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Stormarn Kandidaten im Kreuzverhör
Lokales Stormarn Kandidaten im Kreuzverhör
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12:08 17.09.2017
Antje Lennartz aus Pölitz (l.) interviewt im Bad Oldesloer Bürgerhaus Ulrike Täck (Grüne) aus Boosteedt. Beide lobten das Dating wegen des schnellen und intensiven Gesprächs, das im Straßenwahlkampf nicht so einfach zustande käme. <QM> Quelle: Bettina Albrod
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Ziel des Speed-Datings ist die Information über die unterschiedlichen Parteiprogramme im direkten Vier-Augen-Gespräch. „Wir versuchen damit, neue Formate anzubieten“, erklärt der Stormarner LN-Lokalchef Olaf Bartsch, der dafür ins Bürgerhaus geladen hat. Sechs Leser hatten die Gelegenheit.
„Es hat mich gereizt, echte Politiker vor Ort zusammen zu haben“, begründet Andrea Mandt ihre Teilnahme. Sie unterrichtet in Oldesloe und findet es wichtig, das Thema Politik zu vermitteln. Die Glocke klingelt, und schon sitzt sie Gero Storjohann gegenüber. Hier erfährt sie, dass die CDU 25 Millionen Euro für Radschnellwege investieren will, um mehr Pendler aufs Rad zu bringen. Nebenan fühlt Betriebswirt Manfred Lieder aus Oldesloe dem FDP-Mann auf den Zahn. Er sei dabei, weil er politisch interessiert sei. „Diese Wahl gehört zu den wichtigsten, die wir seit langem hatten.“ Seine Frage an Tobias Mährlein: „Was hat die FDP neben Dressman Lindner und Lautsprecher Kubicki noch zu bieten?“ Mährlein will die Bildung zukunftsfähig machen. „Wir haben einen Investitionsstau bei Bildung und Glasfaser, da möchte ich große Veränderungen durchführen.“ Heiko Evermann (AfD) soll Ivonne Stresius aus Reinfeld erklären, was deutsche Werte für ihn sind. „Die Sprache, Humanismus, Worte statt Gewalt, der Rechtsstaat und das christliche Erbe“, antwortet er und warnt vor einer Überfremdung durch den Islam. „In Berlin werden Kippa-Träger von Muslimen angepöbelt, so weit darf es nicht kommen.“

Antje Lennartz aus Pölitz sitzt selber in der Gemeindevertretung und hat viele Fragen vorbereitet. „Wie sieht es beim Thema Verkehr aus?“, will sie von Miro Berbig (Die Linke) wissen. Der träumt von einem sozialen Car-Sharing in der Stadt, wo bestenfalls keiner mehr ein eigenes Auto hat: „Beim Antrieb wird es alternative Techniken wie Elektroautos oder Wasserstoffwagen geben.“ Im Umweltschutz sieht auch Ulrike Täck (Grüne) ihr Anliegen. „Meine Partei will eine bunte Gesellschaft, in der alles geht.“ Sicherheit ist für die Leser ein Anliegen, hier will Alexander Wagner (SPD) das Gesetz zur Überwachung im Netz rückgängig machen. „Das stellt Leute unter Generalverdacht.“ FDP und CDU setzen auf mehr Polizisten und Überwachung. Altersarmut und Rentensystem beschäftigen alle Frager. „Die Arbeitswelt wird sich vollkommen ändern“, verweist Storjohann auf die Digitalisierung, „vielleicht wird es irgendwann eine Maschinensteuer und ganz neue Renten-Konzepte geben.“

„Warum sollte ich der FDP meine wertvolle Zweitstimme geben“, will Udo Reichle-Röber (53) aus Barnitz von Tobias Mährlein wissen. Der FDP-Mann glaubt zwar, dass die ruhige Art von Angela Merkel Vorteile habe, dass aber auch vieles eingeschlafen sei, was sich mit der FDP ändern soll. Bei der Bildung sind der LN-Leser und Mährlein auf einer Wellenlänge. „Dass der Bund nicht ins Bildungswesen der Länder eingreifen kann, muss aufgebrochen werden“, hat sich der Liberale vorgenommen.

Die Frage, warum bei Großkonzernen mit entsprechender Lobby immer wieder vom Verursacherprinzip abgewichen wird, brennt dem selbstständigen Unternehmer Jörg Jokisch (63) aus Bad Segeberg unter den Nägeln. „Das ist unerhört. Und dann schachert die Automobilindustrie auch noch um die Grenzwerte“, entrüstet sich Ulrike Täck. Sie sei nicht gänzlich gegen Lobbyarbeit, fordere aber ein transparentes Lobbyregister. „Wenn ich falsch kalkuliere, gehe ich in die Insolvenz. Großkonzerne aber bekommen staatliche Hilfen. Warum wird die Commerzbank mit Steuergeldern gerettet“, will der Segeberger von Gero Storjohann wissen, der als einziger aller anwesenden Bundestagskandidaten bereits im Bundestag sitzt – und das seit vier Legislaturperioden. „Man muss die Auswirkungen bedenken. Als in Amerika die Lehmann-Brothers-Bank pleite ging, war das ordnungspolitisch richtig, aber genau das hat eine Weltkrise ausgelöst“, antwortet Storjohann.

Ivonne Stresius (52) aus Reinfeld fühlt Ulrike Täck mit der nachhaltigen Bewirtschaftung von Wäldern auf den Zahn: „Ich habe als Kind schon immer davon geträumt, im Wald zu wohnen“, springt Täck sogleich an. Die Reinfelderin bohrt nach und entlockt ihr die Aussage, sich um das Waldgesetz kümmern zu wollen. Doch Täck ist auch ehrlich: „Sie kennen sich viel besser mit dem Waldgesetz aus als ich.“
Was die Kandidaten aus dem LN-Speed-Dating mitgenommen haben, lesen Sie am Dienstag. B. Albrod und P. Dreu

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