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Imkern in Stormarn liegt im Trend

Reinfeld Imkern in Stormarn liegt im Trend

Immer mehr Frauen und Kinder sind von den Bienen fasziniert – Die Matthias-Claudius-Schule fördert das.

Reinfeld. Die älteren Herren im Imkerverein Reinfeld-Zarpen bekommen zunehmend Gesellschaft von jungen Frauen wie Stephanie Eden, Mutter von drei Kindern und Herrin über drei Bienenvölker. Gern geht sie zu den Treffen im Zarpener Eckkrug. „Unsere Ernährung wird immer abstrakter“, sagt sie. Es sei aber wichtig zu wissen „wie etwa Honig gemacht wird – und was drin steckt“.

Hinzu kommt die Begeisterung der Kinder, die genau wie ihre Mütter fasziniert anschauen, was da krabbelt und summt. Wie die Wächterbienen die Eingänge zu den Stöcken kontrollieren, wie die jungen Bienen ihre Flugübungen machen und manchmal dreiste Wespen oder dicke Hummeln in den Stock eindringen. Im Mai haben Mutter und Kinder mit Hilfe eines erfahrenen Imkerpaten aus dem Verein den ersten Rapshonig gemacht. „Die Kinder“, sagt Stephanie Eden, „waren absolut interessiert.“

Mit Petra Janys kommt neuerdings eine weitere Bienenfreundin zu den Treffen des Imkervereins. Sie hat gerade angefangen mit dem Imkern. „Die Tiere haben mich schon immer interessiert“, begründet sie das neue Hobby. Und Tochter Käthe macht bei Lehrerin Marianne Kell bei der Bienen AG an der Matthias-Claudius-Schule mit. Die Arbeitsgruppe gibt es im dritten Jahr. Die Kinder basteln die Stöcke, entdecken die Larven und sehen, wie sie sich entwickeln. In Imkermonturen, damit auch ja niemand gestochen wird, gehen sie auf die Bienenwiese, die zwischen drei Schulgebäuden vom Schulhof abgetrennt liegt.

„Dank einer sehr großzügigen Spende der Gladigau-Stiftung in Bad Oldesloe konnten wir im vergangenen Jahr richtig durchstarten“, sagt die Lehrerin. Von dem Geld bauten sie und ihr Mann eine voll funktionstüchtige Schulimkerei auf. Inzwischen darf die Schule dank der Imkerei den Titel „Zukunftsschule“ tragen.

50 Gläser Honig mit dem Etikett des Deutschen Imkerbundes als Gütesiegel hat die Gruppe jetzt mit nur einem Wirtschaftsvolk produziert. „Im nächsten Jahr werden wir drei Völker haben“, so die Lehrerin. Die Schul-Imkerei soll sich künftig selber tragen. Jedes Glas kostet deshalb vier Euro. Und die Dritt- und Viertklässler haben ihre Begeisterung für die Bienen auf die anderen Kinder übertrage. „Wir hatten nach den Ferien mehr als 30 Anmeldungen“, sagt Marianne Kell. Aber nur 14 Kinder können teilnehmen. „Sonst wird es für uns auf der Bienenwiese unübersichtlich“, sind doch zu viele kleine Finger versucht, mal ’reinzufühlen in so eine Wabe. Gestochen wurde aber noch kein Kind. Einmal sei eine Biene an einem Jungen hochgekrabbelt. „Aber der blieb ganz cool.“

Das mag an der Friedfertigkeit der in Stormarn verbreiteten Bienensorte „Carnica“ liegen. Die Tiere seien, wie Imkerin Eva Apelt beschreibt, „auf Sanftmut und Wabensitz gezüchtet“. Wabensitz, das ist das Verharren der Tiere, wenn der Imker ein Rähmchen aus dem Stock nimmt. In der Tat lassen sich die Bienen nicht stören, wenn sie ihren Imker-Kolleginnen den Rahmen zeigt. Zur Vorsicht hat sie vorher einen Smoker entzündet und Qualm aufsteigen lassen. Die Bienen sollen einen Brand vermuten. Dann ziehen sie sich in ihren Stock zurück. In den meisten Fällen, eine so genannte Segeberger Beute, die mindestens in Nordstormarn und im Kreis Segeberg zu den Standardbehausungen für die Tiere gehört.

Oftmals grün angestrichen, um die aufeinander gesetzten Käste vor Langfingern und Zerstörung zu schützen, spielt sich darin ein für Imkerin Apelt faszinierendes Leben ab. Sie habe, räumt die erfahrene Imkerin ein, „eine Beziehung zu den Tieren entwickelt“ und könne überhaupt nicht nachvollziehen, wie einige amerikanische Kollegen, mitihnen umgingen, wenn sie mit ihren Stöcken kreuz und quer durchs Land fahren würden, um sie überall dort ausfliegen zu lassen, wo begehrte Pflanzen für Honig zu finden seien.

Allerdings berichtet sie auch wie die sonst so friedlichen eigenen Bienen mit den Männchen umgingen. Die seien dick, groß, behäbig. Und wenn sie ihre Pflichten zur Erhaltung der Art erledigt hätten, würden die Weibchen sie im Herbst rausschmeißen aus dem Stock – und die Männchen verhungern lassen. Und wenn sie die Königin gedeckt hätten, würden sie auch sterben müssen. Doch lang ist ein Bienenleben ohnehin nicht. „Vier bis sechs Wochen“, sagt Eva Apelt. Nur die im Herbst Geschlüpften überlebten einen Winter.

Derlei und noch viel mehr ist jeden dritten Donnerstag beim Imkertreffen ab 19.30 im Eckkrug zu erfahren. Dort, wo es immer mehr Frauen hinzieht.

Uwe Krog

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