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In Bargfeld-Stegen kommt jeder zu Wort

Bargfeld-Stegen In Bargfeld-Stegen kommt jeder zu Wort

In dem 3000-Einwohner-Ort herrscht eine große Gemeinschaft: Großen Anteil daran hat der Verein „Familientreff“. In ihm haben sich Familien aus dem Ort zusammengefunden, die gemeinsam Programm und Aktivitäten entwickeln, von denen alle im Ort etwas haben.

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Der alte Dorfanger ist der Mittelpunkt des Dorfs. Hier wachsen teilweise über 100 Jahre alte Bäume.

Quelle: Fotos: Albrod

Bargfeld-Stegen. Vor dem Sitz der Gemeinde in Bargfeld-Stegen liegen glitzernde Herzchen im Hof: Sie sind bei der jüngsten Hochzeit geworfen worden. Getraut hat das Paar Andreas Gerckens, Bürgermeister von Bargfeld-Stegen. „Ich bin seit 2011 ehrenamtlicher Standesbeamter“, erklärt Gerckens. Als man ihn fragte, ob er das Amt übernehmen wolle, hat auch er Ja gesagt und traut nun gelegentlich Bürger aus dem Ort im Gemeindehaus. „Die meisten kenne ich schon sehr lange“, sagt Gerckens.

LN-Bild

Parteizugehörigkeit spielt in der Gemeindevertretung keine große Rolle.

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So geht es vielen der knapp 3000 Einwohner. Das liegt zum einen an der Größe des Ortes, zum anderen daran, dass in Bargfeld-Stegen eine ungewöhnlich enge Gemeinschaft herrscht. Großen Anteil daran hat der Verein „Familientreff“. In ihm haben sich Familien aus dem Ort zusammengefunden, die gemeinsam Programm und Aktivitäten entwickeln, von denen alle im Ort etwas haben. Ob „White Dinner“, Storchenfest, Eltern-Kind-Gruppe, Flohmarkt, Weiterbildungsangebote oder das Bandfestival, das immer mehr Gäste und Musiker anzieht – das trägt die Handschrift der engagierten Vereinsmitglieder. „Das Dorf ist sehr aktiv“, betont Gerckens, der auch das Vogelschießen, die Angebote der Kirche, das Grillfest und andere Aktivitäten der Feuerwehr und den Sportverein als treibende Kräfte für Gemeinsamkeit nennt.

Seit 2008 ist der CDU-Mann Bürgermeister – neben seiner Partei sitzen SPD, FDP und Wählergemeinschaft mit in der Gemeindevertretung. Doch die Parteizugehörigkeit spielt in Bargfeld-Stegen keine große Rolle. „Wir regieren alle zusammen“, betont Gerckens, „auf dem Dorf muss es Kompromisse geben. Jeder nimmt jeden Ernst, dadurch haben wir eine schöne politische Arbeit mit einer einheitlichen Linie.“

Auch die Bürger dürfen mitreden: Für die Neuplanung der Ortsmitte lud die Gemeinde alle Einwohner zur Ideenwerkstatt ein. Geprägt wird das Ortsbild durch den alten Dorfanger, den das Dorf zu verteidigen wusste. „In den 70er Jahren sollte der Anger von einer Straße geteilt werden“, so Gerckens, „das konnte verhindert werden.“ Über 100 Jahre alte Bäume beschatten die Grünanlage, die charakteristisch für den Ort ist und viel Platz zum Feiern bietet.

Allerdings, schränkt Gerckens ein, brauchten die Bäume auch viel Pflege, und auch Nachpflanzungen seien nötig. Das kostet Geld, das die Gemeinde nicht hat. „Der Haushalt ist eine Katastrophe“, bringt Gerckens es auf den Punkt, „wir sind immer kurz vor der Haushaltssperre.“ Die Kosten für die Kinderbetreuung sind enorm – mit Kindergarten und Grundschule ist die Infrastruktur für Familien gegeben, aber das verschlingt Geld. „Wir haben kaum freie Finanzmittel zum Gestalten“, bedauert Gerckens. Gerade sind 25 Krippenplätze neu geschaffen worden.

Bei den Investitionen sieht es gut aus. „Wir sind überall auf dem neuesten Stand“, freut sich der Bürgermeister. „Unser Bauhof ist neu, eine neue Feuerwache wird gerade gebaut, die Grundschule wurde aufgestockt, eine Kita erweitert, und das Haus der Vereine wurde saniert.“ Zuschüsse und Grundstücksverkäufe machen das finanzierbar. Denn Bargfeld-Stegen ist als Wohnort attraktiv. „Wir müssen und wollen bauen“, erklärt Gerckens, „wir haben Geschäfte, die Schule und zwei Kitas im Ort, die Systeme müssen gefüttert werden. Bargfeld-Stegen soll kontinuierlich wachsen.“ Gerade entsteht das Baugebiet Reimerskoppel mit 29 Grundstücken, weitere 30 Baugrundstücke sind geplant. „Wir bekommen wöchentlich Anfragen von Menschen, die hierher ziehen möchten.“ Dem stehe die Vorgabe entgegen, dass Bargfeld-Stegen als Achsenzwischenraum-Gemeinde nur für den eigenen Bedarf wachsen solle. „Aber wir liegen in der Metropolregion Hamburg“, gibt Gerckens zu bedenken.

