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Stormarn Ist das Kunst oder kann das weg?
Lokales Stormarn Ist das Kunst oder kann das weg?
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21:45 01.04.2016
Irritation und Täuschung: „Ein Sommermärchen“ lautet der Titel dieses Kunstobjektes. Quelle: hfr

Meister Proper hätte seine Freude gehabt und Klementine die porentiefe Reinheit bewundert: Beim Frühjahrsputz in der Gemeinde Trittau verschwand nicht nur jede Menge Müll und Dreck aus den Büschen und Knicks, auch die Fußball-Keramik des Künstlers Thomas Judisch musste dran glauben.

Es kann nicht anders sein: Die fleißigen Saubermänner müssen die Skulptur auf dem Rasen einfach als kaputten Fußball eingeordnet und entsorgt haben. Zack und weg damit. Der Fußball dürfte mittlerweile in den Tiefen der Müllverbrennungsanlage Stapelfeld verschwunden sein. Hier kommt der Müll hin, auch wenn er Kunst ist.

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Irritation und Täuschung: „Ein Sommermärchen“ lautet der Titel dieses Kunstobjektes. Was nach Heu und einem alten Fußball aussieht, ist in Wirklichkeit Büttenpapier und ein Keramikball.

Thomas Judisch, der seit Anfang des Jahres ein Atelier im Trittauer Atelierhaus gemietet hat, nimmt es mittlerweile mit Humor. Der Fußball war sein Erstling, noch nicht so, wie er ihn haben wollte, „noch nicht perfekt, hatte Risse“. Zusammen mit einem Heuhaufen aus Büttenpapier bildet er das Kunstwerk „Ein Sommermärchen“.

Das steht für den Sommer der Kindheit mit einem alten Ball auf dem Heuboden oder aber auch für das Sommermärchen von 2006. Je nachdem. Gar nicht auszudenken, wenn das komplette Kunstwerk auf dem Rasen gelegen hätte — schwupps weg, entsorgt und tschüs.

Thomas Judisch spielt immer wieder mit der Illusion in seiner Kunst — nichts ist, wie es scheint. Er spielt mit der Wahrnehmung des Menschen. Auch das Nachfolgemodell des Keramik-Fußballs wirkt deshalb täuschend echt. Nachlässig hingeworfen liegt der Ball wieder auf dem Rasen, die Luft ist raus. Ein erster Griff danach, das Material irritiert, nach Leder fühlt sich das nicht an oder doch?

Alt und hart, dem Wetter ausgesetzt? Irgendetwas muss den Impuls gegeben haben, den Original-Ball zu entsorgen oder — im besten Fall — als Kunstwerk mit nach Hause zu nehmen. Judisch wird es wohl nicht herausbekommen. Was er aber weiß: Als Müllsammler war ein Vater mit seinen beiden Kindern in der Gegend aktiv.

„Auch der Hausmeister der Trittauer Wassermühle findet das Spielzeug seines Hundes nicht mehr wieder, seitdem hier der Müll eingesammelt wurde“, erzählt der Künstler lachend. Wenn in Trittau Frühjahrsputz ist, werden eben keine halben Sachen gemacht. Auch dann nicht, wenn das Grundstück eher privat als öffentlich ist.

Für Thomas Judisch ist es nicht das erste Mal, dass seine Kunst irritiert. Aber das erste Mal, dass sie entsorgt wird: Im Museum Kunst der Westküste auf Föhr präsentierte er einen großen Heuhaufen — aus Büttenpapier. Die Täuschung war perfekt.

Eine Besucherin reagierte sofort allergisch — auf das vermeintliche Heu — und bekam einen Niesanfall. „Das war der Placebo-Effekt in die andere Richtung“, so Judisch. Und dann war da noch die Sache mit dem Lolli. „Eine Putzfrau dachte, dass aus einer Vitrine eine Bernsteinkette gestohlen worden sei und dass die Diebe einen Lolli zurückgelassen hatten.“

Die Putzfrau hatte wegen des Naschwerks Kinder im Verdacht. Auch hier war die Täuschung perfekt: Der Lolli mit der goldfarbenen Zuckerspitze war aus Bernstein und damit das eigentliche Kunstwerk.

Eine Kette hatte es in der Vitrine nie gegeben.

Sollte der Ball nicht im Müll liegen, Thomas Judisch ist unter Telefon

0176/231315 86 zu erreichen.

Hier spielt die Musik

Der Künstler Thomas Judisch, der in Kiel Bildhauerei studiert hat und Meisterschüler in der Klasse von Eberhard Bosslet in Dresden war, möchte mit seinen Kunstobjekten die Wahrnehmung der Menschen stärken. Am Sonnabend, 23. April, ist er mit seinem Werk „Hier spielt die Musik“ beim Brahms-Festival in der Musikhochschule in Lübeck vertreten. Auch hier spielt die Illusion wieder eine bedeutende Rolle. Thomas Judisch zeigt einen Geigenkasten — geöffnet, es liegt Kleingeld drinnen. Der Geigenspieler kann nicht weit sein. Und doch, es ist eine Bronzeskulptur.

Von K. Kuhlmann-Schultz

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