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Stormarn Karate als Therapie
Lokales Stormarn Karate als Therapie
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20:40 27.12.2017
Den Körper kennen und beherrschen lernen: Michael Schwarzloh und seine Schüler beim Karate-Training in Bad Oldesloe. Quelle: Foto: Susanna Fofana
Bad Oldesloe

„Hajime“ heißt übersetzt „los“ und ist beim Training häufig zu hören. „Itch“, „ni“, „san“ zählt der Oldesloer Gründer des therapeutischen Karates jeden Schritt seiner Schüler mit. Mal gleiten die Füße wie beim Skilaufen nach vorn, mal werden Tritte angedeutet. Die Hände gehen als Fäuste geradeaus oder zur Abwehr nach oben. Da haben Karateneulinge schon zu tun, blitzschnell zwischen rechts und links zu sortieren.

Da Karate seine Ursprünge in Japan hat, entstammt auch der Schulname dieser Sprache. „Kan-Yoh“ heißt übersetzt „Toleranz“. Die rückt der Karatelehrer in seiner Schule für therapeutisches Karate in den Mittelpunkt. Schwarzloh: „Ich hole die Menschen da ab, wo sie sind.“ Da dies am besten in kleinen, individuellen Gruppen gelingt, wechselte er vom Vereinsformat in eine private Schule. In der können er und sein Team den Schülern die Aufmerksamkeit und Zeit bieten, die sie gerade benötigen.

Schwarzloh war schon immer wichtig, dass niemand ausgegrenzt wird. So fing er an, mit ADHS-Kindern zu arbeiten, mit extro- und introvertierten Jungen und Mädchen sowie mit hochbegabten Kindern. Beraten ließ er sich von Verhaltenstherapeuten, Heilpraktikern und Psychotherapeuten. Auch an der Arbeit mit psychisch Kranken hat Schwarzloh „ganz doll Spaß“, wie er es bewusst kindlich ausdrückt.

Er selbst kam 1969 erstmals mit Karate in Kontakt. Damals wohnte er noch in Bargfeld-Stegen und hielt es nur kurze Zeit durch, mit dem Rad zum Bahnhof Bargteheide und von dort mit dem Zug zum Training nach Bad Oldesloe zu fahren. Erst als er 1974 in die Kreisstadt zog, stieg er richtig in den Karate-Weg ein. „Ich habe nie wieder aufgehalten“, sagt der Träger des 6. Dan. Schon zu Vereinszeiten schlug Schwarzlohs Training eine therapeutische Richtung ein. 1999 gründete er schließlich seinen Kan-Yoh-Verein in Hamburg und ließ sich das Label patentieren.

2002 wurde die gleichnamige private Karateschule daraus. Mit seinem therapeutischen Konzept ist der 64-Jährige mittlerweile in sechs Städten vertreten. Außer in Bad Oldesloe unter anderem in Bad Segeberg, Reinfeld, Bargteheide und Ahrensburg. Die Leiter, darunter Sozialpädagogen und Ergotherapeuten, hat Schwarzloh fast alle selbst in Shotokan-Karate ausgebildet.

Der Vollblut-Karateka möchte jeden einzelnen seiner so unterschiedlichen Schüler nach vorne bringen. Mit Erfolg. Denn sogar manch Zappelphilipp nutzt die Chance und persönliche Unterstützung, um später einmal selbst ganz vorne zu stehen und die Gruppe anzuleiten. Mal lobt Schwarzloh, mal provoziert er einen Schüler liebevoll, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. Er versucht, Halt zu geben.

Geht auf die Menschen zu. Entdeckt ihre Talente. Guckt immer ganz genau hin. Schwarzloh: „Jeder wird so gewertschätzt, wie er ist.“

Mehr als 160 Mitglieder hat die therapeutische Karateschule Kan- Yoh allein in Bad Oldesloe. Hier arbeitet Schwarzloh mit dem Kinder- und Jugendhaus St. Josef und dem Haus Ingrid zusammen. Auch wenn sein Hauptangebot auf Kinder abzielt – in Bad Oldesloe trainieren mittlerweile viele Erwachsene. Timo Kröger als sein Junior-Partner soll irgendwann die Nachfolge in Bad Oldesloe antreten.

In der Kreisstadt-Karateschule trainieren viele Mädchen und Frauen. Für sie bietet Sabine Krüger Lehrgänge wie „Kämpfen wie die Katzen“ an. Zudem gibt es regelmäßig Kloster-Lehrgänge für alle. International ist Kan-Yoh bei Europa- und Weltmeisterschaften innerhalb des Shotokan-Karate-Verbandes dabei.

Schwarzloh selbst lernte zunächst nach seiner Schulzeit Klempner und Installateur, danach Groß- und Außenhandelskaufmann im Sanitärbereich. Ab dem 27. Lebensjahr setzte er sich mit Massage auseinander, erlernte diverse ganzheitliche Methoden und machte sich 2000 in Bad Oldesloe mit einer eigenen Massagepraxis selbstständig.

Seine Vision für 2018: eine Karate-Gruppe mit Menschen aufbauen, „bei denen der Lack etwas ab ist, die die eine oder andere Beule aufweisen“. Im Fokus soll der Gesundheitszustand stehen. Schwarzloh möchte denjenigen Mut machen, die denken, dass sie vieles nicht mehr können. „Das ist die Richtung, die ich anstrebe.“ Eines wird wieder ganz entscheidend für ihn sein: „Dass die Menschen sich da wohlfühlen, wo sie sind.“

Info: In Bad Oldesloe wird in der Hagenstraße 30b trainiert. Dojo-Leiter ist Michael Schwarzloh. Zu erreichen ist die Schule unter Telefon 04531/67464 oder per E-Mail

Michael.Schwarzloh@kan-yoh.de.

Infos: www.kan-yoh.de

 Von Susanna Fofana

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