Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Stormarn Junge Unternehmer starten durch
Lokales Stormarn Junge Unternehmer starten durch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:24 14.05.2016
Neuer Reinfelder Unternehmergeist: Karsten Lutz (l.) und Simon Jost. Quelle: L. Zeidler

Alle haben es. Alle benutzen es. Aber unsereiner macht sich höchstens Gedanken darüber, wenn es neu gekauft werden muss. „Hätte man mir vor fünf Jahren gesagt, dass ich eines Tages Toilettenpapier verkaufe, hätte ich wohl gelacht oder geweint“, so Simon Jost (29). Zusammen mit Karsten Lutz (27) ist der gelernte Bürokaufmann Geschäftsführer von Smooth Panda, ein gerademal eineinhalb Jahre altes Start-Up-Unternehmen aus Reinfeld. Die beiden Gründer wollen Toilettenpapier aus Bambus in Deutschland marktreif machen.

„Falls es hart auf hart kommt, haben wir Erfahrung gesammelt und eine echt gute Geschichte für das nächste Bewerbungsgespräch.“Karsten Lutz

„Hätte man mir vor fünf Jahren gesagt, dass ich eines Tages Toilettenpapier verkaufe, hätte ich wohl gelacht oder geweint.“ Simon Jost

Auch für den LN-Existenzgründerpreis waren sie nominiert. Auch wenn sie nicht den ersten Platz ergattern konnten, sei es eine unvergessliche Erfahrung gewesen.

Karsten Lutz hatte das Papier aus dem schnell nachwachsenden Rohstoff Bambus in Bangkok entdeckt. Ironischerweise als er selbst das WC benutzte. Nach einer Crowdfunding-Kampagne haben die zwei Reinfelder im vergangenen Jahr 16000 Euro für ihre Unternehmensgründung gesammelt.

Bisher werde übliches Toilettenpapier vorwiegend aus Holz gewonnen. Hinzu komme der hohe Wasserverbrauch für die Produktion. „Wir wollen, dass weniger Bäume gefällt werden“, skizziert Jost seine Geschäftsvision. Karsten Lutz fügt hinzu: „In Asien ist Bambus längst ein gängiger Rohstoff.“ Deshalb komme ihr Toilettenpapier auch noch aus China. Die Infrastruktur sei dort besser. „Noch“, betont Jost jedoch, „ denn unser Ziel ist es, Bambus in Europa anzubauen. Dafür fehlen uns zurzeit aber noch die finanziellen Mittel.“ Geplant sei in sieben Jahren das erste europäische Bambuspapier zu produzieren. Karsten Lutz hat sich von den Produktionsbedingungen überzeugt: „Ich war selbst vor Ort und habe mir den Bambusanbau und die Herstellung angeschaut. Der Arbeitsschutz ist auf einem hohen Niveau und den Bauern werden faire Löhne gezahlt.“

Seit Ende März sind die Jungunternehmer nun fleißig am Verpacken. 7300 große Kartons hat der erste Container aus China geliefert. Etwa 1000 Packungen sind noch übrig. „Die sind spätestens innerhalb des nächsten Monats weg. Nachschub ist bereits unterwegs“, erzählt der überzeugte Bambuspapier-Nutzer Jost.

Das aktuelle Ziel sei lediglich die Steigerung von Umsatz und Bekanntheit. Die beiden setzen auf ein ausgeklügeltes Online-Marketing. Viele Menschen beginnen, sich plötzlich für Toilettenpapier zu interessieren und hinterlassen begeisterte Kommentare auf der Facebook-Seite von Smooth Panda. Da schreiben Fans „saugstark, reißfest, stabil – wow“ oder „Das beste Toilettenpapier, was ich je hatte!“ So wird der bisherige Alltagsgegenstand langsam zu einer Marke ausgebaut.

Die größten Bestände gehen im Moment über den Online-Shop auf www.smoothpanda.de direkt an private Endverbraucher. Sechs Kartons zu acht Rollen, jede mit 240 Blatt, kosten knapp 36 Euro. Viel auf den ersten Blick. Jost versucht zu beruhigen: „240 Blatt hat fast niemand auf einer Rolle. Wenn man das runterrechnet, gleicht sich das wieder aus. Immerhin gibt es für das Geld auch 48 Rollen Papier.“

37 Händler vertrieben inzwischen deutschlandweit Smooth Panda. Zwei Großhändler aus Italien und Österreich sind auch schon mit im Geschäft.

Richtig vom Geschäft mit dem Toilettenpapier zu leben, sei jedoch noch nicht möglich. Jost, der ebenfalls Manager von zwei anderen Projekten ist: „Wir zahlen uns ein kleines Gehalt aus. Aber richtig reichen tut es noch nicht.“ Das gehöre aber am Anfang dazu. Einen echten Plan B haben die ehrgeizigen Reinfelder nicht. „Falls es hart auf hart kommt, haben wir aber viel gesammelte Erfahrung und eine echt gute Geschichte für das nächste Bewerbungsgespräch“, ist sich der 27-jährige Karsten Lutz sicher.

Lukas Zeidler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sohn Enno (71) führt die Erdbeerhöfe in Delingsdorf und Hohenwieschendorf.

14.05.2016

Begegnung überwindet Angst.

14.05.2016

Die Fahrbahndecke der A 21 in Höhe der Anschlussstelle in Bad Oldesloe-Süd im Übergangsbereich zur Bundesstraße 75 wird nächste Woche erneuert.

14.05.2016
Anzeige