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Stormarn Im neuen Airbus fliegt Technik aus Reinfeld mit
Lokales Stormarn Im neuen Airbus fliegt Technik aus Reinfeld mit
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21:22 22.06.2013
Von Uwe Krog
Entwickelten das Sauerstoffmessgerät für den neuen Airbus (v. l.): die Diplomingenieure Said Azimian und Andreas Nadorow, daneben CogniMed-Geschäftsführer Frank Willers. Quelle: Fotos: Uwe Krog

Hochgelobt wird der neue Airbus 350. Neue Maßstäbe soll er setzen, Sein Kerosinverbrauch sei weitaus geringer als der der vergleichbaren Boeing. Von Ingenieurskunst „made in Germany“ ist die Rede, weil viele Teile aus Deutschland kommen. Und ein Teil kommt aus Reinfeld.

Die „CogniMed“-Leute in der Holländerkoppel haben in 11 000 Arbeitsstunden gemeinsam mit dem Lübecker Flugzeugausstatter B/E Aerospace Systems die überlebenswichtige Sauerstoff-Notversorgung für den Airbus entwickelt. Zehn Mitarbeiter zählt das Unternehmen.

Die meisten davon sind diplomierte Physiker und Elektro-Ingenieure. Gesellschafter Martin Ryschka ist Professor an der Lübecker Fachhochschule. Petra Margaritoff, Ehefrau des Geschäftsführers

Frank Willers, hat eine Professur in Hamburg.

Abgehoben wegen des neuerlichen Erfolges ist Willers aber gewiss nicht. Nur sein Lächeln und das Funkeln in den Augen, wenn er über das Modul von der Größe einer langen Zigarettenschachtel spricht, zeigen, wie stolz er auf dieses Wunderwerk der Technik ist. Hightech aus Reinfeld.

„Das System“, sagt Physiker Holger Panier, „erfüllt alle Anforderungen nach reduziertem Gewicht und einfacher Montage.“ Es unterstütze die Bemühungen der Flugzeugbauer, beim Airbus 350 den Ausstoß

von Kohlendioxid und die Betriebskosten um 25 Prozent zu senken. „Gewicht“, sagt der Physiker, „ist heute im Flugzeugbau genauso wichtig wie der Preis.“

Maßgeblich beteiligt an der Entwicklung dieses Dosierers aus Reinfeld ist Diplom-Ingenieurin Anja Mevius. Sie hat dem Gerät, das wie eine gedrungene Grafikkarte für den Computer anmutet, das Design verpasst, während unten im Labor die Elektronik- und Softwarespezialisten Andreas Nadorow und Said Azimian den Dosierer bauten und testeten — nach strengsten Vorgaben. Höchste Messgenauigkeit und exakte Schaltung des Sauerstoffzuflusses muss der Dosierer leisten.

Ursprünglich aus der anspruchsvollen Medizintechnik kommend, hat „CogniMed“ im noch anspruchsvolleren Flugzeugbau mit dieser neuen Entwicklung ihren guten Ruf gefestigt. Aber die Firma wird, weil das in der Welt des Flugzeugbaus besser ankommt, derlei Aufträge künftig unter dem Namen „Sequem Avionics“ erfüllen. Sequem stehe dabei für wohlgeordnetes Vorgehen, erklärt Physiker Panier.

Qualitätsmanagement spiele in dieser Industrie eine wichtige Rolle. Allein vom Airbus-Hersteller hatte das kleine Reinfelder Team mehr als 3000 Seiten an Vorgaben zu erfüllen. „Alles aus Gründen der Sicherheit für die Passagiere.“

„CogniMed“ wurde 1994 in Reinfeld gegründet, „weil der eine in Hamburg wohnte und der andere in Lübeck“, wie Geschäftsführer Willers sagt. Das kleine Team kann schon auf einige Erfolge verweisen. Vor drei Jahren etwa war es an der Entwicklung eines neuartigen Herzschrittmachers beteiligt. Und sie hat Trainingssystem in der medizinischen Rehabilitation entwickelt.

Doch der Betrieb hat seine internationale Belegschaft nie aufgestockt. Wichtig sei ihm, „dass es menschlich passt“, sagt Geschäftsführer Willers. „Wir funktionieren wie eine große Familie.“

Auslieferung 2014
Die Startphase war kurz. 15 Sekunden beschleunigte der A 350 auf der Rollbahn Toulouse-Blagnac Richtung Nordwest bei seinem Jungfernflug vor wenigen Tagen. „Es ist einfach fantastisch“, jubelte Airbus-Chef Fabrice Bregier. Um fantastische Summen geht es allerdings auch beim Verkauf dieses hochmodernen Fliegers.

Der Airbus A 350 steht in seiner teuersten Variante mit etwa 250 Millionen Euro in der Preisliste. Mit dem Flugzeug will sich der europäische Flugzeugbauer entscheidende Anteile im Langstreckenmarkt sichern. Die ersten Modelle sollen im zweiten Halbjahr 2014 ausgeliefert werden. Harte Konkurrenz kommt aus den USA: die Boeing 777 soll als Neuauflage 777-X ebenfalls sparsamer werden.

Uwe Krog

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