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Stormarn Junge Bastler leisten Millimeterarbeit
Lokales Stormarn Junge Bastler leisten Millimeterarbeit
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21:54 04.09.2017
Das Skelett der Tragflächen, die Tom (11), Lennard (9), Theo (9), Kim (13) und Frederik (10) aus Mollhagen hier zeigen, ist schon fertig. Quelle: Fotos: Dvd
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Mollhagen

 Das nötige Know-How vermittelte ihnen Maschinenbauingenieur und Steinburgs Vizebürgermeister Thomas Jendrek (61).

Sechs Mollhagener Jungs bauten Modellsegelflugzeuge mit und ohne Motorantrieb.

Konzentriert über den Tisch gebeugt klebt Calvin gerade die Einzelteile für den Rumpf seines Modellseglers zusammen. Auf der Fensterbank liegen schon zahlreiche rippenartige Konstruktionen: die fertigen Tragflächen aller sechs Flugzeuge, die demnächst über dem Himmel von Eichede kreisen sollen.

Die Arbeit an den maßstabsgetreu verkleinerten Seglern, die die Jungen nach einem Konstruktionsplan wie richtige Flugzeugingenieure herstellen, ist filigran. Ein bisschen zu weit mit dem Cuttermesser ins Holz gefahren und schon geht alles wieder von vorn los. „Es muss auf den Millimeter genau stimmen. Sonst arbeiten wir für den Mülleimer“, sagt der 13-Jährige und demonstriert auch gleich, wie dünn und extrem leicht das Balserholz ist, das er für den Bau der Tragflächen auf die gewünschte Größe gebracht hat. „Kiefer braucht man zur Verstärkung“, fügt Calvin fachmännisch hinzu.

Kim berichtet, dass die winzigen Holzstücke vor dem Zusammenbau mit Stecknadeln fixiert werden mussten. „Ein Windstoß und sie wären komplett durcheinander geraten“, erzählt der 13-Jährige, der das Kopernikus-Gymnasium in Bargteheide besucht. Er hat sich fest vorgenommen, auch nach den Ferien mit dem Modellbau weiterzumachen.

Gebastelt wird übrigens in zwei Gruppen, denn in einige Segelflieger wird ein Motor eingebaut, so dass sich die Maschine fernsteuern lässt. „Ich wollte zuerst auch einen Motoregler bauen. Aber meine Mutter war dagegen. Die Materialkosten waren zu teuer“, erzählt Kim. Doch als er hörte, dass sich das klassische Segelflugzeug auch mit einem Hilfsmotor steuern lässt, war er besänftigt und kann dem Verzicht auf einen Dauerantrieb sogar etwas abgewinnen. Schließlich lernt er so viel unmittelbarer, wie das Ausnutzen der Thermik beim Gleitflug des Seglers funktioniert.

Eine ganze Woche lang hat Thomas Jendrek jeden Tag von 8 bis 15 Uhr mit den Jungen an den Segelfliegern gebaut – auch sehr zur Freude der Eltern, da nicht alle während der Sommerferien selbst Urlaub nehmen zu können, um ihre Kinder zu betreuen.

„Als ich so alt war wie die Jungen hier, habe ich mich damit auch beschäftigt“, erzählt der Ingenieur. Und sein Wissen an die nächste Generation zu vermitteln, mache ihm einfach Spaß. Es habe einige Zeit gedauert, bis alle die Grundprinzipien verstanden hätten, aber inzwischen seien alle in der Lage, selbständig zu bauen, den Konstruktionsplan zu studieren und daraus die nächsten Arbeitsschritte abzuleiten. Einige Spezialaufgaben übernimmt Jendrek aber dennoch selbst. Der Feinschliff der Segelflieger erfordert besonderes Fingerspitzengefühl ebenso wie die Bespannung des fertigen Seglers mit einer Folie, was absolut sauber ohne Blasen einzuschließen geschehen muss. Der Einbau der Fernsteuerung obliegt schließlich wieder den Nachwuchsingenieuren. Dazu kommt auch ein Lötkolben zum Einsatz, um die Technik an Bord der Flieger richtig fixieren zu können. „Es macht auch Freude zu sehen, wie sich alle gegenseitig helfen“, meint Jendrek abschließend.

 Dorothea von Dahlen

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