Da in einem besonders grünen Eck. „Wir haben hauptsächlich Kleingewerbe“, so Gerckens, „die Autobahn ist weit weg.“ Durch ein Wanderwegenetz, den nahen Barockpark in Jersbek und die Ruhe biete Bargfeld-Stegen attraktive Naherholung. Die Geschichte hat in Bargfeld-Stegen ihre Spuren hinterlassen, auch die jüngste: „Peter Harry Carstensen hat mal zwei Wochen hier gewohnt.“

Gerontogarten: Das Glück im Grünen

„Hospitaldorf“ – unter diesem Schlagwort wurde in den 1960er Jahren mit dem Beginn des Baus des Heinrich-Sengelmann-Krankenhauses in Bargfeld-Stegen begonnen. Die Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik bietet ihren Patienten nicht nur fachliche Betreuung und Therapie, sondern auch einen geschützten Raum, in dem Krankheiten wie Depression, Angststörungen, Psychosen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Demenz behandelt werden. Von den vielen unterschiedlichen Gebieten innerhalb des Klinikgeländes – ein Dorf mit eigener Kapelle, Schwimmbad und Veranstaltungssaal – sticht besonders der Garten für die Sinne heraus.

Der Gerontogarten liegt hinter der Station für Gerontopsychiatrie. Die Gartenanlage bietet den Patienten einen Raum, in dem sie sich selbstständig und dennoch sicher bewegen können. Auf 3000 Quadratmetern Fläche grünt und blüht es, kleine Lauben laden zum Sitzen, der Blick geht ins Grüne, und ein idyllischer Weg zieht sich rund um das Gelände. „Der Rundweg ist dazu da, dass Demenzpatienten mit Bewegungsdrang ihre motorische Unruhe ablaufen können“, erläutert der leitende Oberarzt Dr. Tibor Simonsen. „Es ist ein Weg ohne Ausgang, den Demenzpatienten immer wieder neu erleben und auf dem sie ihre Energie ablaufen. Das wirkt therapeutisch.“ Auch ansonsten ist der Garten auf die besonderen Bedürfnisse der Patienten abgestimmt. „Wir haben viele alte Blumensorten gepflanzt, die die Patienten aus ihrer Jugend kennen“, zeigt Stationsleiterin Bärbel Dabelstein auf Margeriten und Rosen. „Dazu gibt es ein Hochbeet mit Küchenkräutern, das auch vom Rollstuhl aus bearbeitet werden kann. Die Kräuter verarbeiten wir in der Küche.“

Auch Äpfel und Pflaumen von der Streuobstwiese, Tomaten, Beeren, Gurken oder Quitten kommen aus eigener Herstellung auf den Tisch. „Der Garten spricht die Sinne an“, so Dr. Simonsen. „Viele Handlungen bleiben wie Fahrradfahren automatisch im Gedächtnis. Dazu gehört auch die Gartenarbeit. Demente Menschen sind kognitiv oft nicht mehr zu erreichen, aber über die Sensorik. Das verschafft ihnen Glücksgefühle.“ Sehen, hören, schmecken, fühlen – nur der Geruchssinn funktioniert nicht mehr, eines der Symptome für Demenz. „Alle anderen Sinne können im Gerontogarten gezielt bedient werden“, sagt der Arzt.

Der Garten ist vor sieben Jahren mit viel Eigenleistung und Spenden angelegt worden. „Die Mitarbeiter haben gegraben und gepflanzt, ein Insektenhotel wurde aufgebaut, und Nachbarn haben uns aus ihren Bauerngärten Pflanzen gebracht“, erzählt Bärbel Dabelstein. „Derzeit sammeln wir Spenden, um auch noch einen Brunnen bauen zu können.“ Grillfeste finden im Freien statt, und der Garten ist von sechs bis 23 Uhr geöffnet. „Von den Patienten wird er sehr gut angenommen“, hat die Stationsleiterin beobachtet. „Unser Garten hat bereits Schule gemacht und stand Modell für das Tobias-Haus in Ahrensburg.“

Mit Tag der offenen Tür und Tag der offenen Gärten öffnet sich das Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus regelmäßig nach außen. Zudem können Kinder aus Bargfeld-Stegen in der Schwimmhalle Schwimmen lernen.

Am 17. September ist Tag der offenen Tür, dann kann man sich von 11 bis 17 Uhr einen Eindruck von der Einrichtung verschaffen.

Chronik

1195 Erste urkundliche Erwähnung Bargfeld-Stegens 1348 wird die Raubritterburg Burg Stegen zerstört 1526 bis 1529 wurde mit dem Alster-Beste-Kanal der erste schiffbare Kanal zwischen Stegen und Sülfeld gebaut 1872 wird Stegen aus dem Gut Stegen ausgegliedert 1889 kommen Bargfeld und Stegen zum Amtsbezirk Jersbek 1928 Zusammenschluss von Bargfeld und Stegen zu einer eigenen Gemeinde Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt Bargfeld-Stegen zum Amt Bargteheide-Land 1978 wird der Ort Hartwigsahl eingemeindet

Bettina Albrod

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