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Stormarn Investor möbelt altes Möbelwerk auf
Lokales Stormarn Investor möbelt altes Möbelwerk auf
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18:10 30.06.2018
Arkadenfenster gliedern die zum Innenhof ausgerichtete Fassade des historischen Fabrikgebäudes. In dieser Kulisse sollen sich Oldtimerfreunde später bei Bier und Kaffee entspannen.
Bad Oldesloe

Neuer Hausherr des großflächigen Anwesens an der Turmstraße, in dem bis Mai vergangenen Jahres noch Büromöbel unter der Marke „Lotus“ in Handarbeit produziert wurden, ist Volker Hichert. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter des Beteiligungsunternehmens Deutsche Private Equity mit Sitz in München. Der in Hamburg lebende Finanzexperte hat eine besondere Beziehung zum Standort. „Die Kayserliche Möbelfabrik kenne ich noch von früher“, sagt er. „Ich bin in Bad Oldesloe aufgewachsen und habe an der Theodor-Mommsen-Schule mein Abitur gemacht.“

Ein schönes Beispiel historischer Industriearchitektur hat bis dato in Bad Oldesloe wenig Beachtung gefunden. Versteckt hinter dem Bahnhof führte das Gebäude der einstigen Kontormöbelfabrik Kayser & Wex eher ein Schattendasein. Das will ein Investor jetzt ändern.

Erworben hat Hichert das Anwesen nach eigenem Bekunden auch nicht, um es weiterzuveräußern. „Das ist reines Privatvergnügen“, sagt er. In einer der großen Hallen im Erdgeschoss möchte der stolze Besitzer eines 3-Liter-Rennwagens des Typs Delage aus dem Jahr 1947 eine Oldtimer-Remise einrichten, in der auch andere Liebhaber klassischer Fahrzeuge einen Platz für ihr Schätzchen mieten und sie Besuchern präsentieren können. Ergänzend soll in der Remise eine kleine Gastronomie mit Sitzgelegenheiten im Innenhof entstehen. „Ja, es soll ein Treffpunkt für Autofans werden, die sich hier auf einen Kaffee treffen“, sagt der Investor. Er hält zudem Ausschau nach einem Kfz-Betrieb, der sich auf die Reparatur vom Oldtimern spezialisiert hat und Interesse zeigt, sich in der benachbarten Halle niederzulassen.

Imponiert hat dem Geschäftsmann nach eigenem Bekunden, dass einzelne, für die Gründerzeit prägende Elemente des 1903 errichteten Fabrikensembles noch gut erhalten geblieben sind. Von außen betrachtet wirkt die Backsteinfassade zwar sehr schlicht und auch beim Eckgebäude handelt es sich um einen moderneren Ersatzbau, da das Original im Zweiten Weltkrieg Bomben zum Opfer fiel, doch hinter der Fassade offenbart sich der eigentliche Charme der Industriearchitektur. Rundbögenfenster mit Metallsprossen und Arkadengänge erinnern an eine italienische Piazza, und auch die weitläufigen Innenräume mit Gewölbedecken und Gussstahlstützen aus alter Zeit sind noch gut erhalten.

„In Hamburg und anderen Städten wäre so ein Ensemble als Industriedenkmal schon längst unter Schutz gestellt worden“, sagt Hichert. Die oberen Etagen möchte er an junge innovative, kreative Branchen und Firmen vermieten, die ein gewisses Faible für Retro-Architektur im Loftstil haben. Als erster Mieter wird übrigens das Unternehmen C&S Breitband aus Bad Oldesloe einziehen.

Und damit das auch reibungslos klappt, tummeln sich auf dem Gelände bereits Handwerker verschiedener Gewerke, um die Hallen zu entkernen, Mauerwerk auszubessern oder Fußböden zu verlegen. Einige Relikte aus der Kayser&Wex-Ära dürfen jetzt noch nicht angetastet werden. Sie sollen später als Ausstellungsstücke hergerichtet werden. Dazu gehören etwa eine alte Furnierpresse aus den Anfangstagen der Fabrik und ein ans Dampfzeitalter erinnernder Wärmetauscher mit abenteuerlich verschlungenem Rohrsystem nebst Absperrhähnen.

Anklang findet Hicherts Projekt übrigens auch bei den Vorbesitzern. „Wir haben zum neuen Eigentümer eigentlich keinen Kontakt. Aber wir finden es sehr schön, was er aus dem Gebäude macht. Hätten wir es behalten, wäre das für uns auch eine Option gewesen“, sagt Robert Nader, dessen Stiefvater die Fabrik 1975 vom Sohn des Firmengründers kaufte und der die Manufaktur gemeinsam mit seinem Bruder bis 2017 am Oldesloer Standort führte. Wie er berichtet, gab es aber von den Kindern innerhalb der Familie niemanden, der Interesse gehabt hätte, das Unternehmen zu übernehmen. „Da wir beide Ende 50 sind, haben wir deshalb entschieden, die Fabrikation einzustellen und uns auf die Vermittlung von Büroaufträgen zu spezialisieren“, erklärt Nader. Ihm zufolge gibt es leider kaum Fotos oder historische Dokumente, die Details über die ganz frühe Phase der Möbelherstellung à la Kayser & Wex verraten. Überliefert ist nur, dass das Oldesloer Kontormöbelwerk mit einem Bürotisch aufwartete, der es ermöglichte, die Schreibmaschine darin zu versenken und sicher abschließen zu können.

Hichert selbst kann sich noch an den hohen Schornstein erinnern, den es bis Ende der 70er Jahre auf dem Gelände gab. „Man konnte ihn von der Autobahn aus schon sehen“, erzählt er. Die aus Backsteinen gemauerte Esse wurde gesprengt, als die Nachfolger eine neue Heizungsanlage einbauten.

Schreibmaschine versenkbar

Errichtet wurde die Kontormöbelfabrik Kayser und Wex an der Oldesloer Turmstraße im Jahr 1903. Aktenschränke, drehbare Sessel, Stühle und Bürotische mit umklappbarer Klappe, in die sich Schreibmaschinen versenken ließen, gehörten schon in der frühen Phase zum Standardprogramm.

Neuer Eigentümer wurde 1975 Klaus Henning Werner, der das Werk modernisierte. Zu den Kunden gehörten etwa die Bayer AG und die Hamburger Sparkasse. 2017 wurde der Betrieb eingestellt. Jetzt wird das Werk als Gewerbeimmobilie vermarktet.

Dorothea von Dahlen

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