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Stormarn Hundeführerschein stößt nicht überall auf Ablehnung
Lokales Stormarn Hundeführerschein stößt nicht überall auf Ablehnung
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20:43 18.10.2013
Hundetrainerin Susanne Marquard hat ein sehr vertrauensvolles Verhältnis zu ihren Border Collies „Faye“ (l.) und „Luna“.  Quelle: Bosslet

Egal, ob Mops, Labrador oder Pitbull: Geht es nach der FDP-Fraktion im Landtag, sollen Neuhundebesitzer in Schleswig-Holstein bald einen Hundeführerschein machen. Ein entsprechender Vorschlag, der das bestehende Gefahrhundegesetz reformieren und die Rasseliste überflüssig machen würde, stößt in Kiel auf breite Zustimmung (die LN berichteten).

Dietmar Fleischmann vom Bargteheider Ordnungsamt hat den Gesetzentwurf bisher nur überflogen. „Ich gehe davon aus, dass daran sicher noch etwas geändert wird. Zum 1. Januar 2014 wird das sowieso nichts.“ Geht es nach der FDP, sollen Halter das sozialverträgliche Verhalten ihres Vierbeiners mit einem Wesenstest nachweisen. Zudem soll es Pflicht werden, eine Haftpflichtversicherung für Bello abzuschließen und ihn per Chip zu registrieren.

Nur wer in den vergangenen zehn Jahren mindestens zwei Jahre einen Hund hatte, ist von der Führerscheinpflicht ausgenommen. Alle Neuhundebesitzer dagegen sollen einen Sachkundenachweis (siehe unten) vor der Anschaffung des Tieres erbringen, den praktischen Teil mit dem Hund bis zu einem Jahr danach absolvieren. „Dieser Entwurf kehrt die augenblickliche Rechtslage quasi um“, sagt Fleischmann.

„Jetzt ist es so, dass erst etwas passieren muss, bevor ein Hund als gefährlich eingestuft wird, abgesehen von denen in der Rasseliste. Nach dem Entwurf würden dagegen alle Hunde gleich behandelt werden. Es soll im Grunde präventiv wirken.“ Für ihn persönlich seien nicht alle Vierbeiner per se gefährlich. „Die Zahl der Beißunfälle sind ja nun nicht so dramatisch, dennoch ist jeder einer zu viel“, sagt Fleischmann. „Das Problem ist, dass Hund und Mensch sich häufig einfach nicht verstehen“, weiß er aus Vorfällen, die seinem Amt gemeldet wurden.

Mangelndes Verständnis, schlechte Kommunikation: Das beobachtet Susanne Marquard mehr und mehr. Seit einigen Jahren nimmt die Hundetrainerin aus Lasbek Mensch und Tier unter ihre Fittiche. „Viele Kunden sind nicht in der Lage, ihre Hunde richtig zu lesen. Ihnen fehlen die einfachsten Grundlagen“, sagt die 49-Jährige, die die Hundeführerscheinpflicht grundsätzlich begrüßt. „Viele Leute machen sich überhaupt keine Gedanken mehr, was es bedeutet, sich einen Hund anzuschaffen. Sie wollen ein Familienmitglied und das war es. Das reicht aber nicht“, sagt Marquard, die selbst zwei Border-Collie-Hündinnen hat und den Befähigungsnachweis dennoch sofort machen würde. „Kommt der Führerschein, bin ich der Hoffnung, dass sich nicht mehr jeder Hans und Franz einen Hund holt“, sagt sie. „Allerdings frage ich mich, wer das kontrollieren will.“

Das weiß Dietmar Fleischmann auch nicht so genau. Schon jetzt melden fünf bis sieben Prozent der Bargteheider ihre Hunde nicht beim Amt an. Darum werden in der Stadt gerade offiziell die Vierbeiner gezählt, um den Hundesteuersündern auf die Spur zu kommen (die LN berichteten). Sollte der FDP-Entwurf Erfolg haben, käme erheblich mehr Arbeit auf Städte und Kommunen zu. Und auf Hundefreunde noch mehr Kosten, sei es zum Registrieren ihres Lieblings oder um die Prüfung abzulegen. 40 Euro soll der Test etwa kosten. „Man kann zwei Meinungen dazu haben“, sagt Dietmar Fleischmann. „Lohnt sich der ganze Aufwand in Relation zum Ergebnis? Das können wir jetzt noch nicht sagen.“ Oder: „Wie reagieren Sie, wenn Ihr Kind von einem Hund gebissen und verletzt wird?“

Verena Bosslet

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