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Stormarn Ist dieses Gebäude ein Denkmal oder kann das weg?
Lokales Stormarn Ist dieses Gebäude ein Denkmal oder kann das weg?
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21:24 02.07.2013
Das Ahrensburger Rathaus soll unter Denkmalschutz gestellt werden. Quelle: Fotos: Bettina Albrod

Ist das Ahrensburger Rathaus ein schützenswertes Baudenkmal oder eher nicht? An dieser Frage scheiden sich derzeit in der Schlossstadt die Geister. Der Entwurf stammt von Karl-Heinz Scheuermann: 1967 hatte er den ersten Preis beim Rathauswettbewerb gewonnen, und 1969/70 entstand das Verwaltungsgebäude nach seinen Plänen, das das Landesamt für Denkmalpflege gut 40 Jahre später nun unter Denkmalschutz stellen möchte. Mittlerweile ist das Haus sanierungsbedürftig. Während die einen nach Abriss und Bau eines neuen Verwaltungsgebäudes rufen, sehen die anderen in dem ungewöhnlichen Gebäude ein erhaltenswertes Baudenkmal.

„Es handelt sich beim Rathaus Ahrensburg um ein Gebäude von historischer und architekturhistorischer Bedeutung“, erklärt Dr. Astrid Hansen vom Landesamt für Denkmalpflege. Die Art der Architektur sei in Schleswig-Holstein sehr selten und Scheuermann ein typischer Architekt seiner Zeit, ergänzt Andreas Zimmermann, Pressesprecher der Ahrensburger Verwaltung. Nach anfänglicher Verblüffung — das Rathaus ist erst gut 40 Jahre alt — seien in der Verwaltung mittlerweile die meisten für eine Unterschutzstellung. Zumal eine Sanierung des Gebäudes mit 6,5 Millionen Euro deutlich günstiger wäre als ein Neubau für mindestens elf Millionen.

„Ich begrüße die geplante Unterschutzstellung des Rathauses durch das Landesamt für Denkmalpflege“, sagt Bürgermeister Michael Sarach. Es handele sich um ein Gebäude von besonderer Qualität. Auch wenn die Ressourcen dafür zurzeit begrenzt seien, könne sich für die Stadt die Möglichkeit eröffnen, Zuschüsse für die Sanierung zu bekommen, die es ohne den Denkmalschutz nicht gäbe.

„Über die Frage, ob das Ahrensburger Rathaus nun schön ist oder nicht, lässt sich streiten. Persönlich halte ich es für einen Schandfleck in unserer Innenstadt“, so Thomas Bellizzi (FDP). Die Frage des Denkmalschutzes gehe aber über den Ansatzpunkt der Architektur hinaus. „Es ist auch eine Kostenfrage. Schon heute müssen mehrere Millionen für die energetische Sanierung und den Feuerschutz des Rathauses ausgegeben werden. Sollte das Rathaus zusätzlich unter Denkmalschutz gestellt werden, müssen wir davon ausgehen, dass die Kosten noch weiter steigen.“ Dieses Geld fehle dann der Stadt für deutlich wichtigere Projekte.

Bellizzi spricht sich stattdessen für einen Neubau aus und möchte die Ahrensburger mit einem Bürgerentscheid über den Denkmalschutz mitreden lassen. Sollte sich die Mehrheit der Bürger gegen einen Denkmalschutz entscheiden, müsse man gegebenenfalls vor das Verwaltungsgericht ziehen, um das Verfahren zu stoppen.

„Die Frage kann man nicht alleine nach dem Zeitgeist entscheiden“, urteilt dagegen Peter Egan von der Wählergemeinschaft für Ahrensburger Bürgermitbestimmung (WAB). „Der kulturhistorische Hintergrund zählt. Im 19. Jahrhundert haben sich die Leute über die barocken Schlösser geärgert, heute sind wir froh, dass einige noch stehen.“ Horst Marzi von den Ahrensburger Grünen ist die energetische Sanierung wichtig. „Für ein neues Rathaus ist kein Geld da, egal wie man das Haus findet.“ Über den Denkmalschutz müssten alleine Fachleute entscheiden. „Hier hat der Denkmalschutz den Hut auf.“

Gerhard Bartel (SPD) sieht im Denkmalschutz kein Aufregerthema. „Viel wichtiger ist der Zustand des Gebäudes, da sind eine energetische Sanierung und eine Feuertreppe nötig. Ehe wir uns zum Denkmalschutz Gedanken machen, müssen erstmal Fakten auf den Tisch, was damit verbunden ist.“ Die Entscheidung des Landesamts für Denkmalpflege sei durch einen Bürgerentscheid ohnehin nicht zu beeinflussen, erklärt Bürgervorsteher Roland Wilde (CDU). „Ich persönlich finde das Rathaus sehr funktionell. Von daher ist es absolut erhaltungswürdig, was nicht heißt, dass man es deshalb gleich unter Denkmalschutz stellt.“ Letztlich entscheide das Kieler Kulturministerium.

Bettina Albrod

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