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Historische Turmuhr schlägt wieder im Heimatmuseum

Reinfeld Historische Turmuhr schlägt wieder im Heimatmuseum

Gerhard Evers restauriert in Reinfeld einen rund 150 Jahre alten Zeitmesser.

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Anja Rademacher dreht an der Kurbel für das Schlag-und Gehwerk. Gerhard Evers (r.) hat die alte Turmuhr aufwändig saniert. Darüber freut sich auch Fielmann-Filialleiter Timo Hübner.

Quelle: Fotos: M. Thormählen

Reinfeld. Ob die Reinfelder überhaupt rechtmäßig in den Besitz der alten Turmuhr, die einst das Herrenhaus in Wulmenau schmückte, gekommen sind, lässt sich nicht mehr feststellen.

LN-Bild

Gerhard Evers restauriert in Reinfeld einen rund 150 Jahre alten Zeitmesser.

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„Auf jeden Fall geben wir die Uhr nicht mehr her“, waren sich Bürgervorsteher Gerd Herrmann und Museumsleiterin Anja Rademacher einig. Und das aus gutem Grund: Gerhard Evers hat in fast einjähriger Arbeit den historischen Zeitmesser restauriert, der als Exponat jetzt im Heimatmuseum die Uhrzeit angibt.

Fest steht, dass diese Uhr vor rund 150 Jahren von Andreas Lorentzen (1790—1875) hergestellt worden war. Sie war als kleine Turmuhr am Giebel des alten Herrenhauses in Wulmenau angebracht. Doch dessen letzte Stunde schlug 1967, als es abgerissen wurde. Es befand sich damals, so erinnerte sich Gerd Herrmann, im Eigentum der Max-Planck-Gesellschaft. Das Reinfelder Heimatmuseum kam jedenfalls in den Besitz der Uhr. „Und die stand dann bei uns im Treppenhaus und ging nicht“, sagte Anja Rademacher, die gestern an einer kleinen Kurbel drehte, um Schlag- und Gehwerk in Betrieb zu halten.

Gerhard Evers aus Heilshoop stellte wieder sein handwerkliches Geschick unter Beweis. Der 72-jährige ehemalige Maschinenbauingenieur hatte schon bei der Sanierung der Turmuhr an der Reinfelder Kirche eindrucksvoll gezeigt, dass er alte Technik wieder instandsetzen kann. „Und bei der Uhr für das Heimatmuseum stellte sich heraus, dass die Abtriebseinrichtung sehr aufwändig repariert werden musste“, sagte der Experte. Und deren Funktion ist unbedingt erforderlich, um das mechanische Getriebe in Gang zu halten. Dazu dient auch das 15 Kilogramm schwere Bleipendel, das sich fast geräuschlos bewegt und den Takt angibt.

Jeweils zur vollen und halben Stunde macht sich dagegen die von Gerhard Evers neu installierte kleine Glocke bemerkbar. Um die benötigten neuen Teile zu beschaffen, nutzte der Restaurator ein ganz modernes Medium: „Ich habe viele Rädchen oder Schrauben auch im Internet gefunden.“

Altmodisch muss die Uhr einmal pro Woche aufgezogen werden. „Im Schlagwerk hängt ein Gewicht von 38 Kilo, am Gehwerk sind es 20 Kilo“, erläuterte Gerhard Evers. Bei sachkundigem Umgang sieht er jetzt keine Probleme mehr, dass dieser Zeitmesser „die nächsten 150 Jahre laufen wird. Vielleicht sollte man ab und zu einen Tropfen Öl reinkippen.“ Und wie bei jeder mechanischen Uhr werde auch diese „ein bis zwei Minuten vor- oder nachgehen.“ Während des Projektes hat Gerhard Evers gewaltigen Respekt vor der Kunst des Uhrmachers bekommen: „Was Andreas Lorenzen um 1860 geleistet hat, ist schon toll gewesen.“

Zur offiziellen Übergabe des sanierten Zeitmessers waren auch der Leiter der Oldesloer Fielmann- Filiale, Timo Hübner, und Jürgen Ostwald von der Fielmann-Stiftung gekommen. Denn die Stiftung hat die jetzt erfolgreich abgeschlossene Reparatur finanziert. „Wir stellen dem Reinfelder Heimatmuseum in diesem Jahr insgesamt 10000 Euro zur Verfügung“, so Jürgen Ostwald. Dank der Unterstützung durch die Stiftung wird noch 2016 eine Kunsthistorikerin ein neues Konzept für das Museum vorlegen. „Ich halte auch ständigen Kontakt mit Anja Rademacher, damit wir weitere Exponate anschaffen können“, sicherte Jürgen Ostwald außerdem künftige Hilfe zu.

Das Museum am Neuen Garten 9 ist sonntags von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

Frischer Glanz für das Porträt der Freifrau

Alice Freifrau von Maltzahn (1883— 1973) stammt aus der früheren Provinz Schlesien. Sie machte sich als Portraitmalerin einen Namen. Nach ihrer Heirat lebte sie mit ihrem Ehemann Karl-Axel in Mecklenburg. 1939, Alice von Maltzahn war verwitwet, zog sie nach Reinfeld und bewohnte ein Haus in direkter Lage am Herrenteich. „Sie war auch die Einzige, die auf dem Herrenteich segeln durfte“, betont Museumsleiterin Anja Rademacher. Ein 1912 entstandenes Selbstbildnis gehört dem Heimatmuseum. Es soll jetzt dank einer Spende der Fielmann-Stiftung restauriert werden.

Von Michael Thormählen

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