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Stormarn Kassen-Studie: Krankenstand in Stormarn leicht gesunken
Lokales Stormarn Kassen-Studie: Krankenstand in Stormarn leicht gesunken
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11:06 08.11.2017
Dr. med. Maike Oldigs und André Bargmann von der DAK-Krankenkasse im Schlaflabor der Lungenclinic Großhansdorf. Quelle: Foto: Matzen
Großhansdorf

Stormarn hat Rücken: 2016 verursachten wie schon in den Jahren zuvor Muskel-Skelett-Erkrankungen die meisten Krankheitsfälle. Mit 294 Fehltagen – bezogen auf 100 erwerbstätige Versicherte der DAK-Krankenkasse – waren Rückenerkrankungen die Nummer eins bei den Krankschreibungen. Psychische Erkrankungen wie Depressionen, Neurosen und Angststörungen lagen bei den Beschäftigten auf Platz zwei mit 237 Fehltagen. Auf Platz drei rangierten 2016 Erkältungskrankheiten wie Bronchitis, Husten oder Schnupfen mit 199 Fehltagen. Danach folgten als weitere Ursachen für das Fernbleiben vom Arbeitsplatz Verletzungen, Infektionen und Erkrankungen des Kreislaufsystems.

„Chronisch schlechter Schlaf kann der Gesundheit ernsthaft schaden. André Bargmann DAK-Krankenkasse

„Auffällig ist: Im Vergleich zu 2015 wurde in Stormarn 2016 ein Rückgang der Krankschreibungen aufgrund psychischer Erkrankungen um elf Prozent registriert – das waren 28 weniger Ausfalltage als im Jahr zuvor“, erläuterte André Bargmann, DAK-Chef Ahrensburg, die Studie. Dennoch könne man nicht davon ausgehen, dass psychische Erkrankungen auf dem Rückzug sind. „Die Zahlen entsprechen nicht dem Langzeittrend. Bei psychischen Erkrankungen ist die Tendenz insgesamt steigend“, sagte Dr. Maike Oldigs, Leitende Oberärztin des Schlaflabors Großhansdorf. Langfristige Beobachtungen seien hinsichtlich ihrer Diagnosen aussagekräftiger. „Man könnte diese Zahlen damit begründen, dass sich die ambulanten Angebote verbessert haben, deren Ziel eine schnelle Rückkehr in den normalen Alltag ist“, so Oldigs. Die DAK-Statistik zeigt zudem an, dass die Stormarner Versicherten weniger oft wegen Erkältungskrankheiten fehlten – hier gab es zehn Prozent und somit 23 weniger Ausfalltage. Bei Muskel-Skelett-Erkrankungen gab es zwei Prozent weniger Fehltage.

„Wir informieren nicht nur regelmäßig über den Krankenstand im Kreis Stormarn, sondern schauen darüber hinaus auf wichtige Einflussfaktoren für Erkrankungen“, informierte André Bargmann. Die Analysen würden helfen, gezielter Krankheiten vorzubeugen. In ihrem aktuellen Gesundheitsreport untersuchte die DAK das Schwerpunktthema Schlafstörungen. Fehlzeiten aller erwerbstätigen DAK-Mitglieder wurden dafür ausgewertet, dazu wurden bundesweit 5000 Beschäftigte zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Die Ergebnisse wurden mit einer DAK-Untersuchung aus dem Jahr 2010 verglichen. Fazit: Schleswig-Holstein schläft schlecht.

Knapp 78 Prozent aller Erwerbstätigen im Norden berichten von Schlafproblemen. Seit 2010 stieg der Anteil der von Ein- und Durchschlafproblemen betroffenen 35- bis 65-jährigen Arbeitnehmer um 31 Prozent an. „Jeder zwölfte Arbeitnehmer in Schleswig-Holstein leidet unter schweren Schlafstörungen“, so Bargmann. Dieser Trend wirkt sich auch auf die Krankmeldungen aus. Die Fehltage stiegen um 38 Prozent auf 3,65 Tage je 100 Versicherte.

Die Crux bei der Sache: Die große Mehrheit der Betroffenen geht nicht zum Arzt, sondern versucht, allein mit den Schlafstörungen zurecht zu kommen. „Weil Schlafstörungen im allgemeinen nicht als medizinische Erkrankung wahrgenommen werden. Dabei haben die Betroffenen einen enorm hohen Leidensdruck“, weiß Dr. Oldigs. Wegen der schlechten Schlafqualität seien die Erkrankten tagsüber todmüde und völlig erschöpft. Die Folgen können drastisch sein.

„Der Sekundenschlaf wird für viele Autounfälle verantwortlich gemacht. Man geht davon aus, dass 20 Prozent aller Lkw-Unfälle auf unbehandelte Schlafapnoe zurückzuführen sind“, so Dr. Oldigs.

Schlafapnoe, das sind Atemaussetzer in der Nacht, die dazu führen, dass der Körper im Schlaf keine Erholung bekommt. „Die Betroffenen wachen morgens total groggy mit trockenem Hals auf“, so die Medizinerin, die Schlafstörungen in der Lungenclinic Großhansdorf untersucht und behandelt. Wer Schnarcher ist oder unter Schlafstörungen leidet, dem empfiehlt Oldigs, einen Arzt aufzusuchen.

Schlafprobleme

Ursache für Schlafprobleme sind unter anderem Arbeitsbedingungen. Wer häufig an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit arbeitet, steigert sein Risiko, schwere Schlafstörungen zu entwickeln. Auch starker Leistungsdruck, Überstunden, Nachtschichten sowie ständige Erreichbarkeit gelten als Riskofaktoren. Die DAK bietet ihren Versicherten eine Schlafberatung per Telefon an. Die Hotline 040/

325325805 ist rund um die Uhr erreichbar.

 Britta Matzen

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