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Stormarn Jersbeker wehren sich gegen den wachsenden Fluglärm
Lokales Stormarn Jersbeker wehren sich gegen den wachsenden Fluglärm
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20:14 16.08.2016
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Jersbek. Markus Jahn ist vor kurzem mit seiner Familie ins Grüne gezogen. Doch zu Grillenzirpen und Vogelgezwitscher gesellt sich täglich das Dröhnen der Triebwerke, wenn die Flugzeuge über Jersbek den Hamburger Flughafen ansteuern, und das an manchen Tagen alle zwei Minuten. „Vor drei Jahren war das noch anders“, erklärt Nachbarin Cornelia Teegen. „Seit die Anflugrouten geändert wurden, bekommen wir in Jersbek viel mehr Fluglärm ab.“ Deshalb haben die beiden jetzt die Arbeitsgruppe „Fluglärmschutz Jersbek“ mitbegründet, der mittlerweile zehn Mitglieder angehören und die sich regelmäßig trifft, um sich gegen den Lärm aus der Luft zu wehren. Damit gibt es neben der Bürgerinitiative für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein (BAW) und der Initiative „Fluglärmgeplagte Gemeinde Elmenhorst“ (FGE) bereits die dritte Initiative in Stormarn, die gegen Fluglärm protestiert.

Markus Jahn und Cornelia Teegen möchten mit anderen Initiativen im Kreis ins Gespräch kommen. Quelle: ba

„Der Fluglärm hat sich zu uns verlagert, nachdem die Anflugrouten verlängert wurden“, ist sich Cornelia Teegen sicher. Seitdem drehen die Flugzeuge nicht bei vier Nautischen Meilen, sondern bei sieben oder zehn Nautischen Meilen auf den Landeanflug ein, und das trifft besonders die Region von Elmenhorst, Bargteheide und Jersbek. „2013 gab es 32500 Landeanflüge, davon führten 19000 über Jersbek“, liefert Jahn Zahlen. „2015 sind von 44000 Landeanflügen 30000 über Jersbeker Gebiet gegangen.“ Die Anwohner fürchten vor allem gesundheitliche Belastungen, sehen aber auch den Wert ihrer Häuser gemindert und leiden unter dem lästigen Lärm. „Wir müssen oft auf unseren Terrassen das Gespräch unterbrechen, weil der Fluglärm so laut ist“, sagt Cornelia Teegen. „Statt der prognostizierten Überflüge von 40 Prozent hat Jersbek 70 Prozent mehr.“

„Wenn aus einer Kreisstraße eine Autobahn wird, gibt es Lärmschutz“, vergleicht Markus Jahn die Situation. „Wenn am Himmel eine Autobahn entsteht, bleibt der Lärm.“ Ziel der Initiative ist es, die Situation in Jersbek zu verbessern, ohne den „schwarzen Peter“ anderen zuzuschieben. „Wir wünschen uns eine Zusammenarbeit der Lärmschutzinitiativen in Stormarn“, betont Jahn. „Wir möchten eine gleichmäßigere Verteilung des Lärms, ohne andere dadurch mehr zu belasten, dafür müssen neue Rahmenbedingungen geschaffen werden.“ Wie das geht, sollten Experten erarbeiten. „Bei der Veranstaltung der Fluglärmschutzkommission in Bargteheide hieß es, dass man die Belastung der Dörfer nicht bedacht habe.“ Hier sehen Teegen und Jahn die Politiker in der Pflicht. „Die Landesvertreter aus Kiel haben alles durchgewunken und sind nun nicht mehr zu sprechen“, kritisiert Jahn. Sie fühlten sich von der Landespolitik alleine gelassen. „Die gemeinschaftliche Last kann man nicht auf Minderheiten abschieben. Beim Thema Lärm kann man nicht nach Zahlen gehen. Die Frage ist: Wo ist die Grenze der Zumutbarkeit erreicht?“

Für Stormarn sehen sie sie überschritten – die Beschwerden aus Stormarn über Fluglärm sind im vergangenen Jahr sprunghaft angestiegen. Um die Belastung auch messbar zu machen, will die Initiative demnächst einen Messcontainer auf einem Dach in der Nachbarschaft aufstellen. „Damit sammeln wir Daten und ordnen den Lärm einzelnen Flugzeugen zu“, erklärt Jahn. „Nicht alle Maschinen sind gleich laut. Wir wollen wieder ein erträgliches Maß an Flügen über Jersbek.“ Die Arbeitsgruppe trifft sich alle 14 Tage und sucht noch Unterstützer. Wer mitmachen möchte, kann sich unter flsjersbek@yahoo.com melden.

Kiel ist beim Thema Lärmschutz im Gespräch

Minister Reinhard Meyer erklärte am Rande eines Pressegesprächs, dass Kiel zum Thema Fluglärm in Stormarn durch den Flughafen Fuhlsbüttel weiterhin mit Hamburg im Gespräch sei.

„Wir waren aufgrund der Terminplanung und durch die Erkrankung eines Mitarbeiters bei der öffentlichen Veranstaltung in Bargteheide nicht dabei“, so Meyer. Das Thema werde aber von der Landesregierung ernst genommen. „Eine Verlegung der Anflugrouten wird nur neue Betroffenheiten schaffen“, so der Minister. Man müsse aber darüber nachdenken, ob zum Lärmschutz der Betroffenen Flüge nach 23 Uhr nicht möglicherweise reduziert werden könnten.

Bettina Albrod

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