Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn „Ich wünsche mir einen Fleck auf der Erde, wo ich sicher leben kann“
Lokales Stormarn „Ich wünsche mir einen Fleck auf der Erde, wo ich sicher leben kann“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:54 09.08.2015
Zafar Mazambag wurde in Afghanistan schwer misshandelt.
Bad Oldesloe

Zafar Mazambag ist gebürtiger Afghane und hat in der Nähe der Berge von Tadschikistan gelebt. Schon als kleiner Junge musste er ein schweres Schicksal ertragen: Er war acht Jahre alt, als er beide Elternteile durch Krankheit verlor. Eine Nichte seines Vater zog den Jungen groß und schickte ihn zur Schule.

Von seinen Eltern hatte er Land geerbt und einen kleinen Laden. „Irgendwann kamen christliche Entwicklungshelfer zu uns, sie zeigten uns, welche Bäume und Pflanzen bei uns wachsen.“ Doch die Helfer unterrichteten Zafar nicht nur in Sachen Landwirtschaft, sie brachten auch neues Gedankengut mit. „Ich habe durch die Menschen eine andere Religion und andere Glaubensansätze kennengelernt und bin deshalb Christ geworden“, erzählt der 26-Jährige, der zuvor als Schiit unter sunnitischer Mehrheit lebte. Eine verhängnisvolle Entscheidung, denn daraufhin wurde Zafar von seinen Nachbarn angegriffen und schwer misshandelt. „Sie wollten mich umbringen“, berichtet der Afghane. Noch am selben Tag sei er deshalb geflüchtet — ein Iraner habe ihn in seinem Kofferraum mitgenommen.

„Ein sehr netter Mann“, erinnert sich Zafar. Aber wie sich herausstellte, war er ein Schlepper, der eine stattliche Summe für die Flucht veranschlagte. „13 500 Euro habe ich bezahlt, aber dafür hat er mich bis nach Norwegen mitgenommen.“ Die Flucht verlief abenteuerlich: Zunächst musste Zafar über einen Monat im Iran bleiben, bis sein Gesicht von den Schlägen geheilt war. Dann ging es zu Fuß und mit dem Auto in die Türkei. Dort blieben sie zwei Wochen. „Dann fuhren wir per Schiff nach Italien, weiter nach Frankreich, Deutschland, Dänemark, Schweden bis nach Norwegen“, schildert Zafar.

Zwei Jahre hat der Afghane im hohen Norden gelebt und sich dort gut eingefunden. „Ich habe die Sprache schon ganz gut gesprochen, Freunde kennengelernt und war glücklich, in Sicherheit zu sein. Auch wenn ich alles liegen und stehen lassen musste in meiner Heimat.“

Doch dann wurde Zafars Asylantrag abgelehnt. „Weil sie mir nicht geglaubt haben, dass ich ohne Eltern aufgewachsen bin“, so Zafar. Nachweisen konnte der Flüchtling das nicht. „Da, wo ich herkomme, sind wir abgeschottet von der Welt. Kein Telefon, kein Fernseher, kein Internet.“ Dort würden nicht einmal behördliche Akten über Geburten oder Sterbefälle geführt werden, weiß Nauwa Saleh von der Diakonie.

Jetzt ist Zafar in Deutschland. Der 26-Jährige wohnt in einer Gemeinschaftsunterkunft in Bad Oldesloe — auf engstem Raum mit vier Personen in einem Zimmer. „Und ich habe jeden Monat Angst, dass ich Deutschland wieder verlassen muss.“ Drei Jahre ist Zafar mittlerweile auf der Flucht. Alles, was er sich wünscht: „Dass ich einen Fleck auf der Erde finde, wo ich sicher leben kann.“

Britta Matzen

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!