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Stormarn Kampf ums Radfahren auf dem Fußweg
Lokales Stormarn Kampf ums Radfahren auf dem Fußweg
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20:48 15.09.2016
Verboten: Das Verkehrszeichen weist den Verlauf als reinen Fußweg aus. Herbert David fordert, auch Radler darauf zuzulassen. Quelle: Krog

Der Kampf des Herbert David, seines Zeichens Bürgermeister von Klein Wesenberg, gegen den Goliath Stormarner Verkehrsaufsicht geht weiter.

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Klein Wesenbergs Bürgermeister Herbert David will Radfahrer nicht auf die gefährliche Dorfstraße leiten.

„Wir verurteilen dieses Vorgehen aufs Schärfste.“ Herbert David,Bürgermeister

Jetzt hat die Behörde in Bad Oldesloe ihm und seinem viel durchfahrenen Dorf das eigenhändig und -mächtig angebrachte Schild mit dem schwarzen Fahrrad auf weißem Grund am nach Lübeck hin gelegenen Ortseingang weggenommen und durch zwei weiße Fußgängerfiguren auf blauem Untergrund ersetzt. Verkehrszeichen 239 zeigt Mutter und Kind.

„Die haben es einfach abmontiert“, sagt der Bürgermeister. Dabei will er seit Jahren nur erreichen, dass die Radfahrer diesen Weg neben der Straße auch innerorts benutzen können. „Jetzt müssen sie in Klein Wesenberg auf die Straße ausweichen.“ An einer Stelle, wo das aktuell aufgestellte Geschwindigkeitsmessgerät 48 Prozent aller ankommenden Autos als zu schnell und mit Geschwindigkeiten von bis zu 85 Stundenkilometer identifiziert hat. Wo inzwischen noch mehr Niendorfer und Moislinger entlangfahren, „weil die Lübecker bei Famila in Reinfeld einkaufen wollen“.

27 Jahre habe Klein Wesenberg für diesen Radweg zwischen Lübeck und Klein Wesenberg gekämpft. Dann war die Welt eine Weile in Ordnung. Und jetzt sei diese Stelle „zu einer gefährlichen Ecke“

geworden. „Wir Klein Wesenberger verurteilen dieses Vorgehen der Verkehrsaufsicht aufs Schärfste“, sagt Herbert David und zeigt sich derart zornig, dass er frank und frei von einem „wahren Schildbürgerstreich“ spricht. Die Gemeinde habe bereits Widerspruch erhoben.

Der Ärger begann vor zwei Jahren, nachdem auf den Radwegen nach Klein Schenkenberg und nach Lübeck die blauweißen Radwegschilder verschwunden waren. Gezwungenermaßen allerdings. Nach einem Grundsatzurteil des Bundesverwaltungsgerichtes zur Radwegbenutzungspflicht dürfen Radfahrer im Regelfall auf der Fahrbahn fahren. „Städte und Gemeinden sollen nur im Ausnahmefall ihre Radwege als benutzungspflichtig kennzeichnen dürfen“, hieß es beim Allgemeinen Deutschen Fahrradclub. Eine Radwegebenutzungspflicht dürfe nur angeordnet werden, wenn aufgrund der besonderen örtlichen Verhältnisse eine Gefahrenlage bestehe, die das allgemeine Risiko einer Rechtsgutbeeinträchtigung erheblich übersteige.

David verlangte „ein Machtwort von höherer Stelle“, weil er diesen Zustand für „eine Unmöglichkeit“ hielt und immer noch hält. Allein in Klein Wesenberg seien neun dieser Radwege-Nutzungsschilder abgebaut worden. Wie ein Hohn schien es den Dorfbewohnern, dass hinter ihren Ortsgrenzen nach Lübeck und zum Lauenburgischen hin genau diese blauweißen Hinweise stehen geblieben waren. Und heute lassen die Lübecker immer noch zu, dass Radfahrer darauf fahren können. Aber eben nur bis Klein Wesenberg, weil ab dort die Stormarner Verkehrsaufsicht das Sagen hat.

David griff zum Schraubenzieher und montierte wenigstens am Ortseingang einen eigenen Radwegehinweis an. Aber seit drei Wochen ist das Schild verschwunden und durch eben jenes Fußgängerschild ersetzt worden. „Das Schild kommt wieder dahin“, droht David. „Wenn nicht, hängen wir den Unsinn an die große Glocke.“

 Uwe Krog

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