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Imker bekämpfen die Faulbrut

Bad Oldesloe Imker bekämpfen die Faulbrut

Für den Menschen ist die Krankheit ungefährlich, aber für Bienenvölker kann sie den Tod bedeuten: In Bad Oldesloe und Umgebung sind mehrere Fälle der hochinfektiösen Amerikanischen Faulbrut festgestellt worden.

Hier werden Bienenkästen mit Natronlauge desinfiziert. Für die Arbeit ist Schutzkleidung erforderlich.

Quelle: Fotos: Matzen, Hfr

Bad Oldesloe. Das Kreisveterinäramt hat die betroffenen Gebiete zum Sperrbezirk erklärt. „Drei Fälle sind bisher bekannt geworden. Ein Imker war gleich zweimal betroffen“, sagt Iris Hartkopf, Vorsitzende des Bad Oldesloer Imkervereins. Zuletzt wurden am 24. Juli in einer Brutwabenprobe aus einem Bienenstand in der Gemeinde Pölitz die Erreger nachgewiesen. „Aufgrund des jahreszeitlich bedingten regen Flugverhaltens der Bienen habe ich den Radius des Sperrbezirkes den gegebenen Verhältnissen angepasst“, teilt Amtstierarzt Dr. Karlheinz Reisewitz mit. Der Sperrbezirk reicht nördlich von Bad Oldesloe bis südlich von Lasbek.

Für dieses Gebiet gelten strenge Regeln: Besitzer und Betreuer von Bienenvölkern müssen ihre Bienenstände mit Standort und Anzahl der Völker beim Kreis Stormarn melden. Bienenvölker dürfen nicht mehr von ihrem Standort entfernt werden. Außerdem gilt, dass Waben, Wachs, Honig, Futtervorräte und alle Gerätschaften nicht mehr aus den Bienenständen entfernt werden. Nach der Bienenseuchenverordnung müssen alle Völker im Sperrbezirk auf Faulbrut getestet werden. „Von 516 Imkern in Stormarn sind uns 47 Bienenhalter im Sperrgebiet bekannt. Diese suchen wir alle auf, um Futterkranzproben zu entnehmen – das ist das, was die Bienen an ihre Nachkommenschaft verfüttern“, teilt Andreas Rehberg, Fachdienstleiter für Recht und Veterinärwesen beim Kreis Stormarn mit. Die Proben würden auf Sporen des Erregers untersucht. „Geringe Konzentrationen findet man in sehr vielen Proben. Aber gesunde Bienenvölker werden damit fertigt“, so Rehberg. Wenn allerdings eine bestimmte Konzentration überschritten sei, würden die tierseuchenrechtlichen Maßnahmen vollzogen.

„Einen unserer jungen Kollegen hat es besonders schlimm erwischt. Er hat alle seine Bienenvölker vernichtet. Mindestens 20 müssen es gewesen sein“, so Hartkopf. Das sei ein harter Schlag für ihn gewesen. „Er wollte erst sanieren, hatte sich auch schon die Ausrüstung dafür von der Imkerschule aus Bad Segeberg ausgeliehen.“ Aber dann habe er es zeitlich doch nicht geschafft. Alle Holzteile hätte er verbrennen müssen. „Bienenbehausungen, Schleuder und auch den Raum, in dem er schleudert, hätte er mit heißer Natronlauge reinigen müssen. Da muss man ganz schön aufpassen, denn das ist sehr gefährlich“, so die Vorsitzende des Imkervereins. Säurefeste Kleidung, Handschuhe, Stiefel, Schutzbrille seien für die Prozedur nötig. „Eigentlich ist Ätznatron laut Biozid-Verordnung verboten“, so Hartkopf. Doch für den Seuchenfall gibt es eine Ausnahmegenehmigung. Der Grund: Es gibt derzeit noch kein anderes wirksames Desinfektionsmittel gegen die Amerikanische Faulbrut. Vom Land werde der Imker eine Entschädigung erhalten. „Die liegt je nach Größe des Bienenvolkes zwischen 40 und 100 Euro“, teilt Rehberg mit.

Der Erreger der bösartigen Amerikanischen Faulbrut Paenibacillus larvae, auch Bazilluslarve genannt, befällt ausschließlich die Bienenbrut. Da die Sporen des Bazillus sehr widerstandsfähig gegen Umwelteinflüsse, sogar gegenüber Kälte oder hohen Temperaturen bis zu 120 Grad sind, sind sie sehr lange haltbar und können jahrelang ansteckend bleiben.

„Übertragen wird die Krankheit über die Ammenbienen, die die junge Brut füttern“, erläutert Hartkopf. Ammenbienen nehmen Sporen beim Zellenreinigen oder mit verseuchtem Honig auf und geben sie mit der Brutnahrung an die jungen Bienlarven weiter. Folge: Die Larven schlüpfen nicht, sondern werden durch die Bakterien zersetzt. Die Larven verwandeln sich dann in eine braune, fadenziehende Masse und trocknen schließlich zu einem rauen, festsitzenden Schorf, in dem Milliarden von Sporen enthalten sind. Durch räubernde oder schwärmende Bienen wird der Erreger in andere Völker verschleppt. Auch durch den Austausch von Brut und Futterwaben sowie über Geräte und Beuten kann sich die bakterielle Krankheit verbreiten.

Neben der Amerikanischen Faulbrut ist die Varroa-Milbe eine weitere große Bedrohung für die Bienenvölker. „Die Bienen kommen bei dieser Krankheit verkrüppelt auf die Welt. Sie sind orientierungslos, haben verstümmelte Flügel oder nur ein Auge“, so Hartkopf. Tragisch sei das. Ende der 70er Jahre sei die Varroa-Milbe über Osteuropa nach Deutschland eingeschleppt worden. „Die Milbe hat sich unheimlich schnell verbreitet.“ Schuld sei auch die zu hohe Anzahl von Imkern und das immer schlechtere Nahrungsangebot für die Bienen. „Jeder kann sich eine Kiste in den Garten stellen und Bienen halten. Das ist unser großes Problem“, so die Vorsitzendes des Imkervereins. Für die vielen Bienenvölker gebe es nicht mehr genug Futter. „Wir haben keine Kornblumen mehr, keine Unkräuter – alles wurde weggespritzt.“ Das schmälere die Abwehrkräfte der Bienen.

Verbrauchertipps

Für den Menschen ist die Amerikanische Faulbrut völlig ungefährlich. Auch den Honig von infizierten Bienenvölkern können wir bedenkenlos verzehren. Doch für den Nachwuchs der Bienenvölker sind die Sporen eine tödliche Gefahr.

Honigliebhaber können auf einfache Weise zur Gesundheit der Bienen beitragen: Reinigen Sie Ihre leeren Honiggläser und die dazugehörigen Deckel gründlich mit warmem Wasser oder in der Geschirrspülmaschine. Werfen Sie sie nur verschlossen in den Altglascontainer, damit Bienen nicht eventuelle Sporen der Faulbrut mit den Honigresten aufnehmen und so die tödliche Seuche in ihr Volk einschleppen. Belastet ist vor allem Importhonig. Deshalb empfiehlt es sich, Honig regional zu kaufen.

 Britta Matzen

Reporter vor Ort

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