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Hospiz- und Palliativwoche: Auseinandersetzen mit dem Tod

Bad Oldesloe Hospiz- und Palliativwoche: Auseinandersetzen mit dem Tod

Sterben – ein Thema, mit dem sich viele Menschen ungern auseinandersetzen – sollten sie aber. Anlässlich des Welthospiztages am 14. Oktober bieten die Vereine Travebogen, Hospizbewegung und der Betreuungsverein Stormarn Vorträge zu verschiedenen Facetten des Sterbens an.

Bad Oldesloe. „Das Thema Sterben ist in unserer Gesellschaft noch immer tabuisiert“, sagt Dagmar Danke-Bayer, Koordinatorin beim Verein Hospizbewegung Oldesloe und Umgebung. Erst durch die Hospizbewegung rücke es langsam ins Bewusstsein der Menschen. Kinovorführungen, Lesungen, Vorträge – mit einer ganzen Reihe von Veranstaltungen zur morgen beginnenden Hospiz- und Palliativwoche im Großraum Lübeck sollen noch mehr Menschen erreicht werden.

Was soll, im Fall, des Falles passieren? Über das Thema „Patientenverfügung und Vorsorgevollmachten“ informiert Reinhard Onas vom Betreuungsverein Stormarn am Dienstag, 17. Oktober, (18-20 Uhr im Kultur- und Bildungszentrum). Ein Thema, mit dem sich vor allem auch jüngere Menschen beschäftigen sollten, findet Onas, denn „ein Unfall kann immer passieren. Und dann sind es nicht automatisch die Eltern, die entscheiden dürfen“. Ohne Vollmachten, wer etwa in medizinischen Fragen im Sinne des Kranken handeln soll, müssten dann Gerichte eingeschaltet werden. Und das in einer ohnehin schwierigen Situation für Angehörige, verdeutlicht Onas.

Mit Patientenverfügungen kann jeder selbst entscheiden, in welchem Fall etwa eine weitere Behandlung nicht mehr erfolgen soll. Das klingt leichter als es ist. Sie kenne Ärzte, die eine solche Verfügung sehr detailliert abgegeben haben, sagt Dagmar Danke-Bayer. Aber ihr seien auch Beispiele bekannt, in denen die Entscheidungsgewalt auf enge Freunde übertragen wurde. „Wir gehen immer davon aus, was wir in unserer jetzigen Situation nicht mehr als lebenswert empfinden“, so Danke-Bayer. Das jedoch könne sich jedoch stark ändern, wenn der Gesunde zum Betroffenen wird und etwa schwer erkrankt.

In Würde sterben – das ist das Ziel der Hospizbewegung. Doch was, wenn die Symptome eines kranken Menschens so schwer werden, dass er trotz aller Versorgung sterben möchte? Ein heikles Thema, besonders auch für Ärzte. Was ist erlaubt, wo fängt verbotene Sterbehilfe an? Darüber informiert die Palliativmedizinerin Dr. Kamayni Agarwal am Mittwoch, 18. Oktober, 16.30 bis 18.30 Uhr ebenfalls im KuB in Bad Oldesloe.

Sterbehilfe lehnt die Hospizbewegung ab. Über die Möglichkeit des „Sterbefastens“ berichtet Christiane zur Nieden am Montag, 16. Oktober (19 bis 21 Uhr, KuB). „Sie hat ihre Mutter beim Sterbefasten begleitet“, erklärt Dagmar Danke-Bayer. In einem Buch hat sie den Fall bereits veröffentlicht. „Sterbefasten ist die selbstbewusste Entscheidung über Leben und Tod“, sagt Danke-Bayer. Schwerkranke müssten nicht zwingend in die Schweiz reisen, um den Freitod zu wählen. Im Buch von Christiane zur Nieden werde erklärt, wie das Sterbefasten – der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit – abgelaufen ist. Auch, wie das Thema in der Familie gehandhabt wurde, schildert Danke-Bayer. In Bad Oldesloe wird die Autorin über ihre persönlichen Erfahrungen zum Thema sprechen. Ihr Mann, selbst Arzt, werde die medizinische Seite des Sterbefastens beleuchten.

Dass das Thema Sterbefasten für viele abschreckend klingt, könne sie verstehen, sagt Danke-Bayer. Doch auch hier gehe der Gesunde von seinem aktuellen Zustand aus. Bei Menschen, die im Sterben liegen, sinke der Stoffwechsel, das Bedürfnis nach Nahrung sei oft kaum noch vorhanden. Eine zwanghafte Ernährung verlängere womöglich das Leid, so Danke-Bayer.

Das ganze Programm der Aktionswoche gibt es im Netz unter www.travebogen.de

Von Nadine Materne

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