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Stormarn „Ich hatte niemals vor, Svea zu töten“
Lokales Stormarn „Ich hatte niemals vor, Svea zu töten“
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20:13 24.04.2017
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Lübeck/Bargteheide

Erst machte der Angeklagte Sven S. im Mordprozess um die in Bargteheide getötete Svea T. seinem Ärger Luft, indem er lautstark gegenüber dem Gericht bekräftigte, einen anderen Anwalt haben zu wollen. Sein Pflichtverteidiger arbeite nicht so, wie er es denn wolle und er habe bis heute keine Möglichkeit gehabt, Akten einzusehen. Zudem habe er bereits am zweitem Verhandlungstag ein Geständnis ablegen wollen, doch sein Verteidiger habe dies bis heute offenbar noch nicht fertig geschrieben.

Nach einer kurzen Pause, in der sich Sven S. mit seinem Verteidiger besprach, dann die plötzliche Wendung. Verteidiger Dirk Bachmann verlas eine mehrseitige Erklärung seines Mandanten. In dieser Erklärung gab der Angeklagte zu, Svea T. mit drei Schüssen getötet zu haben. Allerdings will er dies nicht absichtlich getan haben. Unmittelbar vor den tödlichen Schüssen habe er sich mit seiner Waffe vor die Waschmaschine in seiner Wohnung in der Alten Landstraße in Bargteheide gesetzt und sich den Lauf der Waffe in suizidaler Absicht in den Mund gesteckt.

„Svea wollte mir die Waffe aus der Hand nehmen, wollte nicht, dass ich mir das Leben nehme“, erklärte der Angeklagte. Dabei habe sich ein Schuss gelöst, der Svea am Arm traf. „Svea stürzte zu Boden und ich wollte sie auffangen. Dabei haben sich zwei weitere Schüsse gelöst, die Svea im Oberkörper und Bauch trafen.“ Zur Tatzeit sei er voll auf Droge gewesen, habe zuvor Kokain genommen, so der Angeklagte.

Die Themen Drogenkonsum und auch Drogenhandel zogen sich über den gesamten Prozesstag hin. Immer wieder war davon die Rede, dass Sven S. Drogen nahm. Ein ehemaliger Arbeitskollege sagte im Zeugenstand, dass nicht nur nach der Arbeit, sondern auch in der Pokerhalle des Angeklagten Drogen konsumiert wurden. Für das Gericht ist die Drogensucht oder der Drogenkonsum des Angeklagten von großer Bedeutung. S. gab an, dass er Angst bekam, die Rettung informierte und dann die Flucht ergriff. Er habe sich stellen wollen, könne sich aber an die Zeit nach den tödlichen Schüssen kaum noch erinnern. „Ich hatte niemals vor, Svea zu töten“, sagte Sven S..

Nach seiner Erklärung führten Justizbeamte den Strafgefangenen Costa F. vor, der wie Sven S. derzeit in der JVA Lübeck einsitzt. Der Mitgefangene hatte nach mehreren Gesprächen mit dem Angeklagten offenbar dessen Vertrauen erworben und sich dann mit einem Brief an die Staatsanwaltschaft gewandt, um sein Wissen über S. dort kund zu tun. Etwa eine Stunde lang stand Costa F. auch dem Gericht Rede und Antwort. Der Angeklagte schüttelte während der Befragung durch Richter Christian Singelmann immer wieder den Kopf und bezichtigte Costa F. in Detailfragen der Lüge. Das könne er sogar beweisen und verwies auf ein anderes Verfahren und die Aussage der JVA-Leiterin. Die Vernehmung des Vaters von Svea T. wurde nach der Erklärung des Angeklagten verschoben und soll bei einem der nächsten Verhandlungstage nachgeholt werden.

Der Prozess wird am 3. Mai um 9 Uhr fortgesetzt.

Jens Burmester

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