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Stormarn Insektenhotel will jetzt seine Betten frisch beziehen
Lokales Stormarn Insektenhotel will jetzt seine Betten frisch beziehen
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23:32 06.11.2013
Im Frühjahr wird Eike Hilbert von der Naju mit jungen Leuten Zimmer für die Tiere einrichten. Quelle: Bosslet
Reinfeld

„Wo sind denn da die Insekten?“, fragt ein junger Schüler naseweis. Noch nicht da. Denn die Tiere werden erst im Frühjahr in ihr schickes, neues Hotel auf dem Gelände der Matthias-Claudius-Schule in Reinfeld einziehen. Der Rohbau des hölzernen Bauwerks wurde aber jetzt schon eingeweiht.

Zimmermannslehrlinge der Beruflichen Schulen in Ahrensburg hatten unter Anleitung von Ausbilder Claus Händel das Insektenhotel für den Naturschutzbund (Nabu) Reinfeld Nordstormarn in gewissenhafter Handwerksarbeit errichtet. Zimmerermeister Matthias Wulf aus Groß Schenkenberg half dabei, die Dachdeckerei Fleischfresser aus Bad Oldesloe spendete die Dachziegel, die Matthias-Claudius-Schule stellte Grund und Boden zur Verfügung, der Nabu trug die Materialkosten — so für die Eiche, die aus dem Lübecker Forst stammt und aus der der Zimmermannsnachwuchs robuste Balken und Streben fertigte.

„Nur so geht es“, sagt Eike Hilbert von der Reinfelder Naturschutzjugend (Naju). Im Frühjahr wird sie mit Kindern und Jugendlichen den neuen Bewohnern wie Wildbiene, Florfliege, Ohrwurm oder Maikäfer gemütliche Zimmer einrichten. „Dafür werden wir hohle Pflanzstengel, Zapfen, Schneckenhäuser oder mit Löchern versehenes Totholz sammeln und in das Hotel einfügen. Das dient den Tieren dann als Unterschlupf und Eiablagestätte“, erklärt Eike Hilbert. Gemeinsam mit den Schülern der Claudius-Schule wird sie das Insektenhotel betreuen, in den Schulalltag eingebunden wird es genauso wie die Wildblumenwiese in direkter Nachbarschaft zum Schulhof als „Naturerlebnis im Unterricht“.

Schulleiter Stefan Beeg freut sich über das, wie er sagt, Fünf-Sterne-Hotel für Insekten. „Wenn Sie später mal Kinder an dieser Schule haben sollten, können Sie ihnen sagen: Das hat Vaddern gebaut“, wendet er sich an die jungen Zimmermannslehrlinge. „Das Hotel ist aus Eiche. Das überlebt uns alle“, sagt er schmunzelnd. Claus Händel begutachtet mit Geschäftsführer Adelbert Fritz von der Kreishandwerkerschaft das Lehrstück seiner Schützlinge.

„Das haben sie gut gemacht“, sagt Zimmerermeister Händel zufrieden. Und wie es sich für gutes Handwerk gehört, wird das Bauwerk auch gerichtet. Maximilian Kaminsky (20, Reinbek)) und Thorben Beyersdorf (19, Trittau)) haben sich den Richtspruch aus Vorlagen zusammengeschrieben und passend für das Insektenhotel umgedichtet.

Und so wird mit Bionade auf das aus Holz geschaffene Hotel angestoßen, in dem „die Bienen Wohlbehagen finden sollen“.

Bienen sind sehr häufig zu Gast
Ein Insektenhaus ist eine künstlich geschaffene Nist- und Überwinterungshilfe für Insekten, die seit den 1990er Jahren vor allem bei naturnahen Gärtnern und in der Schulbiologie Verbreitung findet. Erste „Wildbienenkästen“ wurden von Privatleuten in England bereits im 19. Jahrhundert gebaut. Diese dienten damals vorwiegend Beobachtungszwecken, können aber als Vorläufer der heute für mehrere Insektengruppen geeigneten Insektenhotels gelten.

Insektenhotels tragen nicht dazu bei, Rote-Liste-Arten zu schützen und können daher nicht als direkter Artenschutz verstanden werden. Sie werden überwiegend von häufig vorkommenden Kulturfolgerbienen genutzt.

Verena Bosslet

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