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Stormarn Hitze lässt Landwirte leiden: Trockene Felder, frühe Ernte
Lokales Stormarn Hitze lässt Landwirte leiden: Trockene Felder, frühe Ernte
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21:41 29.05.2018
Trockener Boden auf einem Feld an der Bundesstraße 75 bei Ratzbek: Eventuell muss Gerste bereits im nächsten Monat gedroschen werden. Quelle: Michael Thormählen/archiv
Bad Oldesloe

„Wir hatten nur zu Himmelfahrt etwas Niederschlag, sonst gab es keinen nennenswerten Regen in diesem Monat“, sagt der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Peter Koll. Insgesamt habe es im Mai nur zehn Prozent der üblichen Mengen gegeben – und dazu seien noch deutlich höhere Temperaturen gekommen. „Die Folge ist, dass die Böden auf unseren Feldern inzwischen knochentrocken sind“,betont Peter Koll.

Strahlend blauer Himmel, Sonnenschein und über 30 Grad: Der Mai ist aber für die Landwirte in Stormarn alles andere als ein Wonnemonat. Weil bisher viel zu wenig Regen gefallen ist, sind viele Felder ausgetrocknet, und beim Getreide droht teilweise eine Noternte.

Dennis Leinius saß gestern bereits zum zweiten Mal auf seinem Trecker, um auf einer Wiese bei Dahmsdorf Heu zu machen: „Das ist ungewöhnlich früh, und ich kann mich nicht daran erinnern, schon mal Ende Mai Gras gemäht zu haben.“ Im vergangenen Jahr habe er erst am 19. Juni mit dieser Arbeit beginnen können.

„Auch die Wiesen brauchen jetzt dringend Regen, damit das Gras nachwachsen kann“, erläutert der Geschäftsführer des Bauernverbandes. Vor allem das Wintergetreide leide unter der anhaltend großen Dürre: „Der Raps hat mittlerweile seine Blüten abgeworfen, und es wird einen deutlich geringeren Ertrag geben.“

Als durchaus kritisch bezeichnet Peter Koll die Situation bei Gerste und Roggen. Diese Feldfrüchte hätten derzeit den höchsten Wasserbedarf – die Nässe werde für das sogenannte Ährenschieben und Kornfüllen dringend benötigt. „Wenn wir bereits im Mai große Hitze haben, mit nur wenigen Wolken am Himmel und stattdessen immer nur Sonnenschein, dann stellt das Getreide sein Wachstum ein und reift nicht weiter“, erläutert der Geschäftsführer. Pflanzen nähmen die Bedingungen wahr, als wäre es bereits Juli – üblicherweise beginnt die Gersteernte in Stormarn zwischen dem 10. und 15. Juli. „Wenn es mit dem Wetter so weitergeht, müssen wir schon im Juni dreschen. Dann haben wir eine Notreife“, befürchtet Peter Koll.

Er hegt auch die Skepsis, dass die Ernteergebnisse in diesem Jahr „nicht so toll“ sein könnten – dies auch wegen der schlechten Voraussetzungen durch das sehr nasse Frühjahr: „Was wir jetzt brauchen, ist ein länger andauernder norddeutscher Landregen. Es hat ja vor kurzem einige Regenfälle gegeben. Aber die waren eher punktuell – auf der einen Seite des Dorfes gab es ein Gewitter, während es auf der anderen weiterhin trocken geblieben ist.“

Der Einsatz von Beregnungsanlagen gilt – bisher jedenfalls – als noch keine sinnvolle Option. „Das lohnt sich eher für leichte Böden oder beim Anbau von Erdbeeren“, so Peter Koll. In Nordstormarn pflanzten Landwirte dagegen auf besseren Böden an, und deshalb sei der Ackerbau trotz Milchwirtschaft und Schweinezucht immer noch das wichtigste Standbein für die in der Region ansässigen Betriebe.

„Wir befürchten allerdings in diesem Jahr eine schlechte Ernte, und das wäre dann schon die dritte in Folge. Es kann ein schmerzhaftes Jahr werden. Das zerrt schon an den Nerven“, blickt der Geschäftsführer voraus.

Während im Ackerbau angesichts der klimatischen Verhältnisse die Sorgen der Landwirte immer größer werden, herrscht in der Forstwirtschaft noch keine Alarmstimmung. „Die Trockenheit bedeutet für unsere Laubwälder bisher keine Gefahr“, stellt Matthias Wruck, Revierförster der Reinfelder Fohlenkoppel, fest. Gesunden und größeren Laubbäumen könne der fehlende Niederschlag kaum etwas ausmachen:

„Wir hatten ja ein sehr nasses Frühjahr, und die Waldböden fallen erst jetzt trocken.“ Allerdings: Wenn neue Hölzer gepflanzt worden seien, dann seien in diesem Jahr durchaus größere Ausfälle möglich, vermutet Matthias Wruck.

Nach seinen Beobachtungen trocknet das Totholz auf den Böden aus: „Damit erhöht sich auch bei uns die Waldbrandgefahr und Spaziergänger sollten besonders umsichtig sein.“

 Von Michael Thormählen

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