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In Stormarn wächst der Wald von morgen

Großhansdorf In Stormarn wächst der Wald von morgen

Im Park des Thünen-Instituts für Forstgenetik steht eine gewaltige Linde - auf den 22 Hektar rund um den Baum wird geforscht. Wird es den Baum angesichts des Klimawandels im Wald der Zukunft noch geben?

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Auf Versuchsflächen säen die Wissenschaftler unterschiedliche Bäume aus.

Quelle: Fotos: Bettina Albrod / Grafik: Fotolia

Großhansdorf. Im Park des Thünen-Instituts für Forstgenetik in Großhansdorf steht eine gewaltige Linde. Für die rund 45 Besucher, die auf Einladung der Senioren Union Großhansdorf gekommen waren, um sich über die Arbeit der Bundesforschungsanstalt zu informieren, ist sie ein Baum. Für Dr. Georg von Wühlisch, Wissenschaftler am Institut, wächst dort ein Forschungsobjekt.

LN-Bild

In Großhansdorf haben Holzdetektive einmal einen Mordfall aufgeklärt – ansonsten wird im Thünen-Institut auf 22 Hektar rund um den Baum geforscht.

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Wird es den Baum angesichts des Klimawandels im Wald der Zukunft noch geben? Welches Holz eignet sich besonders gut als nachwachsender Rohstoff? Welche Gene sind dafür verantwortlich, dass sich einige Exemplare dem Eschensterben oder dem Borkenkäfer widersetzen? Wie schnell bilden sich genetisch erzeugte Mutationen zurück? Die Erkenntnisse der Bundesforschungsanstalt dienen als Grundlage für Gesetze und Leitlinien der Politik und prägen damit die gesellschaftliche Entwicklung. Dazu kommt die genetische Bestimmung von Holz im „Thünen Kompetenzzentrum Holzherkünfte“ in Großhansdorf, um zu klären, ob es sich um illegal geschlagene Holzarten handelt.

Mit von Wühlisch steht der Gruppe also auch ein Holzdetektiv gegenüber, der schon manch illegalen Holzschlag aufgedeckt hat. „Wir haben im Kompetenzzentrum eine Musterbank mit der DNA von Holzarten angelegt und nutzen den genetischen Fingerabdruck der Bäume“, erklärt er. Seit März 2013 verbietet eine Verordnung der EU den Handel mit illegal geschlagenem Holz. „Wenn im Hamburger Hafen ein Container voller Holz ankommt und der Zoll den Verdacht hat, dass es illegal geschlagen sein könnte, untersuchen wir einige Holzproben auf ihre DNA und können dadurch gerichtsfest nachweisen, wo das Holz herkommt“, sagt von Wühlisch. Spektakulär war ein Mordfall, der anhand eines Eichenblattes, das an der Leiche klebte, aufgeklärt werden konnte, weil das Blatt einem bestimmten Baum sicher zugeordnet werden konnte. Ein anderer Fall war das vermeintliche Bett von Henry VIII; ein Eichenbett, bei dem nachgewiesen werden konnte, dass es sich um eine Fälschung handelt. „Wir haben die Musterbank mittlerweile für viele Holzarten ausgebaut und erweitern sie fortwährend. Wir und sind weltweit vernetzt, um beispielsweise Artenschutzprojekte zu unterstützen.“

Von Wühlisch nimmt die Besucher mit auf einen Rundgang durch das Arboretum, einen 22 Hektar großen Park voller exotischer und heimischer Bäume, den 1908 der Hamburger Reeder George Henry Lütgens angelegt hat. Hier wachsen heimische Baum- und Nadelhölzer sowie Exoten aus Asien und Amerika nicht nur im Park, sondern auch auf den Versuchsfeldern. Erforscht wird unter anderem, ob der Klimawandel einen Umbau der Wälder erfordert. „Wir sehen uns südliche Baumarten an, um zu sehen, was nach der Klimaänderung bei uns wächst“, gibt von Wühlisch ein Beispiel seiner Arbeit. Zu der gehört auch die gentechnische Veränderung von Pflanzen: „Harmlose Versuche, um das Risiko der Gen-Technik abschätzen zu können.“ So gab es einen Freisetzungsversuch, bei dem Bäumen das Gen für Zwergwuchs eingepflanzt wurde. Doch nicht alle waren klein zu halten. „Etwa drei Prozent der Bäume sind pro Jahr wieder rückmutiert.“

Auf einem Versuchsfeld wachsen grüne Zuckerhüte, und anhand einzelner großer Exemplare, die aus der Reihe tanzen, kann von Wühlisch die Rückmutation zeigen. „Das Material für unsere Versuchsflächen – rund 400 Hektar sind es bundesweit – wird hier angezogen“, erläutert der Forscher. „Wir züchten um der Erkenntnis willen und wollen daraus für künftige Gesetze lernen.“ Und für die Energieversorgung der Zukunft. „Holz ist der klassische nachwachsende Rohstoff“, sagt von Wühlisch. „Es verwertet CO2, und alles, was man aus Kohle machen kann, geht auch aus Holz, sogar Kunststoffe.“ Weiter geht es, erst vorbei an einem Küstenmammutbaum, der aus einem Zweig gezüchtet wurde, dann an einem anderen Mammutbaum, der noch einige gleichaltrige Kumpel im Bereich des Großhansdorfer Wasserwerks hat, als dort in den 60er Jahren ein Feldversuch gepflanzt wurde. Die Blutbuche ist nicht mehr ganz so rot, weil sie die Anthocyane nur bei starker UV-Strahlung in April und Mai bildet, Nussbäume streuen Substanzen, um unerwünschte Nachbarn fernzuhalten, der Zuckerahorn zeigt sein Blatt auf der kanadischen Flagge, von der Rotbuche im Park wächst ein Ableger in Berlin, ein Gingko steht da, Sicheltannen, und der höchste Baum in Deutschland ist die Douglasie.

Jetzt ist die Gruppe wieder bei der Linde. „Es handelt sich um einen Hybrid, der sich selber nicht fortpflanzen kann“, erläutert von Wühlisch, „die Samen sind leer.“ Gebildet hat sich der gewaltige Baum mal aus der Vereinigung von Winter- und Sommerlinde. Die Forscher wissen das, denn auch dieser Baum ist wissenschaftlich untersucht.

Ein Institut für die Holzforschung

2008 wurde das Johann Heinrich von Thünen-Institut als Bundesforschungsinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz aus drei Bundesforschungsanstalten gegründet. Sein Hauptsitz ist in Braunschweig. Das Institut für Forstgenetik hat seinen Standort in Großhansdorf und in Waldsieversdorf in Brandenburg. In beiden zusammen werden rund 80 Mitarbeiter beschäftigt.

Namhafte Forst- und Holzwissenschaftler sammelten sich nach Kriegsende in Hamburg, wo seit 1939 in Reinbek das Reichsinstitut für ausländische und koloniale Forstwirtschaft existiert hatte. Damit war die Grundlage für die „Zentralanstalt für Forst- und Holzwirtschaft“ gegeben, die im Mai 1950 vom Bund übernommen und ein Jahr später in „Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft“ umbenannt wurde.

Dessen Aufgabe war es, wissenschaftliche Grundlagen und Erkenntnisse zu erarbeiten, die von der Bundesregierung für ihre politischen Entscheidungen benötigt werden.

 Bettina Albrod

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