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Individualisierte Therapie für Patienten

Bad Segeberg/Bad Oldesloe Individualisierte Therapie für Patienten

Das Hüftgelenk kommt künftig aus dem 3-D-Drucker — die Sammlung von Daten führt zum gläsernen Kranken.

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Die Krankenschwester Melanie Linow gibt die Patientendaten von Hans-Joachim Postrach in die Vitalwertmessstation im Krankenhaus in Reinbek ein. Kollege Computer entlastet dort bereits jetzt das Personal.

Quelle: Olaf Malzahn

Bad Segeberg/Bad Oldesloe. Die Japaner sind uns weit voraus: Dort rollt schon Hospi durch die Krankenhausflure. Der kleine Pflegeroboter erledigt als Laufbursche auf Rädern Botengänge und entlastet das Pflegepersonal. Selbst pflegen kann und soll Hospi nicht. „Das kann ich mir auch nicht vorstellen, dass Roboter im Jahre 2030 die Pflege übernehmen“, blickt die stellvertretende Pflegedirektorin des St.-Adolf-Stiftes in Reinbek, Angela Ahrens in die Zukunft ihres Krankenhauses. „Empathie lässt sich nicht ersetzen, Menschlichkeit lässt sich nicht ersetzen.“

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Das Hüftgelenk kommt künftig aus dem 3-D-Drucker — die Sammlung von Daten führt zum gläsernen Kranken.

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2030

Heilungschancen steigen

Wie entwickelt sich das Leben im Kreis Stormarn in den nächsten Jahren? Dieser Frage geht die LN-Serie nach, die alle 14 Tage sonntags erscheint. Haben Sie Erfahrungen mit Vitalwertmessstation, beraten Sie sich mit Ihrem Arzt via PC oder sind einem Monitoring-System angeschlossen?

Schreiben Sie uns eine E-Mail an redaktion.stormarn@ln-luebeck.de

Gleichwohl werde sich die Pflege in der Zukunft stark verändern. „Wir werden Schwierigkeiten haben, alle Pflegestellen zu besetzen“, erklärt Ahrens. Das sei bereits heute schon nicht mehr so einfach.

Mit neuen Konzepten würde das Krankenhaus bereits darauf reagieren. Seit diesem Monat arbeitet das Krankenhaus mit zwei Pools, aus denen sowohl Krankenschwestern als auch Pfleger entweder als Springer oder als Wiedereinstiegskräfte auf den unterschiedlichen Stationen eingesetzt werden. „Wir werden künftig auch unterschiedliche Qualifizierungen in den Pflegeberufen haben“, sagt Ahrens voraus. Aber „meine Vision ist, es wird immer eine gute Pflege geben. Gerade auch in diesem Krankenhaus. Denn die Marke Pflege spielt immer eine große Rolle und hat einen großen Wert für die Patienten.“ Und natürlich macht die Digitalisierung nicht vor den Pflegeberufen halt. „Das Papier wird verschwinden, wir werden eine rein elektronische Dokumentation haben.“

Und eine automatisierte Medikamentenausgabe. Das erklärt Prof. Dr. Tim Strate, Chefarzt der Chirurgie. „Das wird heute noch händisch gemacht, aber wenn es umgestellt wird, haben die Menschen mehr Zeit für ihre Kernkompetenzen.“ Strate geht davon aus, „dass die Logistik im Krankenhaus im positiven Sinne industrialisiert wird“. Und die Mitarbeiter mehr Zeit für die Menschen haben. Er setzt immer auf das direkte Gespräch zwischen Arzt und Patient. „Ein Pfarrer wird auch nicht durch einen Computer ersetzt, das geht in der Medizin auch nicht.“

Außerhalb des Krankenhauses wird die Zukunft anders aussehen. Möglich macht dies beispielsweise die Lübecker Firma Patientus. Christo Stoyanov und Jonathan von Gratkowski, die gerade den LN-Existenzgründerpreis gewonnen haben, setzen auf die Sprechstunde am PC oder Laptop. Patienten können — ohne zusätzlich Programme auf ihrem Computer zu installieren — mit einer Webcam jederzeit die Videokonferenz mit ihren Arzt starten.

Was zur Frage führt, gibt es in 2030 auch die Operation per PC? Der Patient im OP-Saal, aber der Chirurg am anderem Ende der Welt an seinem Laptop? „Technisch ist es heute schon möglich, so eine Operation durchzuführen“, erklärt Strate und verweist auf Entwicklungen aus dem Militärbereich. „Aber die Frage ist doch, ist es sinnvoll, und wie hoch ist der Aufwand.“ Er liebäugelt mit der weiteren Entwicklung im minimalinvasiven Bereich: noch kleinere Löcher und große, lange Instrumente. Aus dem 3-D-Drucker vor Ort? Auch das. Strate spricht von individualisierter Therapie für die Patienten mit speziell angepassten Hüftgelenken. Schon jetzt wird bei Lübecker Gefäßspezialisten im Rahmen des 3-D-Rapid-Prototyping eine Aorta gedruckt.

