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Stormarn Im Café der Kulturen kennt der Spieltisch keine Grenzen
Lokales Stormarn Im Café der Kulturen kennt der Spieltisch keine Grenzen
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20:52 17.01.2017
Ein fröhliches Spiel bringt Kinder und Erwachsene gemeinsam an den Tisch: (v. l.) Hella Sievers, Qabas und Khaled Al Daher. Quelle: Fotos: M. Thormählen
Reinfeld

Qabas ist erst drei Jahre, doch beim „Memory“ schon ziemlich fit. Und selbst Vater Khaled Al Daher und Hella Sievers müssen sich bei diesem Gedächtnisspiel im Reinfelder Café der Kulturen mächtig anstrengen, um nicht völlig ins Hintertreffen zu geraten. Mit gemeinsamem Spielen, anregenden Gesprächen und vielen wertvollen Hinweisen gehört die Einrichtung einem umfassenden Netzwerk an, das den Flüchtlingen die Integration erleichtern will.

Einrichtung in Reinfeld kümmert sich um die Integration von Flüchtlingen.

Khaled Al Daher ist vor den Kriegswirren in seiner syrischen Heimat geflohen. Er lebt seit ziemlich genau zwei Jahren in Reinfeld und zählt damit zu den ersten Besuchern des Cafés der Kulturen, das im September 2015 erstmals seine Pforten öffnete. Vor fünf Monaten konnte der Syrer endlich seine Ehefrau und seine kleine Tochter in die Arme schließen – damit ist die Familie jetzt wieder vereint.

„Der Zuzug von Angehörigen, das ist für uns so etwas wie die zweite Welle“, sagt Hella Sievers, die zusammen mit Elke Dallmer, Vera Heßler und Ilse Möller als ehrenamtliche Helferin die Einrichtung leitet. Reinfelder Bürger und Flüchtlinge treffen sich einmal pro Woche, um in gemütlicher Runde zusammen zu sitzen. Zehn Besucher sind immer gekommen, manches Mal waren es sogar 25.

„Zunächst ging es für die meisten Flüchtlinge um eine Kennenlern-Phase. Sie waren ja völlig neu in einem für sie fremden Land. Und die Verständigung lief meistens nur mit Englisch, teilweise auch mit Händen und Füßen“, erinnert sich Ilse Möller. Das Café der Kulturen sei ein wichtiger Mosaikstein – ebenso wie die Sprachpatenschaften, damit sich die Flüchtlinge in ihrer neuen Heimat zurechtfinden könnten. Die ehrenamtlichen Helferinnen engagieren sich auch auf diesem Gebiet sowie bei der Betreuung von Familien. Den Alltag zu organisieren steht dann im Fokus, nach Plätzen in den Kindergärten oder nach einer passenden Wohnung zu suchen sowie die Beschaffung von Möbeln sind die drängendsten Probleme.

„Einige kommen regelmäßig zu uns, andere sind bereits wieder weggezogen“, so Ilse Möller und Hella Sievers. Dabei habe sicherlich auch die erfolgreiche Integration in Reinfeld einen Beitrag geleistet. „Viele Flüchtlinge haben ihre Sprachkurse absolviert und auch schon eine Arbeit gefunden. Wir haben ein schönes Umfeld, doch Arbeitsplätze für junge Leute können wir kaum bieten“, erklärt Ilse Möller. Da freut sich sie ebenso wie ihre Mitstreiterinnen über positiven Nachrichten aus West- oder Süddeutschland: „Da heißt es dann oft: Bei euch in Reinfeld ist es doch am schönsten gewesen.“

Wenn auch neue Besucher ins Café der Kulturen kommen – eines hat sich nicht geändert: Selbstgebackener Kuchen kommt immer auf den Tisch. Er hilft sicherlich mit, um das sprichwörtliche Eis zu brechen, um anschließend ins Gespräch zu kommen. „Es geht vor allem um die Kommunikation mit den Reinfeldern“, sagt Ilse Möller. Parallel zum Café der Kulturen finden auch der Frauentreff sowie Sprachkurse für Flüchtlinge statt.

Nach dem Ende der Weihnachtspause hat das Café wieder montags von 15.30 bis 17.30 Uhr an der Lokfelder Straße 4 geöffnet. Am Freitag, 20. Januar, treffen sich Sprachpaten. Dann spielt auch diese wichtige Einrichtung eine Rolle. Möglicherweise soll über ein neues Konzept diskutiert werden.

Hilfe bei der Jobsuche

Auch das Diakonische Werk des Kirchenkreises bietet jetzt wieder im Reinfelder Café der Kulturen eine Sprechstunde für Migranten und ihre Betreuer an. Die hauptamtlichen Mitarbeiter beraten im Haus der Begegnung des Deutschen Roten Kreuzes, wenn persönliche Probleme auftreten, ein Job gefunden werden soll oder es Hilfestellung im Umgang mit Behörden geben soll.

Michael Thormählen

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