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Jan Siebert: Ein Trittauer in Brasilien

Trittau Jan Siebert: Ein Trittauer in Brasilien

Der freischaffende Maler war Gast im Olympia-Studio – seit zehn Jahren lebt und arbeitet er in der Favela Vidigal.

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Zu Gast im Olympia-Studio in Rio de Janeiro: Jan Siebert, der hier von Moderator Michael Antwerpes interviewt wird. Screenshot: kks/NDR

Lübeck/Rio/Trittau. „Wie kommt man eigentlich nach Rio de Janeiro?“ Mit dem Flugzeug – klar. Das gilt auch für den ehemaligen Trittauer Jan Siebert. Der hat auf obige Frage von Moderator Michael Antwerpes im ARD-Olympiastudio genau so süffisant geantwortet und dann die Gelegenheit gehabt zu erzählen, wieso es einen Künstler aus dem Norden Deutschlands nach Brasilien verschlägt.

 

LN-Bild

„Zu Hause zu Besuch“, Sieberts Eltern beim Sohn in Mexiko.

Quelle:
LN-Bild

Hat sein Zuhause am Zuckerhut: Der Maler Jan Siebert.

Quelle: NDR
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„Nachtdurst“ hat Jan Siebert 2001 in Mexico gemalt.

Quelle:
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Hat sein Zuhause am Zuckerhut: Der Maler Jan Siebert.

Quelle: NDR
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„Zu Hause zu Besuch“, Sieberts Eltern beim Sohn in Mexiko.

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„Nachtdurst“ hat Jan Siebert 2001 in Mexico gemalt.

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Und nicht nur das, Dank Olympia-Spezi Gerhard Delling und entsprechenden Kontakten konnte er seine Bilder präsentieren, die Studio-Gäste durften Duplikate seiner Werke mit nach Hause nehmen. So wird mancher Sportler jetzt einen brasilianischen Siebert zu Hause hängen haben. Einen Siebert, der in seinen Bildern die unmittelbare Umgebung einfängt, in der er lebt. Was in diesem Fall die Favela Vidigal ist.

Dort lebt der freie Maler, der mit seiner Familie zwölf Jahre im Trittauer Meisenweg gewohnt hat. Zeitweise war auch Köthel Heimat, seinen Schulabschluss machte der Künstler auf dem Gymnasium Trittau. Das alles liegt weit weit zurück. Woran er sich erinnert: „Da fällt mir in erster Linie die Natur in der Umgebung ein, die Holsteinische Schweiz mit ihren faszinierenden Wäldern und Seen.

Dieser habe ich mich seit jeher sehr verbunden gefühlt.“ Das kann man glauben. Bilder, die im Wohnzimmer seiner Mutter hängen, zeugen davon, dass die Natur in Schleswig-Holstein für ihn bis heute eine große Rolle spielt. Sie kann ihm Ruhe geben, Raum. Wie beispielsweise das Wesloer Moor bei Lübeck.

In seiner neuen Heimat am Zuckerhut ist das nicht so. Bilder, die hier entstehen, zeigen dunkle Gassen, Häuser, Menschen, Situationen, das ganz normale Leben in seiner Favela eben, das Leben auf der Straße. Sie zeigen Einsamkeit, Sehnsucht, Drogensucht, die dunklen Seiten des Lebens. So erstrahlen sie nicht in einem fröhlichen Glanz, sondern sind dunkel, matt – Öl auf Leinwand. Dunkel aber nicht trostlos. Viele erinnern in ihrer Art an den amerikanischen Maler Edward Hopper, einem Maler des amerikanischen Realismus. Sie sind eindrucksvoll. Und entstehen meist nachts, seiner besten Arbeitszeit.

