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Stormarn Kein Nachfolger in Sicht
Lokales Stormarn Kein Nachfolger in Sicht
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09:33 28.11.2018
Pastor Erhard Graf verleiht dem Erntedankfest einen modernen und hochaktuellen Inhalt. Quelle: E-Mail-LN-Stormarn
Reinfeld

Das Thema Kirche bereitet den Verantwortlichen im Amt Nordstormarn Kopfzerbrechen. Pastor Erhard Graf scheidet Ende des nächsten Jahres aus. „Wie es aussieht, wird kein Nachfolger gesucht, beziehungsweise die Stelle wird nicht wieder besetzt. Das hat Pastor Graf mehrfach öffentlich formuliert“, sagt Amtsleiter Stefan Wulf. Im vergangenen Jahr habe Wulf bereits bei Probst Dr. Daniel Havemann nachgehakt. Damals habe er ihn so verstanden, dass ein Nachfolger gefunden werden solle. „Jetzt inzwischen hört sich das allerdings anders an. Es kommen aus dem Kirchenkreis Stimmen, wo man klar davon ausgehen kann, dass die Stelle nicht nachbesetzt wird“, so der Amtsleiter.

Zu wenige Pastoren auf dem Markt

Verschiedene Gründe würden angeführt. Unter anderem, dass zu wenige Pastoren auf dem Markt seien. Wulf: „Parallel wird auch darüber diskutiert, wie man diese Pfarrstelle aufteilen kann. Diese Entwicklung gefällt uns überhaupt nicht.“ Zwei Kirchengemeinden betreut Pastor Graf: Klein Wesenberg und Hamberge. In beiden Gemeinden gibt es jeweils eine Kirche, in der Gottesdienste stattfinden. Zudem hält Pastor Graf regelmäßig Gottesdienste in Trenthorst ab, das wie viele weitere Ortschaften zum Kirchenspiel Klein Wesenberg gehört. Pastor Graf betreut die Jugend und die älteren Menschen. Nicht zu vergessen die Kindergärten in Klein Wesenberg und Hamberge, die durch die evangelische Kirche getragen werden. „Es ist schwer vorstellbar, dass diese Dinge aus den nächstgelegenen Kirchengemeinden von Reinfeld oder Zarpen geleistet werden“, so Wulf. Oder gar schlimmer noch: Wenn all das wegfiele und die Kirche sich ganz zurückziehe.

Die Kirche verbreite schlechte Stimmung

Amtsvorsteher Paul Friedrich Beeck kritisiert vor allem die schlechte Stimmung, die seitens der Kirche verbreitet werde. „Man sagt, es sind zu wenig Kirchenmitglieder und zu viele, die austreten. Alles wird negativ dargestellt. Meiner Ansicht nach ist es eine Chance, wenn der Pastor wechselt. Man kann mal was Neues machen und Leben in die Kirchengemeinde bringen. Da ist auch der Kirchenkreis gefordert, eine positive Stimmung zu verbreiten.“ Das solle allgemein für die evangelische Einrichtung gelten, nicht nur in Hamberge oder Klein Wesenberg.

45 Millionen Euro Mehreinnahmen

„Am Geld kann’s schließlich nicht liegen“, sagt Beeck. Gerade wurde der Haushalt 2019 der Nordkirche verabschiedet. Danach sind Einnahmen von rund 580 Millionen Euro geplant, 45 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Dank der guten wirtschaftlichen Lage.

Das sagt die Kirche

Wie geht es weiter in den Kirchengemeinden Klein Wesenberg und Hamberge? Wird ein Nachfolger gesucht? Oder soll eine Vertretung den Gottesdienst und die Gemeindearbeit übernehmen? „Das hängt davon ab, ob der sogenannte Kirchspielprozess starten wird“, sagt Sebastian von Gehren, Sprecher des Kirchenkreises Plön-Segeberg. Genau zu diesem Thema tagt heute in Bad Segeberg die Synode des Kirchenkreises Plön-Segeberg.

Die Synodalen entscheiden darüber, ob sich Kirchenkreis und Kirchengemeinden in den Kirchspielprozess begeben. Sollte es dafür eine Zustimmung geben, werden sich in Zukunft jeweils mehrere Kirchengemeinden in einer Region zu einem Kirchspiel zusammenschließen. „Momentan steht noch nicht fest, wie und ob die Stelle von Pastor Erhard Graf besetzt wird. Aber dieser Prozess wird nicht von oben entschieden, sondern er wird in die Gemeinden weitergegeben. In der Region wird man sich Gedanken machen, wie man künftig mit den vorhandenen Pfarrstellen umgeht“, so von Gehren. „Das bedeutet aber, das Klein Wesenberg und Hamberge selbstverständlich pastoral versorgt sein werden.“

Für Pastor Erhard Graf ist die Entwicklung keine Überraschung, sondern eine logische Folge dessen, dass viele Bürger der Kirchengemeinde nicht mehr angehörten. „Nur noch 40 Prozent der Gesamtbevölkerung von Klein Wesenberg und Hamberge sind evangelisch. Bei den Senioren sind ja auch nur noch höchstens 50 Prozent in der Kirche.“ In Städten wie Reinfeld sei es noch viel dramatischer.

