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Stormarn Kaum Platz: Amtsverwaltung sucht neuen Standort
Lokales Stormarn Kaum Platz: Amtsverwaltung sucht neuen Standort
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21:23 05.07.2016
Alltag in der Verwaltung des Amtes Oldesloe-Land: Katharina Weber (l.) und Britta Burmester arbeiten in ihrem Büro auf engstem Raum. Wenn Besucher kommen, müssen erst Aktenstapel fortgeräumt werden. Telefonieren kann jeweils nur eine von ihnen wegen der Lautstärke. Quelle: Fotos: Dvd

Wenn Katharina Weber und Britta Burmester Besuch in ihrem Büro empfangen wollen, müssen sie erst einmal die Akten wegräumen. Sonst ist kein Platz da.

Büros und Wartezimmer in der Oldesloer Mewesstraße platzen aus allen Nähten – Ein Neubau könnte Abhilfe schaffen – Amt Oldesloe-Land erwägt Kooperation mit der Stadt.

„Wir haben auch nur ein Telefon. Zwei Leute können zur selben Zeit nicht sprechen. Da versteht man sein eigenes Wort nicht“, erklärt Katharina Weber.

Ihr Doppelbüro ist nicht das einzig enge im Verwaltungsgebäude des Amtes Oldesloe-Land. Auch die Wartezone im Erdgeschoss ist alles andere als großzügig geschnitten. „Wir können nicht genügend Sitzplätze anbieten. Wenn hier Sprechstunde ist, müssen etliche Leute stehen. Außerdem können wir den Raum nicht lüften“, erzählt der Leitende Verwaltungsbeamte Steffen Mielczarek.

Auch im Ausschuss der amtsangehörigen Gemeinden wurde über Alternativen nachgedacht. Die alte Landwirtschaftsschule, die zeitweise im Gespräch war, komme als Standort nicht mehr in Betracht, erläuterte Steffen Mielczarek am Montagabend in Pölitz. Die Stadt Bad Oldesloe habe stattdessen angeboten, die einstige Familienkasse anzumieten, die derzeit als Flüchtlingsunterkunft genutzt werde.

„Wir haben das Gebäude besichtigt. Da es zu alt ist und sich die räumlichen Gegebenheiten nicht eignen, kommt es als Verwaltungssitz nicht in Frage“, sagte er. Ein Teil sei zudem an die Stormarner Werkstätten vermietet.

Interessant ist das Gebäude für die Verwaltung aber in anderer Hinsicht. So schlug Mielczarek vor, eine Kooperation mit der Stadt bezüglich der Unterbringung von Flüchtlingen einzugehen. Die Unterkunft am Sandkamp werde von den Johannitern so intensiv betreut, wie es dem Amt Oldesloe- Land nicht möglich wäre.

Der Amtsausschussvorsitzende Peter Lengfeld hatte zuvor berichtet, dass in den Gemeinden zurzeit 114 Asylsuchende wohnen, 34 in der Grabauer Mühle, sieben in Lasbek, drei in Neritz, 21 in Rethwisch, 18 in Rümpel, 23 in Steinburg und acht in Travenbrück. Alleinstehende Männer seien überwiegend in Grabau untergebracht. Aufgrund der unterschiedlichen Herkunft und Religionszugehörigkeit der Flüchtlinge komme es öfter zu Konflikten. Da nur sporadisch ein Betreuer dort sein könne, sei eine Kooperation mit der Stadt Bad Oldesloe sinnvoll. Wenn einige von ihnen in den Sandkamp umzögen, könne die Mühle als Quartier für Familien genutzt werden.

Die Bürgermeister und anderen Vertreter aus den Amtsgemeinden erklärten sich grundsätzlich einverstanden mit einer solchen Regelung. Mielczarek sagte, er könne sich auch eine weitergehende Kooperation mit der Stadt im Bereich Soziales vorstellen. Ob dies gewünscht werde und zu welchen Konditionen, müsse nun mit der Stadt Bad Oldesloe beraten werden. Aus den Reihen der Bürgermeister kam zudem die Anregung, das Amt möge in beide Richtungen verhandeln. So sei es durchaus denkbar, dass die Verwaltung Oldesloe-Land perspektivisch Aufgaben im Sinne der Stadt erledigen könne.

„Die Stadt steht Gesprächen offen gegenüber“, sagte Mielczarek gegenüber den LN. Jetzt müsse ermittelt werden, wie hoch die Kosten für das Amt sind, ob sich das Delegieren der Aufgaben wirtschaftlich rechne und sich der erhoffte Synergieeffekt auch tatsächlich einstelle. Unklar sei zudem, ob eine Kooperation auch von den Oldesloer Stadtverordneten beschlossen werden müsse.

Unterdessen geht die Suche nach einem geeigneten neuen Standort weiter. Sollte sich kein passendes Objekt finden, komme auch ein Neubau in Betracht, sagte Mielczarek. Bad Oldesloe sei aufgrund der guten Erreichbarkeit ein attraktiver Standort. „Wir haben schon ein Grundstück im Auge. Aber wenn es innerhalb der Stadt nichts wird, wäre auch ein Umzug aufs Land denkbar. In Bad Oldesloe sind die Grundstückspreise ja sehr hoch“, sagt Mielczarek.

Rolf-Joachim Lamprecht betreut Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer

„Ich helfe gern, mir macht die Arbeit Spaß“, sagt Rolf-Joachim Lamprecht (57). Er ist als neuer Mitarbeiter in der Ordnungs- und Sozialabteilung des Amts Oldesloe-Land für die Betreuung von Flüchtlingen zuständig. „Ich will alle regelmäßig besuchen, damit sie wissen, dass sie nicht in der Luft hängen“, sagt er. Denn viele alltägliche Dinge, wie etwa das Mülltrennen, sei den Flüchtlingen nicht geläufig. Es bedürfe erklärender Worte, dass sie den Sinn verstehen.

Dem Jersbeker geht es aber auch um die ehrenamtlichen Helfer. „Pegida hin oder her. Die Mehrheit hier hilft aktiv und auch sie müssen Unterstützung erfahren“, sagt Lamprecht. Er kann sich gut in die Situation derer einfühlen, die sich unentgeltlich um die Integration der Neuankömmlinge aus Krisengebieten kümmern. Denn so hat er selbst angefangen. Vor einigen Jahren hatte er noch Arbeit in der Max-Bahr-Zentrale. Als der Baumarkt pleite ging, wurde er arbeitslos. „Ich wollte nicht untätig bleiben, da habe ich mich für Flüchtlinge ehrenamtlich eingesetzt“, sagt Lamprecht. Das Amt Bargteheide-Land stellte ihn als Flüchtlingsbetreuer ein, bevor er zum Amt Bad Oldesloe-Land wechselte.

 Dorothea von Dahlen

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