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Stormarn Just for fun: Lütjenseer Pop-Chor singt ganz ohne Noten
Lokales Stormarn Just for fun: Lütjenseer Pop-Chor singt ganz ohne Noten
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12:20 11.11.2013
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Lütjensee

Es groovt im Waldstadion in Lütjensee, die Kehlen werden frei, die Füße wippen, die Finger schnippen. Les Humphries ist auferstanden mit Songs wie „Mexico“ oder „Mama Loo“ machen sich die Mitglieder des Pop-Chores „Just for fun Singers“ so richtig warm. Jeden Montag kommen sie im großen Saal zusammen, um von 20 bis 22 Uhr zu proben. Viele von ihnen sind seit fast zehn Jahren aktiv. Denn 2004, auf einem Straßenfest in der Gemeinde, hat Chorleiter Hans-Joachim Haack, den bunten Chor gegründet.

„Ich war damals gerade nach Lütjensee gezogen“, erinnert sich der Chorleiter. Auf besagtem Straßenfest sprach er die Leute an, im Ehepaar Heike und Dieter Strehle, fand er sofort begeisterte Sänger.

Der Chor, der seine Fans mit englischer Popmusik begeistert, wuchs rasch. Sicherlich auch, weil für Haack gilt: „Jeder kann mitmachen, jeder ist musikalisch.“ Und so fällt auf, dass die Sänger - immerhin fünf Männer stärken den Chor als Tenöre - zwar Blätter in der Hand haben, auf denen aber keine Noten stehen.

Noten liegen allein auf dem Keyboard des Chorleiters. Zu lesen sind auf den Papieren der Sänger die Songtexte, mit persönlichen Randbemerkungen versehen. Denn alle weiteren Instruktionen gibt es aus erster Hand von „Hajo“, wie ihn alle nennen, Haack. Das macht das Singen für viele einfacher, senkt sicherlich bei einigen auch die Hemmschwelle. Haack schwört auf sein System und ist stolz, mit seinen Leuten so weit gekommen zu sein. „Ich habe mehr erreicht, als ich gedacht habe“, blickt er auf die Anfänge der „Just for fun Singers“ zurück.

Haack sieht seine Meinung bestätigt, dass jeder Mensch musikalisch ist. Und genau darauf basiert ja der Chor. Ein Vorsingen gibt es nicht, das einzige, was seine Mitglieder mitbringen müssen ist eine große Lust am Singen, eine Liebe zur Musik. Und die haben alle, die da stehen. Füße wippen, Finger schnippen, die meisten Mitglieder sind mit der Musik groß geworden, die sie hier singen. „If you leave me now“, von Chicago erklingt im Probensaal. „Noch mal der erste Sopran bitte.“ Haack spielt das Stück, nickt den Damen zu. „Schön auf die Betonung achten und nicht so den Ton von unten ziehen“, sagt er. Gutes Hören ist wichtig, nur so lässt sich umsetzen, was der Chorleiter vorsingt. „Jetzt der zweite Sopran“. Die langen Töne sollen leiser ausgesungen werden. „Das war jetzt wohl die nondynamische Version“, urteilt Haack. Und hat die Lacher auf seiner Seite. Denn der Spaß steht hier im Mittelpunkt.

„Wir sind hier wirklich mit viel Freude dabei“, findet Tenor Matthias Meyne, der zu den Proben jedes Mal extra aus Hamburg-Berne anreist. Ihm zur sängerischen Seite stehen in Lütjensee noch vier andere Tenöre. Mehr Männer sind eben gerade nicht dabei. Auch wenn es ein Pop-Chor ist, „haben wir natürlich sehr ernsthafte Proben“, berichtet Meyne, um lachend hinzuzufügen: „Aber Hausaufgaben gibt es keine auf.“

Das soll auch so sein. Hans-Joachim Haack unterstreicht noch einmal die Bedeutung des Singens. „Es hilft Stress abzubauen, das Immunsystem wird gestärkt und außerdem fördert es auch die Gemeinschaft.“ Das bestätigt auch die Lütjenseerin Rita Olewinski, die seit Gründung des Chores dabei ist. „Es ist eine tolle Gemeinschaft.“ Und Heidrun Bromm findet das Singen tatsächlich „wichtig für die Seele“. Es ist ein perfekter Ausgleich für die Krankenschwester, die mit Dementen arbeitet.

Die „Just for fun Singers“ stellen ihr Können oft unter Beweis. Regelmäßig laden sie zur „Oldie-Night-Party“ ins Waldstadion. Das ist einer ihrer persönlichen Höhepunkt, hier zeigen sie einem großen Publikum, was sie so drauf haben - mit dem Ergebnis, dass nicht nur sie grooven, sondern auch die Zuschauer. „2011 haben wir das ausfallen lassen und in diesem Jahr machen wir das auch nicht“, erklärt Haack allerdings. Dafür gibt es eine große Feier zum Zehnjährigen im kommenden Jahr. Die wird anders sein, als gedacht. Statt der rauschenden Oldie-Party-Night gibt es am 27. September im Waldstadion ein großes Chorkonzert. „Einige Sänger werden dabei auch solistisch auftreten“, verrät der Chorleiter. Und auch dann wird es wieder grooven.

K. Kuhlmann-Schultz

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