Amtsvorsteher Beeck, der auch Bürgermeister von Hamberge ist, hat dazu ein Beispiel aus seinem Dorf parat. Vor zwei Jahren habe die Gemeinde das Kindergartengrundstück von der Kirche gekauft. „Die Kirche hat dafür von uns eine Ackerfläche bekommen, und wir haben 126 000 Euro auf das Konto der Kirche überwiesen. Mit dem Geld kann man in der Kirchengemeinde schon was gestalten“, meint Beeck.

In Zarpen gibt es jetzt Pfadfinder

Ein positives Beispiel für eine gut funktionierende Glaubensgemeinschaft sei Zarpen, wo das Pastoren-Ehepaar Wolffson tätig ist. „Dort wird in der letzten Zeit sehr viel gemacht. Sogar eine Pfadfinder-Gruppe ist entstanden. Ich kann mir gut vorstellen, dass so etwas auch in Hamberge oder Klein Wesenberg entstehen könnte. Es sind viele Kinder da“, weiß Amtsleiter Wulf.

Hamberger Schul-Erfolg als Vorbild

Dass die Kirche in den Gemeinden erfolgreich sein kann, davon ist Paul Friedrich Beeck überzeugt. „Vor fünf Jahren hieß es bei uns in Hamberge, die Grundschule wird geschlossen, weil es nur noch 63 Schüler gibt. Die Eltern sollten entscheiden, ob sie ihre Kinder nach Reinfeld oder Zarpen fahren.“ Lehrer, Eltern und Gemeinderäte hätten sich daraufhin zusammengetan und sich das Ziel gesetzt, die Hamberger Grundschule wieder attraktiv zu machen. Beeck: „Heute haben wir 130 Schüler. Die Schule lebt. Das ist doch ein Beispiel auch für die Kirchengemeinde, was möglich ist.“ Der Erfolg der Schule beruhe unter anderem darauf, dass Ehrenamtler sich einbrächten, weil sie sich wohlfühlten und ihren eigenen Gestaltungsspielraum hätten. Gerade in dieser Sache müsse nach Ermessen des Amtsvorstehers auch der Kirchenkreis aktiver werden.

Paul Friedrich Beeck, Amtsvorsteher und Bürgermeister von Hamberge: "Wir würden eine Initiative mit ganzer Kraft unterstützen." Quelle: Britta Matzen

Dass man aufgrund von Pastorenmangel keinen Nachfolger finde, zweifeln der Amtsleiter und der Amtsvorsteher an. „Das weiß man ja erst, wenn man die Stelle ausgeschrieben hat. Von vorn herein zu sagen, wir haben keine Pastoren, das ist nicht richtig. Wir befinden uns zwischen Hamburg und Lübeck in einer sehr attraktiven Region. Auch Pastorenfamilien können sich hier wohlfühlen“, so Wulf und Beeck einhellig. Man lebe schließlich nicht JWD, janz weit draußen.

„Wir würden eine Initiative mit ganzer Kraft unterstützen“

Politik und Kirche waren sich in Hamberge in den vergangenen Jahren nicht immer grün. Ab und zu gab es Knatsch, ob es um den Kindergarten oder um die Konfirmanden ging. Dennoch: „Für Hamberge kann ich sagen: Wir würden uns wünschen, dass wir eine lebendige, den Menschen zugewandte Kirche haben. Wenn sich dafür eine Initiative gründet, würden wir die mit ganzer Kraft unterstützen“, macht Beeck deutlich.

„Wenn kein Nachfolger kommt, treten die Leute reihenweise aus“

Klein Wesenbergs Bürgermeister Herbert David ist entsetzt. „Der Pastor ist doch der Mittelpunkt der Gemeinde, die Bezugsperson schlechthin.“ Eine Vertretung könne diese Rolle gar nicht ausfüllen. Wenn kein Nachfolger für Pastor Graf komme, dann würden die Leute reihenweise aus der Kirche austreten.

Herbert David, Bürgermeister Klein Wesenberg: „Höchste Zeit, dass die Gemeinden aufwachen und aufstehen.“ Quelle: hfr

„Wir haben Pastor Graf unheimlich viel zu verdanken. Was der in seinen zehn Jahren in Klein Wesenberg auf die Beine gestellt hat, da nehme ich den Hut ab“, sagt der Bürgermeister und führt als Beispiele unter anderem die Sanierung der kirchlichen Gebäude, die Hochzeitstreppe oder die Einrichtung des Ehrenfriedhofes an. Er könne sich nicht vorstellen, wie das Gemeindeleben ohne Nachfolger funktionieren solle. Pastor Graf mache Sport mit Jugendlichen, er betreue die Senioren. Dann liege die Gemeinde am Jakobsweg, Wanderer könnten im Gemeindehaus übernachten, sie bekämen dort auch ihre Pilgerbestätigung. „Alles ist wunderbar eingerichtet. Wie soll das alles laufen ohne Pastor? Und vor allen Dingen, was kommt da für eine Belastung auf den Kirchenvorstand zu? Die ehrenamtlichen Mitglieder können das nicht alles übernehmen.“ Von älteren Bürgern wisse er, was für große Sorgen sie sich bereits machten. „Jetzt ist es höchste Zeit, dass die Gemeinden aufwachen und aufstehen“, so Herbert David. Einen Lösungsvorschlag hat Herbert David auch schon parat: „Die sollen von Bad Oldesloe oder Zarpen jemanden abziehen, der nach Klein Wesenberg versetzt wird. Sonst geht das gar nicht.“

Britta Matzen

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