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18:19 18.06.2016
Tatort Schützenstraße: Hier parken Autofahrer gern in der neu eingerichteten Bushaltestelle. Doch Ausreden lässt Tanja Ebhardt nicht gelten.

„Ich mag meinen Job. Ich bin an der frischen Luft, habe viel Bewegung und immer mit Menschen zu tun – mir bringt das Spaß“, sagt Tanja Ebhardt. Die 41-Jährige ist in der Innenstadt von Bad Oldesloe als „Knöllchenschreiberin“ im Einsatz. Ein Beruf, der nicht gerade das beste Image hat. Schließlich klemmen Ebhardt und ihre Kollegen jedes Jahr 13000 Strafzettel hinter die Wischerblätter. Die gebürtige Dortmunderin kennt die panischen Blicke von Parksündern ebenso wie die oft gleichlautenden Ausreden. „Ich muss eben kurz ein Rezept einwerfen, eben kurz Kind abholen, eben kurz auf Frau warten – eben kurz ist Standard“, sagt die Frau vom Ordnungsamt.

Tanja Ebhardt kommt mit Autofahrern ganz gut aus. Quelle: Fotos: Matzen

Seit Januar 2015 verteilt die Nordrhein-Westfälin Strafzettel in der Kreisstadt. In Teilzeit – fünfeinhalb Stunden am Tag dreht sie ihre Runden durch City. „Man muss gut zu Fuß und gegen Wind und Wetter gewappnet sein“, fasst sie die Voraussetzungen für den Beruf zusammen. Zudem müsse man gut mit Menschen umgehen können, schließlich treffe man mitunter auch auf ziemlich aufbrausende Zeitgenossen.

Gerade geht Tanja Ebhardt am Bahnhof entlang. Ein Auto steht im Halteverbot, eine Familie steigt aus und lädt Fahrräder ab. „Moin, laden Sie nur ab?“, fragt die in Blau gekleidete Frau. „Ja, wir fahren gleich weiter“, antwortet der Fahrer und sprintet sogleich hinters Steuer. Ein kurzes Nicken, und Tanja Ebhardt geht weiter. „Eigentlich sind wir ganz kulant. Wenn jemand an der Parkuhr steht, geben wir ein paar Minuten Toleranz, falls es beim Arzt mal länger dauert oder man beim Einkaufen an der Kasse in der Schlange steht.“

Weiter geht’s Richtung Arbeitsamt. Im Gretje-Dwenger-Weg muss die Stadt-Angestellte ihr mobiles Datenerfassungsgerät MDE zücken – zwei Pkw der Marke Mercedes haben keinen Parkschein sichtbar ausgelegt – weder hinter der Scheibe noch auf den Autositzen entdeckt sie das weiße Zettelchen. „Ohne Parkschein – da werden zehn Euro fällig.“ Mit dem MDE werden die Vergehen festgehalten – Fotos gemacht und die Daten eingegeben. „Später lade ich die Daten hoch, sie werden in den zentralen Rechner eingespeist und landen bei meinem Chef auf dem PC.“ Sollten die Parksünder hier noch stehen, wenn Tanja Ebhardt bei ihrer nächsten Runde vorbeikommt, wird es teurer: „Nach einer halben Stunde kostet es 15 Euro, dann steigert sich das bis 30 Euro.“

Grundsätzlich hat die Knöllchenschreiberin festgestellt: Je größer das Auto, desto öfter fehlt ein Ticket. „Das sind wohl die, die genug Geld haben“, vermutet die Kontrolleurin. Zwischen 30 und 50 Knöllchen verteilt sie im Schnitt am Tag. „Umsatzbeteiligt sind wir nicht, was ja viele vermuten. Und eine Vorgabe, wie viele Strafzettel wir mindestens schreiben müssen, haben wir auch nicht. Im Gegenteil – wir freuen uns, wenn wir nicht so viel aufschreiben müssen.“

Ein Einsatz ohne Strafzettel – das komme allerdings so gut wie gar nicht vor. „Auf dem Exer haben wir immer gut zu tun. Drei Stunden darf man dort kostenfrei stehen. Dieser Parkplatz wird aber gern von denen genutzt, die den ganzen Tag arbeiten. In der Mittagspause huschen die schnell rüber und stellen die Parkscheibe um.“ Das sei natürlich nicht erlaubt. „Normalerweise muss man eine Runde drehen und umparken, dann darf man die Parkscheibe weiterdrehen.“

Zudem gebe es momentan viele Vergehen durch die Sperrung der Hagenstraße. „Die Bushaltestelle ist in die Schützenstraße verlegt worden, und jetzt parken die Oldesloer immer in der Bushaltestelle vor der Post. ,Da haben wir doch immer geparkt’, heißt es dann. Die Leute wollen das einfach nicht verstehen“, so Tanja Ebhardt.

Viele würden deshalb auch rumpöbeln. „Aber ich versuche immer, ganz ruhig zu bleiben, um die Leute runterzubringen.“ Meistens klappe das auch ganz gut. „Der Ton macht eben die Musik.“ Und wenn sie mit Kunden gar nicht überein komme, würde sie denen anbieten, die Sache mit ihrem Chef zu klären: „Kann ja sein, dass ich auch mal etwas verkehrt sehe.“

Einmal allerdings sei die Situation brenzlig geworden. „Das ist erst kürzlich passiert. Ich habe eine junge Frau auf dem Exer aufgeschrieben, die kein Parkticket hatte. Die Frau ist in ihren Wagen gestiegen, ich stand vor ihrem Auto. Doch statt rückwärts auszuparken, ist sie nach vorn gefahren, und ich konnte mich nur im letzten Moment mit einem Sprung zur Seite retten“, sagt die Mutter einer Tochter. Und ihre Stimme zittert immer noch, wenn sie davon spricht.

Das wird kassiert

Eine Zeitüberschreitung an einer Parkuhr kostet

– bis 30 Minuten 10 Euro;

– länger als 30 Minuten 15 Euro;

– länger als eine Stunde 20 Euro;

– länger als zwei Stunden 25 Euro;

– länger als drei Stunden 30 Euro;

Parken auf Geh- und Radwegen 20 Euro;

Parken vor oder in Feuerwehrzufahrten   35 Euro; Parken mit Behinderung von Einsatzfahrzeugen 65 Euro;

Parken auf einem Schwerbehinderten-Parkplatz 35 Euro;

nicht platzsparend geparkt 10 Euro.

Britta Matzen

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