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Stormarn Jeder Schuss brachte Geld
Lokales Stormarn Jeder Schuss brachte Geld
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12:38 06.03.2018
Mit Trommeln, Flöten und Pauken: Der Spielmannszug der Old Reinfelder Jungs sorgte beim Umzug des Erwachsenen-Vogelschießens immer für gute Laune. Quelle: Foto: Ln-Archiv, Matzen
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Reinfeld

Ihr Herz hängt am Reinfelder Erwachsenen-Vogelschießen: Dieter Döhring und Reinfelds ehemaliger Bürgermeister Diethard Bubolz waren mehr als 50 Jahre bei der Traditionsveranstaltung dabei. Umso betroffener waren sie, als am 7. Oktober 2015 wegen mangelnder Resonanz die Auflösungsversammlung des Vereins stattfand. Doch still und leise wollten sie das Erwachsenen-Vogelschießen nicht in der Versenkung verschwinden lassen.

Das Erwachsenen-Vogelschießen in Reinfeld hat eine lange Geschichte. Früher kam der Erlös dem Kindervogelschießen der Schulen zugute. Doch seit 2015 wird nicht mehr auf den Vogel geschossen. Die Requisiten finden sich jetzt im Heimatmuseum – auch eine Chronik ist dort erhältlich.

Chronik im Heimatmuseum

Die Chronik über das Erwachsenen-Vogelschießen ist im Reinfelder Heimatmuseum erhältlich – sie kostet 15 Euro. Armbrust, Holzvogel, Königsketten – Requisiten rund um das Traditionsfest sind ebenfalls im Heimatmuseum zu bewundern. Geöffnet sonntags von 10 bis 12 Uhr.

Schließlich habe der Verein den Bürgern nicht nur rauschende Feste beschert, sondern auch unzählige Kinder beglückt – und das mehr als 100 Jahre lang. Also machten sich Döhring und Bubolz ans Werk und stellten in mühevoller Kleinarbeit eine Chronik über das Reinfelder Erwachsenen-Vogelschießen zusammen.

Von 1912 bis 1986

Ins Leben gerufen wurde das Reinfelder Erwachsenen-Vogelschießen im Jahre 1912 vom Männer-Gesangverein Arion. „Dann ist über viele Jahre nichts in den Aufzeichnungen erhalten. Wir nehmen an, dass im Ersten und Zweiten Weltkrieg auch nicht viel stattgefunden hat“, sagt Diethard Bubolz. Erst 1948 wurde das Erwachsenen-Vogelschießen wiederbelebt – von den Old Reinfelder Jungs, deren Verein sich damals gegründet hat. „Die Old Reinfelder Jungs haben das Erwachsenen-Vogelschießen bis 1986 durchgeführt. Das Fest fand jährlich immer 14 Tage vor den Sommerferien statt, weil auf dem Erwachsenen-Vogelschießen für die Geschenke des Kindervogelschießens gesammelt wurde. Das war bis zuletzt Sinn und Zweck der Veranstaltung“, so der ehemalige Bürgermeister. Dann seien die Old Reinfelder Jungs in den 80ern in die Jahre gekommen, so dass sie die Organisation des Festes nicht mehr schafften. Das Vogelschießen fiel immer öfter aus.

Statt Vogelschießen Kinderstadtfest

1988 habe der damalige Bürgervorsteher schließlich eine neue Sparte des Bürgervereins gegründet: Freunde des Vogelschießens. „Wir gehörten auch mit zu den Gründern“, so die beiden Chronisten. Von 1988 bis 2015 nahmen sich die Mitglieder der Organisation des beliebten Festes an. „Jeder Schuss bringt Geld – das war unser Motto“, so Bubolz. Zunächst fand das Erwachsenen-Vogelschießen jährlich statt. Aber als die Schulen das Kindervogelschießen einstellten, ist über die Sparte des Bürgervereins das Kinderstadtfest entstanden. „Das ist auch der Zeitpunkt gewesen, wo wir vom jährlichen auf einen zweijährlichen Rhythmus wechselten. In einem Jahr war das Kinderstadtfest, im anderen das Vogelschießen“, erinnert Bubolz.

2012 zum 100. Geburtstag wurde Erwachsenen-Vogelschießen richtig groß gefeiert. „Das Schöne – es war genau auf den Tag wie das erste Fest vor 100 Jahren.“ Doch nach diesem Höhepunkt ließ das Interesse in der Bevölkerung rapide nach. Bubolz: „2015 haben wir festgestellt: Das war nichts mehr mit Geldsammeln. Wir mussten von den Rücklagen noch etwas zulegen, damit wir das Fest finanziert kriegten.“ Schweren Herzens mussten sie den Verein auflösen. Damit dennoch etwas für die Nachwelt erhalten bleibt, schrieben Dieter Döhring und Dietmar Bubolz in den vergangen zwei Jahren die Geschichte des Erwachsenen-Vogelschießens auf. „Dafür recherchierten wir im Kreisarchiv und in alten Ausgaben der Lübecker Nachrichten.“

 Britta Matzen

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