noch unversorgt und weil sie aus Großhansdorf kommt, habe ich sie auch noch genommen“, erklärt Sabine Rautenberg. „Sie brennt auch“, brennt für die Kommunalpolitik.

Beiden Frauen will die Politikerin den „Boden bereiten für die Kommunalwahl 2018“. Das Besondere dabei sei, „dass alles in einem geschützten Raum bleibt“. Soll heißen, nichts wird bewertet, es gibt keine Frage, die nicht gestellt werden kann. Alle sechs bis acht Wochen kommen die Tandems — also Mentorin und Mentee — zusammen. So wird Irene Schumann demnächst eine Fraktionssitzung der Kreis-Grünen mitmachen, steigt mit Rautenberg an ihrer Seite tiefer in den Haushalt und somit die Finanzen ein. Wie sich ein Haushalt zusammensetzt, wird im November, wenn das Mentoring-Programm aufhört, keine Frage mehr für die Trittauerin sein. „Dann traue ich mir hoffentlich zu, dass das Thema Finanzen mein Thema ist. Das ist jedenfalls mein Ziel.“

40 Politikerinnen bilden Tandems

Das Helene-Weber-Kolleg-Mentoring-Programm für Kommunalpolitikerinnen in Schleswig-Holstein läuft. Knapp 40 Teilnehmerinnen, die Mentees und ihre Mentorinnen, arbeiten in individuellen Tandems bis November miteinander. Dabei geben die Politikprofis den politischen Nachwuchskräften Orientierungshilfe und Unterstützung.

Frauen machen Frauen also fit für die kommende Landtagswahl im Jahr 2017 und die Kommunalwahlen im Jahre 2018. In Zeiten, in denen 21 Frauen genau 48 Männern im Schleswig-Holsteinischen Landtag gegenübersitzen. Auf kommunaler Ebene, so die Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Stormarn, Birte Kruse-Gobrecht, sind in den kreisfreien Städten 26,5 bis 35,8 Prozent Frauen in den Parlamenten vertreten. In den Kreisen sind 27 bis 37,7 Prozent weibliche Abgeordnete aktiv und in Kommunen variiert der Frauenanteil von null bis 44,4 Prozent. „Spitzenreiter im Land unter den Kreistagsmandaten ist die Besetzung des Stormarner Kreistages mit einem Anteil von 37,7 Prozent weiblicher Abgeordneter. Demgegenüber steht allerdings ein Anteil von 62,3 Prozent männlicher Abgeordneter, so dass auch hier noch Spielraum besteht, um die angemessene Repräsentanz von Frauen gemäß ihrem Anteil an der Bevölkerung, nämlich knapp über 50 Prozent, tatsächlich zu erreichen“, betont Birte Kruse-Gobrecht.

Sie ist Initiatorin der landesweiten Kooperation mit dem HWK-Mentoring-Programm. Der Durchgang in Schleswig-Holstein wird in Kooperation mit den kommunalpolitischen Frauennetzwerken Kopf durchgeführt und erfährt Unterstützung durch die Landesarbeitsgemeinschaft der hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungsbeauftragten. Das Mentoring-Programm wird vom Bundesfamilienministerium gefördert.

kks

Von K. Kuhlmann-Schultz

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