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Stormarn Im Dorf der guten Nachbarschaft
Lokales Stormarn Im Dorf der guten Nachbarschaft
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08:04 31.07.2017
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Rümpel

Rumpel, rumpel! Polternde Geräusche sind in Rümpel Programm – spätestens, wenn man mit seinem Wagen das Ortsschild passiert hat. Denn in der Dorfstraße ist das alte Kopfsteinpflaster erhalten geblieben. Lange Jahre hatten die Rümpeler dafür gekämpft. Bei der Kommunalwahl 1994 bekamen die Kopfsteinpflaster-Befürworter die Mehrheit. Für insgesamt 3,2 Millionen Euro sanierte der Kreis daraufhin den alten Fahrbahnbelag. Im Jahr 2000 wurde die „Prachtstraße“, wie der ehemalige Bürgermeister Peter Vogt die Rümpeler Dorfstraße nannte, für den Verkehr wieder freigegeben. Optisch schön, aber auch echt laut.

Auch sonst wird im Dorf gerade ordentlich Radau gemacht. Dafür sorgen Arbeiter und Maschinen an einigen Baustellen im Ort. Rümpel ist im Wandel, in einem halben Jahr wird vieles anders aussehen.

„Rümpel ist als Wohnort begehrt“, sagt Bürgermeister Torben Schmahl. Da das Land Rümpel bislang aber nicht auf dem Plan habe, ist zunächst Nachverdichtung und Bebauung in zweiter Reihe das Gebot der Stunde. Größtes Vorhaben im Dorf: das neue Feuerwehrgerätehaus. Eine Million Euro soll der Bau kosten. „Die Jungs von der Freiwilligen Feuerwehr mussten erst das Auto rausfahren, bevor sie sich umzogen, so eng war das alte Gerätehaus“, schildert Hans-Jürgen Dwenger, der direkt neben der Baustelle am Dorfteich wohnt. Teuer sei der Bau, aber zwingend erforderlich, auch wenn es die Gemeindekasse belaste – da sind sich die Rümpeler ziemlich einig.

Ein paar hundert Meter weiter ist der Bagger auf dem Hof von Stoffers im Einsatz. 1870 wurde der große Bauernhof errichtet, jetzt wird alles abgerissen, damit hier Einfamilienhäuser entstehen können.

„Das Haus war zu groß, Fußböden und Wände nicht isoliert“, berichtet Ilse Stoffers, die vorne zur Straße Unkraut zupft, während hinter dem Haus die Stallgebäude platt gemacht werden. Die Mieter hätten zwar die großen Räume bewohnen wollen. „Aber die Kosten wollten sie nicht tragen“, berichtet die 87-jährige rüstige Bäuerin, die eher für 70 durchgeht. „Ich habe meinen Mann zehn Jahre gepflegt – das war Medizin für mich“, so die Rümpelerin auf die Frage, wie sie es geschafft habe, sich so gut zu halten. Ihre Großmutter habe schon immer gesagt: „Bewegung ist das halbe Leben.“ Damit habe sie anscheinend Recht gehabt. Denn wenn Ilse Stoffers stundenlang stillsitzt, werden ihr auch bloß die Knochen steif. In die Zukunft blickt sie deshalb auch mit Sorgen. „Ohne den Hof? Im Sommer geht’s ja noch, da habe ich meinen Garten. Aber im Winter?“ Die Frau mit den hellen, wachen Augen wirft einen traurigen Blick auf das bereits abgedeckte Dach, dann schnappt sie sich den Eimer und widmet sich wieder dem unerwünschten Grün, das am Zaun wuchert.

Wildwuchs herrscht auch am Dorfteich, der von Schilf überwuchert ist. „Ich bin Busfahrer und komme viel rum. Das ist mit Abstand der schlimmste Dorfteich“, stellt Hans-Jürgen Dwenger fest. Schuld sei der Wasser- und Bodenverband. Der Teich hätte nur ausgebaggert werden müssen. Aber der Bagger, der anrollte, hätte das Schilf im ganzen Teich verteilt. „Jetzt haben wir den Salat.“ Nur per Hand wie vor 100 Jahren ließe sich das zähe Zeugs wieder rausreißen. Doch ansonsten hat Dwenger nichts zu meckern. „Auch wenn ich nur Zugezogener bin.“ Das Leben und die Nachbarschaft in Rümpel seien sehr in Ordnung. Man achte aufeinander. Auch auf die Leute, die durchs Dorf kurven.

So wird die Redakteurin gleich von mehreren Seiten angesprochen, als sie mit Schreibblock und Fotoapparat durch Rümpel zieht. „Entschuldigung, was machen Sie hier?“, fragt auch Claus Heinze von der Wählergemeinschaft AWR. Dorfserie für die Zeitung. Ach so. Und dann kommt man ins Gespräch. In Bad Oldesloe hat Heinze vorher gewohnt. „Aber hier in Rümpel ist das was ganz anderes. Hier lebt es sich schön. Ein buntes Durcheinander. Wir haben ein paar Flüchtlinge, aber niemand nimmt einem hier das Brot weg.“ Das ganze Leben sei in Rümpel in Ordnung. „Viele engagieren sich im Sportverein oder ehrenamtlich beim Vogelschießen. In unserem Dorf herrscht eitel Sonnenschein.“ Man habe zwar weder Kaufmann noch Gastwirtschaft, aber dafür treffe man sich Sonntagmorgens im Sportlerheim. Heinze schätzt vor allem den Zusammenhalt und die gute Nachbarschaft im Dorf. Auch Traditionen werden hochgehalten. Wenn irgendwo ein Kind geboren wird, spannen Nachbarn eine Wäscheleine mit Babysachen und stellen den Klapperstorch auf. Ja – in Rümpel gibt’s so was noch.

Britta Matzen

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