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Hochwasser in Stormarn wird in Zukunft die Regel

Bad Oldesloe/Reinfeld Hochwasser in Stormarn wird in Zukunft die Regel

Extreme Regenfälle, Wasserflächen auf den Feldern, die Landwirte bangen darum, ihr Land noch erfolgreich bewirtschaften zu können. Während jetzt eine dünne Schneedecke die Wiesen und Felder bedeckt, bleibt die Sorge, wird das in Zukunft in Stormarn die Regel sein?

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Gerade im Frühjahr haben Trave und Beste – hier an der Hude hinter dem „Mocca“ – einen höheren Wasserstand.

Quelle: Foto: Von Dahlen

Bad Oldesloe/Reinfeld. „Nasse Jahre hat es auch früher schon gegeben“, erklärt Klaus Graeber von der Nabu Ortsgruppe Bad Oldesloe. „In den 80er-Jahren herrschte insgesamt ein nasseres Klima bei uns, seit 20 Jahren ist es eher trocken gewesen.“ Das sei die langfristige Folge des Klimawandels. An der überschwemmten Landschaft seien die Versiegelung der Flächen und die Begradigung der Flüsse Schuld.

 

LN-Bild

„Wir brauchen Flächen, auf denen das Wasser stehen darf.“Klaus Graeber Nabu

Klimabericht

Laut Hamburger Klimabericht könnten mildere Winter und wärmere, trockenere Sommer in der Landwirtschaft das Auftreten von Krankheiten, Pflanzenschädlingen und Unkräutern begünstigen und zu Ertragseinbußen oder dem Ausfall ganzer Kulturen führen. Der Bericht ist einsehbar unter www.link.springer.com.

„Die Begradigung der Flüsse ist von Oben nach unten erfolgt“, erläutert Graeber. „In den 40er und 50er Jahren stand Bad Oldesloe deshalb häufig unter Wasser.“ Erst nachdem man die Flüsse weiter abwärts ausgebaut habe, sei die Hochwassersituation in Oldesloe besser geworden.

Überflutungsflächen nötig

Durch die Besiedelung der Landschaft werde zudem der Boden versiegelt, so dass das Wasser nicht mehr richtig ablaufen könne. Graeber schlägt deshalb Gegenmaßnahmen vor: „Wir müssen so schnell wie möglich klimaschädliche Stoffe begrenzen. Außerdem fehlt es an Retentionsflächen, also Flächen, wo das Wasser bei Überschwemmungen stehen darf.“ Die gebe es beispielsweise in der Wolkenweher Niederung, wo Retentionsflächen seien, die überschüssiges Wasser aufnehmen können. „Auf den Feldern versickert das Wasser relativ schnell. Allerdings beobachten wir in den letzten Jahren mehr Wetterextreme wie Starkregen mit Wind.“

Das hält auch der 2. Hamburger „Klimabericht fest, ein Projekt des KlimaCampus“ Hamburg. „Die Niederschlagsmenge hat sich in Hamburg und Norddeutschland vor allem im Winter erhöht, Trockenperioden dauern im Frühjahr inzwischen länger an als vor einigen Jahrzehnten“, heißt es dort. Für die Zukunft sei vor allem in den Wintermonaten mit deutlich erhöhten Niederschlagsmengen zu rechnen. Auch Starkniederschläge und regenreiche Tage könnten zunehmen. „Für den Winter projizieren fast alle Simulationen eine Niederschlagszunahme ab der Mitte des Jahrhunderts“, so der Bericht.

Aktuell macht Volker Terppé von der Unteren Wasserbehörde des Kreises die großen Niederschlagsmengen für das Hochwasser verantwortlich. „Wir haben seit Ende Juni keine drei Tage Trockenheit gehabt“, sagt er. Dadurch sei die Landschaft wassergesättigt, das Wasser laufe nur noch oberflächlich ab. „Es wird kaum noch Wasser an die Atmosphäre abgegeben, alles geht sofort in die Gewässer.“ Eine Ursache für die Überschwemmungen sei sicher auch die Begradigung der Flüsse. „Hier wird schon seit einigen Jahren die Krümmung der Flüsse wieder hergestellt. Jetzt soll die Traveschleife bei Bad Oldesloe angeschlossen werden, auch bei der Bille soll die Begradigung aufgehoben werden.“ Das seien Prozesse, die jahrelang dauerten und für die die politischen und gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden müssten.

Kommunen müssen handeln

Der Hamburger Klimabericht verweist darauf, dass der Klimaschutz besondere Herausforderungen an regionales und kommunales Handeln stellt. „Dazu gehört schon mal, dass keine Neubaugebiete in Überflutungsgebieten einzurichten sind“, so Wasserfachmann Dirk van Riesen vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Ländliche Räume (LLUR). „Kommunen sollten daran denken, dass ein Wassertropfen, der runterfällt, möglichst nicht in Bäche und Seen kommt.“ Nötig sei eine ortsnahe Versickerung, beispielsweise durch das Vorhalten von Versickerungsmulden.

„Auch Retentionsräume sind wichtig, damit Niederschlagswasser gar nicht erst in die Kanalisation gelangt.“ Der Hamburger Klimabericht warnt auch vor gesundheitlichen Folgen, falls das Grundwasser betroffen werde. So könnten Starkniederschläge die Wasserqualität beeinträchtigen. Entwässerungssysteme sollten deshalb in Zukunft auf höhere Niederschlagsmengen ausgerichtet werden.

Das Video vom Hochwasser in Ahrensfelde: www.LN-Online.de/videos

 Bettina Albrod

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