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Jäger skeptisch: Grundbesitzer wollen Jagdverbot erwirken

Wesenberg/Bad Oldesloe Jäger skeptisch: Grundbesitzer wollen Jagdverbot erwirken

Dem Kreis Stormarn liegen zwei Anträge auf Befriedung aus ethischen Gründen vor.

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Harrt der Dinge, die da kommen: Im Revier von Ernst Pnischak könnten sehr zu seinem Unmut bald 16 Hektar befriedet werden.

Quelle: Neelsen*

Wesenberg. Keine Jagd auf meinem Grund und Boden: Im Kreis Stormarn haben zwei Grundbesitzer einen Antrag auf Befriedung ihres Eigentums gestellt — aus ethischen Gründen. Das ermöglicht das novellierte Bundesjagdgesetz im Paragraphen 6 a. Bei den Gebieten handelt es sich um ein kleines Waldareal im Süden sowie Ackerfläche im Nordosten Stormarns.

Carsten Jannusch, zuständiger Sachbearbeiter bei der Waffenbehörde des Kreises, hat die beiden Anträge auf seinem Schreibtisch liegen. Seit Dezember sind sie in der Bearbeitung. „Aber ein Ende ist nicht abzusehen. Ich rechne mit bis zu sechs Monaten“, sagt Jannusch. „Es gibt noch keinerlei Erfahrung mit der Prüfung.“

Die Hürden für die Antragsteller sind hoch. Die Verfahren dauern lange und sind teuer, zwischen 400 und 2000 Euro je nach Aufwand „Das ist alles sehr umfangreich, weil viele Fachbehörden beteiligt werden müssen“, erklärt Carsten Jannusch. So sind Jagdgenossenschaft, Jagdpächter, angrenzende Grundeigentümer sowie Träger öffentlicher Belange wie Forst- und Naturschutzbehörden oder unter Umständen der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr anzuhören.

Dazu kommt die Beurteilung der ethischen Motive, die der Antragsteller glaubhaft belegen muss. „Die Gründe können vielfältig sein“, sagt Jannusch. „Wenn jemand angeben würde, seit Jahren aktiv im Tierschutz tätig zu sein und das Töten von Tieren nicht ertragen zu können, muss ich ihm das wohl glauben.“ Doch auch wenn die Gewissensgründe glaubhaft sind, kann ein Antrag durchaus abgelehnt werden: Zum Beispiel, wenn die Gefahr von Wildschäden auf umliegenden Grundstücken zu groß ist oder wenn die Bejagung des Bezirkes übermäßig erschwert würde, so der Deutsche Jagdverband.

Ernst Pnischak harrt der Dinge, die da kommen. Der Wesenberger hat das 450 Hektar große Revier im Nordosten des Kreises gepachtet, in dem sich eben jene Fläche befindet, die der Eigentümer jetzt befrieden lassen möchte. „Das ist eine ganz heiße Sache“, sagt Pnischak. Denn die 16 Hektar teilen sich in zwei Schulterstücke in seinem Revier, in deren Mitte sich ein großes Maisfeld — begehrt bei Wildschweinen — befindet. „Sollte der Bereich befriedet werden, dann behindert das die Jagd erheblich“, sagt der Waidmann. „Wir könnten dann dort kein Schwarzwild mehr bejagen und damit auch keinen Wildschaden abwenden. Bisher gelang uns das sehr gut.“

Sorge bereitet Ernst Pnischak auch die Nähe zur Hauptstraße in Groß Wesenberg. „Wenn wir dort auch nicht mehr jagen dürfen, können noch mehr Rehe und Wildschweine die Straße queren. Lass‘ da einen Unfall passieren“, gibt er zu bedenken. Sollte der Antrag durchgehen, erhofft sich der Revierpächter wenigstens freie Zeiten, in denen das Jagen von Schwarz-, Reh- und Raubwild erlaubt ist.

Auch Hans-Joachim Herrmann steht dem neuen Paragraphen skeptisch gegenüber. „Für uns ist das alles neu“, sagt der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Stormarn. „Es muss sich erst zeigen, wie das in der Praxis umgesetzt wird, denn es stellen sich nach wie vor ein paar Fragen. Wo fangen ethische Gründe an, wo hören sie auf? Wer trägt den Wildschaden, der durch Wild aus befriedeten Bereichen entsteht“, sagt Herrmann.

Wolfgang Gerstand hält von der Befriedung aus ethischen Gründen nichts. „Ich bin total dagegen. Hier entziehen sich Einzelne aus ideologischen Gründen der gesellschaftlichen Verantwortung für Natur- und Tierschutz“, erklärt der Oldesloer CDU-Politiker und Jagdexperte. Für Sabine Reichle vom Nabu Reinfeld-Nordstormarn ist „der Stein jetzt endlich ins Rollen gekommen. Man sollte den Grundeigentümern die Möglichkeit geben, ihre Anliegen prüfen zu lassen, ohne dass es ihnen erschwert wird.“

Zwangsmitglied in der Jagdgenossenschaft
1100 Personen im Kreis Stormarn haben einen gültigen Jagdschein. Es gibt 193 Jagdbezirke. Die Fläche, die bejagt wird, beträgt 58 000 Hektar. Grundstücke, die kein Eigenjagdbezirk sind, werden einem Jagdbezirk zugeordnet. Die Besitzer gehören damit automatisch der Jagdgenossenschaft des Bezirkes an. Ihr Boden wurde bisher bejagt, ob sie wollten oder nicht. Seit 6. Dezember regelt Paragraph 6 a des Bundesjagdgesetzes die Befriedung von Grundflächen aus ethischen Gründen.

Die Änderung des Bundesjagdgesetzes wurde aufgrund eines Urteils des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) nötig. Der EGMR hatte im Juni 2012 entschieden, dass Grundstückseigentümer die Jagd auf ihrem Gelände nicht uneingeschränkt hinnehmen müssen, sofern sie diese aus Gewissensgründen ablehnen.
• Informationen unter www.bundesjagdgesetz.de und www.zwangsbejagung-ade.de.

Verena Bosslet

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