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Stormarn In Bad Oldesloe entstehen wieder neue Sozialwohnungen
Lokales Stormarn In Bad Oldesloe entstehen wieder neue Sozialwohnungen
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21:20 14.03.2018
Es rührt sich wieder etwas auf dem alten Herose-Gelände. Ganz früher befanden sich dort alte dänische Dragonerställe. Quelle: Dorothea Von Dahlen
Bad Oldesloe

Und das wurde auch Zeit. Denn das Ödland an der B 208 gleich neben dem Mehrgenerationenhaus Oase hatte der Oldesloer Politik schon seit Jahren die Tränen in die Augen getrieben. Schließlich war es keinem Außenstehenden plausibel zu erklären, weshalb angesichts so großer Wohnungsnot ein solches Filetstück unbebaut vor sich hindümpelt. Brach lag das Grundstück jetzt immerhin seit Mitte der 1990er Jahre. Die Firma Herose als damalige Eigentümerin verkaufte es, da sie ihren Sitz ins Oldesloer Gewerbegebiet Süd-Ost verlagert hatte. Anschließend ging es durch mehrere Hände – ohne sichtbare Veränderung.

Freier und zugleich bezahlbarer Wohnraum ist in der Kreisstadt schon seit Jahren Mangelware. Zum Glück nehmen sich Investoren dieses Problems jetzt verstärkt an. An der Ratzeburger Straße entstehen derzeit neue Mietwohnungen, die durchaus erschwinglich sind.

Bis die beiden Investoren Philipp Koplin und Florian Loewenau auf den Plan traten. Die beiden in Meddewade ansässigen Geschäftsleute bilden eine Grundstücksgenossenschaft und erwarben das Gelände im Jahr 2015. Gemeinsam mit ihrem Hausarchitekt Sven Buck und Partner aus Neustadt-Glewe entwickelten sie ein kleines Wohnquartier an der B 208, das aus zwei Miethäusern besteht, die in zwei Bauabschnitten errichtet werden sollen. „Es hat schon seine Zeit gedauert, bis die Pläne fertig und genehmigt waren“, berichtet Loewenau. Der erste Block mit 16 zwischen 50 und 75 Quadratmeter großen Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen wachse schon kräftig und werde aller Voraussicht nach im Juli/August fertiggestellt. „Dann fangen wir mit dem großen Bruder an. Darin wird es 34 Wohnungen geben“, fügt er lachend hinzu.

Das Besondere daran ist, dass mit diesen Neubauten erstmals wieder der Bestand an Sozialwohnungen in der Kreisstadt aufgestockt wird. Dafür haben die Stadtverordneten mit ihrem Beschluss gesorgt, dass bei Neuvorhaben 30 Prozent des Wohnraums zu vergünstigten Konditionen vermietet werden muss. Die Zahl der bereits bestehenden öffentlich geförderten Wohnungen in Bad Oldesloe schrumpft nämlich nach Erhebungen des Mietervereins Lübeck bis zum Jahr 2020 auf nur noch 440. Dafür ist ein 2014 verabschiedetes Gesetz verantwortlich, das die Bindungsfrist für ältere geförderte Wohnungen nach und nach aufhebt.

Laut Loewenau entstehen also im ersten Bauabschnitt 14 und im zweiten Bauabschnitt zwölf Sozialwohnungen, die durch spezielle Darlehnskonditionen seitens der Investitionsbank des Landes Schleswig-Holstein günstig vermietet werden können. „Wir vergeben sie an Leute mit einem Wohnberechtigungsschein. Das können genauso gut allein erziehende Mütter sein wie Familien, die dringend Platz für sich und ihre Kinder brauchen“, erzählt Loewenau. Neben dem Einkommen seien eben diese Kriterien maßgeblich bei der Vergabe der Sozialwohnungen.

Die Kaltmiete für die Wohnungen im ersten Haus liegt den Angaben der beiden Investoren zufolge zwischen 5,65 und 5,95 Euro. „Für diese Toplage an der Ratzeburger Straße ist das schon beachtlich“, sagt auch Philipp Koplin. Der Standort in unmittelbarer Nähe zum Oldesloer Bahnhof, der es Pendlern ermögliche, das Auto komplett stehen zu lassen, und die gute Einkaufssituation mit den Discountern Netto und neuerdings auch Kaufland vor der Tür sei sehr begehrt.

Doch Loewenau und Koplin haben noch ein weiteres Pfund, mit dem sie wuchern können: Bei den beiden Gebäuden handelt es sich um so genannte KFW-40-Häuser, die sich durch eine sehr hohe Energieeffizienz auszeichnen. Dies resultiert daraus, dass die Blocks an das Fernwärmenetz der Stadtwerke angeschlossen werden, das aus der Pölitzer Biogasanlage gespeist wird.

Im Zuge des zweiten Bauabschnitts soll zudem eine Tiefgarage auf dem Gelände entstehen mit 24 Stellplätzen. Und damit sich der Nachwuchs im neuen Heim wohlfühlt, wird es auch einen Spielplatz geben. Im Jahr 2020 soll das Gesamtprojekt fertig sein.

Weitere Bauprojekte sind derzeit in Arbeit

Auf den Schreibtischen der Oldesloer Bauverwaltung liegen derzeit etliche weitere Vorhaben, die es zu bearbeiten gilt. Um die Bauleitplanungen in eine sinnvolle Reihenfolge zu bringen, wurde jetzt eine Prioritätenliste festgelegt.

Als wichtigste städtisch bearbeitete B-Pläne wurden im jüngsten Bauausschuss das Wohngebiet Eichenkamp, die Waldorf-Kita sowie der Realisierungswettbewerb Kirchberg eingestuft.

Währenddessen entspann sich die Debatte, ob nicht das Wohnungsbauvorhaben Berliner Ring dringlicher als der Eichenkamp anzusehen sei, weil dort 60 bis 100 und somit erheblich mehr Mietwohnungen geschaffen werden. 30 Prozent davon stellten zudem akut benötigte Sozialwohnungen dar. Wie die Verwaltung erklärte, liegt die Verantwortung für die Planung des Projekts Berliner Ring ausschließlich in den Händen des Investors. Demnach könne alles nur so schnell bearbeitet werden, wie der Herr des Verfahrens selbst vorankomme. Derzeit sei es an ihm, per Gutachten nachzuweisen, wie das B-Plan-Gebiet 101 erschlossen werden soll. Der anwesende Investor versicherte, die geforderten Unterlagen seien in Arbeit. Er appellierte wie Vertreter der Politik, sein Vorhaben bevorzugt zu behandeln.

Einstimmig wurde letztlich der Beschluss gefasst, dass sowohl das Gebiet Berliner Ring als auch der Neubau der Waldorf-Kita eine hohe Priorität genießen sollen.

Ein weiteres Wohngebiet mit 30 bis 45 Einzel-, Doppel- und Kettenhäusern soll in Rethwischfeld entstehen und zwar auf der bis dato landwirtschaftlich genutzten Fläche entlang der Alten Ratzeburger Landstraße und Ziegeleiweg. Mit der Planung hatte ein Investor 2016 begonnen. Da die Grundstücke schon im Flächennutzungsplan für den Wohnbau ausgewiesen wurden, rechnet die Verwaltung mit einem schnellen Ablauf des Verfahrens. Das Projekt genießt daher Priorität 1.

 Dorothea von Dahlen

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