„Wir werden aber auch individualisierte Risikoprofile machen können“, erklärt er. Das Risiko ausloten, an Darmkrebs oder anderen Krankheiten zu erkranken. Mit der umstrittenen Folge zu überlegen, ob sich eine OP lohnt oder nicht. Was letztlich zum „gläsernen Patienten führt. Alle Daten werden transparent sein, und es wird gut sein, dass es so ist.“ Dazu gehören auch Monitoring-Systeme, die kontinuierlich Daten von chronisch kranken Patienten an betreuende Pfleger und Ärzte übertragen.

Prof. Dr. Stefan Jäckle, Chef der Inneren Medizin im St.-Adolf-Stift, geht davon aus, dass in Zukunft mehr Menschen geheilt werden können. „Schon jetzt gibt es deutliche Fortschritte.“ Die Fachdisziplinen werden sich enger vernetzen, die Trennung zwischen ambulant und stationär „wird sich aufweichen“. Aber „es wird alles teurer werden. Auch hier muss genau geschaut werden, was ist sinnvoll und was nicht“. Eine Frage der Wertigkeit: Lohnt sich eine OP, wenn es darum geht, das Leben um einen Monat zu verlängern?. „Die gesellschaftliche Diskussion darüber werden wir 2030 gehabt haben“, erklärt Prof. Jäckle. Dann werden wir auch sehen, ob der Roboter Hospi den Weg von Japan nach Deutschland gefunden hat.

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372 Ärzte arbeiten zurzeit noch im Kreis Stormarn

372Ärzte und Ärztinnen gibt es derzeit im Kreis Stormarn. Der Anteil der Hausärzte ist mit 160 am höchsten. Es folgen mit 52 Frauen und Männern die Psychotherapeuten, 30 Frauenärzte, 23 Internisten, und 16 Kinderärzte haben sich angesiedelt. 14 Orthopäden, 14 Augenärzte, 12 Anästhesisten, elf Nervenärzte, zehn Hals-, Nasen-und Ohrenärzte sowie acht Hautärzte und sieben Chirurgen sind gerade im Kreis aktiv. Radiologen (fünf) und Kinder- und Jugendpsychiater (drei) sind am wenigsten im Kreis vertreten. Nicht alle aufgezählten Mediziner sind selbstständig, viele sind auch in Praxen angestellt.

55,3 ist das Durchschnittsalter allein bei den Hausärzten zurzeit. Die Chirurgen und Nervenärzte sind im Schnitt noch älter. Sie, so die entsprechenden Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein, sind 57,4 und 59,5 Jahre alt. Bis auf die Radiologen ist kein Mediziner im Schnitt jünger als 50 Jahre alt. Im Jahr 2030 werden sie 64 Jahre alt sein, die Chirurgen und Nervenärzte über 70. Ob sie dann noch praktizieren ist unklar. Es gibt seit dem 1. Januar 2009 keine Altersgrenze mehr, die eingehalten werden muss.

Die hatte die Bundesregierung im Jahr zuvor abgeschafft.

Unterversorgung droht

Noch gibt es keinen akuten Ärztemangel im Kreis Stormarn, versichert der Pressesprecher der Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), Marco Dethlefsen.

„Mit wenigen Ausnahmen liegen die Versorgungsgrade sowohl bei den Haus- als auch bei den Fachärzten bei mehr als 110 Prozent. Allerdings müssen wir landesweit im Blick haben, wie die Situation in ein paar Jahren aussehen wird. Derzeit ist jeder dritte Hausarzt in Schleswig-Holstein 60 Jahre oder älter. Das heißt, rund 650 Hausärzte werden in den kommenden Jahren altersbedingt in den Ruhestand gehen und zwar voraussichtlich innerhalb eines relativ kleinen Zeitraums. Noch schaffen wir es, jeden frei werdenden Arztsitz nachzubesetzen. Das wird allerdings, wenn in den nächsten Jahren 650 Hausärzte in den Ruhestand gehen, kaum noch möglich sein.“

Um Versorgungslücken frühzeitig zu erkennen, werde die KVSH künftig jährlich die Versorgungsgrade im hausärztlichen Bereich überprüfen und deren Entwicklung der nächsten Jahre unter Berücksichtigung des Alters der Hausärzte simulieren. „Sollte sich dabei in einer Region eine drohende Unterversorgung abzeichnen, werden wir unter Beteiligung des Landesausschusses, das heißt der Krankenkassen, konkrete Gegenmaßnahmen einleiten. Denkbar wäre, Ärzten einen Sicherstellungszuschlag zu zahlen, wenn sie eine Praxis übernehmen“, so Dethlefsen.

Von K. Kuhlmann-Schultz

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