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Stormarn In Meddewade gehören Senioren noch lange nicht zum alten Eisen
Lokales Stormarn In Meddewade gehören Senioren noch lange nicht zum alten Eisen
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18:24 09.04.2016
Bingo! Babette Kutte (v. l.), Margot Künstle-Rutsch, Christa Feddern (78) und Bruno Jack haben richtig viel Spaß. Quelle: Fotos: Verena Bosslet/archiv
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Meddewade

„Bingo!“: Es dauert nicht lange und Erika Flöter beendet die erste Runde des Zahlenspiels mit ihrem lauten Ausruf. „Das gibt es doch gar nicht. Wir haben doch gerade erst angefangen“, raunen ihre Mitspieler in der Alten Schule in Meddewade verblüfft. Der Club 60plus hat sich versammelt — zu seinem beliebten Klön- und Kaffeenachmittag mit dem noch beliebteren Bingospiel. Die 71-Jährige gewinnt nicht zum ersten Mal. „Dabei bin ich noch ganz neu hier, von einer Freundin mitgeschleppt“, sagt die Oldesloerin lachend.

„Viele, die in Stormarn leben, haben eine höhere Bildung und gehören zu den Einkommensstärkeren.“Hubert Priemel, Kreisvorsitzender der SU

Die Meddewader Senioren im Club 60plus treffen sich jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat um 15 Uhr in der Alten Schule, Alte Dorfstraße. Nächstes Treffen: 20. April.

Erika Flöter ist eine der Jüngsten an diesem Nachmittag. Bis 88 Jahre geht die Altersspanne hinauf. Überwiegend Frauen kommen zu den regelmäßigen Treffen am ersten und dritten Mittwoch im Monat, diesmal sind unter den 15 Teilnehmern auch vier rüstige Männer. Sie alle spiegeln eine Studie des Max-Planck-Instituts in Rostock wider: Die Lebenserwartung in Deutschland steigt weiter, und gerade die Menschen im ländlichen Raum werden immer älter. Für Frauen in Ostholstein ist die Lebenserwartung mit 83,3 Jahren in Schleswig-Holstein am höchsten. Frauen in Stormarn folgen gleich danach.

Männer werden in Stormarn gar am ältesten (79,4 Jahre). Woran liegt es?

Hubert Priemel, Kreisvorsitzender der Senioren-Union (SU), hat die Studie interessiert zur Kenntnis genommen. „Ich denke, das liegt an der besonderen Lage Stormarns im sogenannten Speckgürtel von Hamburg“, sagt der 79-Jährige. Dort gebe es zum einen eine recht große Ärztedichte. „Das ist natürlich von Vorteil. Man ist schneller beim Arzt“, sagt der Ahrensburger, der den größten Kreisverband der Senioren Union Deutschlands seit Jahren leitet. Und: „Viele, die in Stormarn leben, haben eine höhere Bildung und gehören zu den Einkommensstärkeren.“ Dass das Einkommen ein wesentlicher Faktor bei der Lebenserwartung ist, bestätigt eine Auswertung der Deutschen Rentenversicherung. Demnach steigt die Lebenserwartung von Rentnern, je mehr Entgeltpunkte sie in ihrem Berufsleben sammeln konnten. Auch das Robert-Koch-Institut weist darauf hin, dass es durchaus eine Verbindung von sozialem Status, Gesundheit und Lebenserwartung gibt.

Beim Club 60plus spielt das alles keine Rolle. Hier treffen sich einfach die Senioren des Ortes — herzlich willkommen sind auch Externe —, um einen schönen Nachmittag zu verbringen. „Wir fühlen uns wohl, wir kommen raus, und es macht Spaß“, sagt etwa Lydia Caro (88). Seit fast zwei Jahrzehnten gibt es den Club. Er wurde von Berthold Knaack ins Leben gerufen und wird heute noch von ihm geführt.

Ist er im Urlaub, übernimmt Margot Künstle-Rutsch die Leitung. Die Gemeinschaft unternimmt Tagesfahrten, veranstaltet ein Weihnachtsessen, tauscht sich aus, spielt. „Früher, als wir noch im Feuerwehrhaus waren, kamen um die 30 Leute. Es sind schon deutlich weniger geworden“, sagt die 79-Jährige. „Uns fehlt ein wenig der Nachwuchs“, fügt sie lachend hinzu. Dabei mangelt es wahrlich nicht an Senioren in Meddewade. „Viele sind bequem geworden und wollen lieber für sich sein“, hat Margot Künstle-Rutsch beobachtet.

Alt zu werden, ist heute nicht mehr so schwer. „Die ärztliche Versorgung ist doch viel besser geworden“, sagt Babette Kutte (77). „Wir fahren alle noch Auto“, meint Marianne Wallbaum (75). „Das gibt uns viel länger ein Stück Freiheit und Lebensqualität.“ Bruno Jack hält nicht nur der Club 60plus fit. „Ich habe acht Enkel und drei Urenkel“, sagt der 87-Jährige frohgelaunt. „Was denken Sie, was da manchmal los ist.“

Walter Stiem indes hat seine ganz eigene Theorie zum Altern. „Die Luft ist gesünder auf dem Land“, sagt der 87-Jährige, der stets mit seiner Elfriede (83) in die Alte Schule kommt. Und nachdenklich fügt er hinzu: „Man muss mit sich zufrieden und ausgeglichen sein. Man muss gut schlafen können. Das können meine Frau und ich. Und wenn man es geschafft hat, sorgenfrei zu leben, dann wird man auch alt.“

Von Verena Bosslet

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