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Kein Winter? Mehr Wildschweine!

Trittau Kein Winter? Mehr Wildschweine!

So macht sich der Klimawandel bemerkbar: Bleibt der Winter mild, finden Wildschweine ideale Bedingungen zur Aufzucht ihrer Frischlinge. Seit etwa zehn Jahren steige der Bestand an Schwarzwild kontinuierlich an.

Am Wildschwein lässt sich sehr gut der Klimawandel beobachten“, erläutert Michael Hansen, seit 34 Jahren Revierleiter der Försterei Hahnheide

Quelle: fotolia

Trittau. Hahnheider-Forst im Dezember: Sonnenschein, elf Grad, und an manchem Ast bilden sich Knospen. Das klingt nach Frühling, ist aber seit ein paar Jahren ein ganz normaler Wintertag im Wald. Der Klimawandel zeigt sein Gesicht, und das ist haarig und hat Hauer. "Am Wildschwein lässt sich sehr gut der Klimawandel beobachten“, erläutert Michael Hansen, seit 34 Jahren Revierleiter der Försterei Hahnheide, und zeigt auf eine durchgewühlte Koppel mit deutlichen Abdrücken der Paarhufer. „Nacht für Nacht kommen Wildschweine und wühlen. In einem Garten am Waldrand haben sie die Krokuszwiebeln ausgegraben.“ 

Seit etwa zehn Jahren steige der Bestand an Schwarzwild kontinuierlich an, so der Förster weiter, und das sei eine deutliche Folge der Erwärmung. „Wildschweine bekommen ihre Frischlinge im Februar, März und April“, erläutert Hansen. „Früher gab es in diesen Monaten Frost, dadurch ist immer ein Teil der Tiere eingegangen. Heutzutage überleben alle.“ Sie wachsen in einem Schlaraffenland auf, denn durch das Fehlen des Winters gibt es auch keine Fressnot im Wald. Weder bedecken Eis und Schnee die Jagdgründe der Tiere noch gibt es Ausfälle beim Angebot. Mäuse, Würmer und Insektenlarven befinden sich gut erreichbar im Boden und liefern reichlich Nahrung. Auch von oben kommt Futter nach. „Wir beobachten seit drei Jahren eine Häufung von Baummasten“, so Hansen.

Das bedeutet, dass Eichen und Buchen massenhaft Früchte tragen, die zur Lieblingsspeise der Wildschweine gehören. „Wenn Bäume Stress haben, produzieren sie verstärkt Früchte als Samenträger, um vor dem Absterben die Fortpflanzung zu sichern“, sagt Hansen. Grund seien längere Trockenheiten, die den Grundwasserspiegel absinken ließen, und Hitzephasen im Sommer. „Früher kam es alle sechs bis neun Jahre zu einer Baummast. Seit drei Jahren haben wir jedes Jahr eine.“ 2013 habe es viele Bucheckern gegeben, vor zwei Jahren trugen Eichen und Buchen im Übermaß, in diesem Jahr sei eine Eichelschwemme da. „Für Wildschweine bedeutet das, dass sie reichlich Nahrung finden.“ Sie lägen unterm Baum, könnten sich satt essen und blieben dann zum Schlafen gleich da.

Die Folge sind dicke Wildschweine, die sich nicht bewegen. „Der Jäger entdeckt die Tiere aber nur, wenn sie auf Nahrungssuche herumstreifen“, erklärt Hansen. Außerdem erreichten Frischlinge dadurch deutlich eher ein höheres Gewicht und damit verbunden früher die Geschlechtsreife, was wiederum weitere Frischlinge nach sich ziehe. Auch die veränderte Landwirtschaft kommt Wildschweinen entgegen, die durch den flächendeckenden Anbau von Mais und Raps für Biogasanlagen praktisch rundum versorgt sind. „Wildschweine sind klug“, betont der Förster. „Sie haben die Erfahrung gemacht, dass sie am Ortsrand nicht gejagt werden. Dort ist die Jagd zu gefährlich und deshalb verboten. Immer mehr Wildschweine treiben sich deshalb am Ortsrand herum.“ Die Tiere seien so klug, dass sie Erfahrungen auch an den Nachwuchs weitergeben würden. „Vor vielen Jahren haben wir mal einen Frischling mit der Flasche groß gezogen“, erzählt Hansen, „der hieß ,Wuzi‘ und ist mir immer nachgelaufen wie ein Hund.“

Bis zu zwölf Jahre alt können die Tiere werden, falls sie nicht vorher von Jäger oder Krankheit erlegt werden. „Uns macht die Afrikanische Schweinepest Sorge, die bereits in Ostpolen auftritt und weiter nach Westen zieht. Die vernichtet bis zu 98 Prozent des Bestandes und kann auch landwirtschaftliche Mastbetriebe befallen.“ Hier passen die Förster gut auf und lassen das Wild regelmäßig untersuchen. „Bislang besteht bei uns noch keine Gefahr“, sagt Hansen.

Vor dem Jäger gibt es dagegen kein Entkommen, zwei große Jagden werden im Hahnheider Forst veranstaltet. „Als ich hier angefangen habe, hatten wir im Jahr fünf bis sieben Abschüsse an Wildschweinen, mittlerweile sind es zwischen 60 und 120 Wildschweine im Jahr.“ Wenn es jetzt überall Wildschweingulasch gibt, ist wohl auch das eine Folge des Klimawandels.

Bettina Albrod

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