„Anlass und Inspiration entnehme ich meiner unmittelbaren Umwelt. Diese dient in ihrer vertrauten und verständlichen Form der Darstellung komplexerer und transzendenter Inhalte“, erklärt der 45-Jährige via Mail aus Rio. In Vidigal ist das kein Problem, tobte in der Favela mit ihren etwa 30000 Einwohnern vor Jahren noch ein Drogenkrieg, ist der Ort jetzt durch die Polizei beruhigt.

Und entwickelt sich gerade zu einem In-Viertel, mit vielen Künstlern, Bars und Clubs. „Es ist nicht gefährlich hier“, erklärt Jan Siebert im Fernsehinterview. „Man hat falsche Vorstellungen, es ist kein Kriegsgebiet hier, in Wirklichkeit ist das eine fröhliche Gemeinschaft“, erklärt er.

Das Leben sei inspirierend, die Menschen hätten eine völlig andere Lebenseinstellung. Und genau diese Einstellung, beschreibt Sieberts Mutter Regine, die mittlerweile in Lübeck lebt, habe ihren Sohn auch dazu bewogen, in Brasilien zu bleiben. „Jan war schon während der Semesterferien, er hat Kommunikationsdesign und Illustration in Hamburg studiert, mit dem Rucksack drei Monaten in Zentralamerika unterwegs gewesen. Er war in Guatemala, Costa Rica und Honduras. Schon damals hat ihm die unbekümmerte Lebensweise, das unkomplizierte Leben gefallen. Die Menschen sind einander so zugewandt.“ Nicht so wie hier in Deutschland, wo die Menschen eher misstrauisch und in sich gekehrt seien. „Hier fühlen sich die Menschen am wohlsten, wenn sie die Tür hinter sich zumachen“, so Regine Siebert. In Brasilien finde das Leben der Menschen auf der Straße statt. Hängen blieb der Künstler nach seinem Studium erst einmal in Mexiko. Siebeneinhalb Jahre lebte er dort, studierte weiter und verdiente sich seinen Lebensunterhalt als Maler. Unter anderem in Vera Cruz, der großen Hafenstadt am Golf von Mexiko. Später zog es ihn nach Brasilien, seit zehn Jahren lebt er in einem Haus in der Favela. Von dort genießt der ehemalige Trittauer einen traumhaften Blick über den Atlantik, über den Strand von Ipanema.

„Mein Sohn hat in der Vorschule schon viel gezeichnet“, erinnert sich Regine Siebert, ganz im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder Max. Beliebtes Motiv damals: seine Sitznachbarn. Heute sind es die Nachbarn aus der Favela, die er in seinen Bildern festhält. Die Mutter ist stolz auf ihren Sohn. Stolz darauf, dass er mit seinen Kunstwerken sogar im Olympiastudio einen Auftritt hatte und sich einem breiteren Publikum vorstellen konnte. Natürlich wünscht sie ihm deshalb, dass er Erfolg hat. Aber „noch mehr wünsche ich ihm aber eine innere Zufriedenheit, denn das ist vielleicht noch wichtiger. Es ist nur schade, dass mein Mann Jens das nicht mehr erleben konnte, der hätte sich auch so gefreut“, bedauert Regine Siebert. Vor zwei Jahren ist er gestorben. Verewigt hat ihn Jan Siebert schon viele Jahre zuvor beim Besuch der Eltern in Mexiko. „Zu Hause zu Besuch“, ist der Titel des Bildes aus dem Jahr 2000. Es hängt bei Regine Siebert an der Wand.

Ausstellung in Hamburg

20 Jahre Malerei in Mexiko und Brasilien: Am Freitag, 7. Oktober, beginnt um 18 Uhr im Hamburger Eiskeller, Lessers Passage, die Vernissage zur Ausstellung mit Werken von Jan Siebert aus beiden Jahrzehnten. Unter anderem wird der Künstler dort auch eine Videoinstallation präsentieren, die die Höhepunkte seiner Zeit in Mexico und Brasilien zum Inhalt hat. Der Künstler ist anwesend. Mehr Infos gibt es unter www. jansiebert.com

K. Kuhlmann-Schultz

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